Rainer Einenkel

Rainer Einenkel hört die Absagen aus Rüsselsheim, aber er nimmt sie nicht für bare Münze. Er setzt auf weitere Gespräche mit dem neuen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. - Bild: kg

Rainer Einenkel hat hoch gepokert – und womöglich fast alles verspielt. In der Hoffnung, der Adam Opel AG nach monatelangen Verhandlungen doch noch mehr Zugeständnisse aus den Rippen zu leiern, hat der Bochumer Betriebsratschef die Belegschaft aufgerufen, nicht klein beizugeben. Einem Sanierungsplan, der den Weg zur Abwicklung des Standorts Bochum ebne, sollten sie nicht zustimmen. Die IG Metall-Mitglieder bei Opel im Ruhrgebiet sind ihm mehrheitlich gefolgt.

Und stehen nun womöglich mit leeren Händen da: Ende 2014 läuft nach den jetzigen Planungen der letzte Zafira in Bochum vom Band, mehr als 3.000 Menschen verlieren ihren Job.

Bochums Betriebsratschef geht hohes Risiko

“Einenkel hat immer die Illusion geschürt, es würde weitere Verhandlungen geben. Das war ein ganz böses Eigentor”, sagt ein Insider. Denn das Unternehmen bleibt hart. Am Freitag teilt Opel lapidar mit: “Die Opel-Geschäftsleitung hat heute im Gespräch mit dem Bochumer Betriebsrat das bereits angekündigte Vorhaben bekräftigt, die Automobilproduktion im Bochumer Werk Ende 2014 auslaufen zu lassen. Wie bereits im Jahr 2011 vereinbart, wird zudem Ende 2013 die Getriebefertigung beendet.”

Auch die dritte Schicht in der Bochumer Fahrzeugfertigung werde gestrichen. Denn Opel verkauft wegen der Absatzkrise in Europa zu wenig Autos – die Werke sind nur zur Hälfte ausgelastet. Deshalb sollen die Kapazitäten in Bochum noch in diesem Jahr gestutzt werden.

General Motors wird “die Muskeln spielen lassen”

Selbst die nach mühevollen Verhandlungen mit der IG Metall unterbreiteten Angebote des Unternehmens haben nach dem Veto der Bochumer Belegschaft wohl keinen Bestand mehr: Stand heute wird keine Komponentenfertigung im Ruhrgebiet angesiedelt. Nach 2014 wird das Werk, das 1962 auf einem ehemaligen Zechengelände entstand, demnach weitgehend aufgelöst. Nur das Warenverteilzentrum bleibt mit rund 430 Beschäftigten erhalten. Ausgebaut wird es nun aber nicht.

Womöglich bereiten Einenkel und die Bochumer Opelaner dem Unternehmen mit ihrer Entscheidung sogar unfreiwillig eine Riesenfreude: “Bei General Motors werden die Sektkorken knallen”, sagt ein Insider. Denn jetzt könne das Management in Detroit vor seinen Aktionären endlich mal die Muskeln spielen lassen: “Sie können Entschlossenheit zeigen, und sie werden Bochum früher los.”

In den USA sieht man es nicht so gerne, dass in Europa weiter Milliardenverluste aufgehäuft werden, während in der Heimat in der Insolvenz ganze Marken eingestampft, Werke geschlossen und Menschen entlassen wurden. Zuletzt hatte GM Opel so halbherzig saniert, dass die Pläne schon überholt waren, bevor sie komplett umgesetzt waren.

Einenkel sieht Opel-Chef Neumann in der Pflicht

Einenkel hört die Absagen aus Rüsselsheim, aber er nimmt sie nicht für bare Münze. Er setzt auf weitere Gespräche mit dem neuen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. “Es muss weitere Gespräche geben. Dieser Vertrag ist nicht akzeptabel”, sagt er am Freitag. Er kann sich nicht vorstellen, dass der Zafira für die letzten zwei Produktionsjahre in ein anderes Werk verlagert werden könnte. Denn das sei wirtschaftlich Unsinn.

Frühere Werksschließung könnte für GM billiger sein

Analyst Frank Schwope von der NordLB hat da seine Zweifel. In der Summe könne es für GM sogar billiger sein, weil das Werk früher schließt. Nach dem Sanierungsplan hätte Opel in Bochum bis Ende 2016 Autos gebaut, danach sollten die Einkommen über eine Transfergesellschaft noch zwei Jahre gesichert bleiben. Experte Stefan Bratzel von der FH Bergisch Gladbach rechnet vor: Eine Fabrikverlagerung weg von Bochum werde – je nach neuem Standort – zwischen 50 und 200 Millionen Euro kosten. Doch GM Europa habe seit 1999 runde 15 Milliarden Dollar Verlust erwirtschaftet. Vor diesem Hintergrund verlören die Zusatzkosten ihre abschreckende Wirkung.

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dpa/Guido Kruschke