Bosch-Mitarbeiter prüfen Funktion und Dichtheit von Pumpen für Common-Rail-System am Standort

Bosch-Mitarbeiter prüfen Funktion und Dichtheit von Pumpen für Common-Rail-System am Standort Stuttgart-Feuerbach. - Bild: Bosch

Die Erholung sei inzwischen in allen Regionen spürbar, wobei vor allem die Märkte in China und Indien für besonderen Schub sorgten. Im ersten Quartal dieses Jahres lag der Umsatz der Bosch-Gruppe um rund 25 Prozent über der Vergleichszahl 2009, die gleichzeitig dem Tiefpunkt dieses Krisenjahres entsprach. Bosch-Chef Fehrenbach sagte ganz offen: “2009 war das schwierigste Jahr der jüngeren Witrtschaftsgeschichte.”

So liegt das aktuelle Umsatzniveau immer noch deutlich unter dem Niveau von 2007. Insgesamt rechnet Fehrenbach aber für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus von mehr als zehn Prozent auf 42 Milliarden Euro. Für die Weltwirtschaft geht der oberste ‘Boschler’ für 2010 und 2011 jeweils von einem Wachstum von drei Prozent aus.

2009 waren es mit 38, 3 Milliarden Euro Umsatz für die Gruppe rund 6,9 Milliarden weniger oder minus 15 Prozent gegenüber 2008 gewesen. Der Rückgang wäre ohne Konsolidierungseffekte durch Akquisitionen im bestehenden Geschäft sogar um 7,7 Milliarden Euro um 17 Prozent gesunken. Neben einer Reihe kleinere Zukäufe im Jahr 2009 wirkten dabei auch noch Käufe aus dem Vorjahr 2008 nach. Insbesondere der Automotive-bereich sowie die Industrietechnik trugen zu den Umsatzverlusten bei: Die Kraftfahrzeugtechnik, großter Unternehmensbereich des Stiftungsunternehmens, verlor wechselkursbereinigt 19 Prozent an Umsatz und fiel 2009 von 26,5 auf rund 21,7 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2009 lag der Umsatz sogar noch um etwa 35 Prozent unter dem Vergleichszeitraum 2008. Zu diesem Rückgang hat laut Automotive-Geschäftsführer Dr. Bernd Bohr insbesondere das massiv eingebrochene Nfz-Geschäft beigetragen. Auch der deutlich geringere Anteil an Dieselneufahrzeugen bei neu zugelassenene Pkw in Europa hat im größten Geschäftsbereich Diesel Systems zu deutlichen Rückgängen geführt. Dies sei auf auf das Ausweichen der Kunden bei den staatlich geförderten Neuzulassungen auf die unteren Fahrzeugsegmente zurückzuführen, in denen der Dieselanteil traditionell geringer sei.

Boschs Automotive-Chef Bohr zeigte sich aber zuversichtlich, da man etwa im Nfz-Bereich beispielsweise Ende 2009 und 2010 bereits einige signifikante Euro-6-Projekte gewonnen habe.

Asien treibt Boschs Umsätze

Die konjunkturelle Erholung hätte sich in der Kraftfahrzeugtechnik deutlich fortgesetzt. Wesentliche Impulse kommen erneut aus Asien. 2009 erzielte Bosch bereits 25 Prozent aller Kfz-Technik-Umsätze in der Region Asien-Pazifik. Insbesondere in Indien und China konnte der Konzern seine ohnehin starke Position ausbauen. Ermutigend seien aber auch die jüngsten Entwicklungen an den Märkten in Europa und Nordamerika. Gleichwohl ist dort voraussichtlich erst 2012 mit einer Rückkehr zu den Umsätzen aus dem Vorkrisenjahr 2007 zu rechnen.

Die gesamte Bosch-Gruppe erzielte 2009 in dieser Region rund 20 Prozent ihres Umsatzes. Auch hier sorgte neben Indien China, das hinter den USA inzwischen für Bosch der zweitwichtigste Auslandsmarkt geworden ist, für besonderen Schub. Insgesamt lag der in Asien-Pazifik erzielte Umsatz zwar um zwei Prozent (in lokalen Währungen sogar um sechs Prozent) unter dem Vorjahreswert. Ausschlaggebend war dafür aber die schleppende Entwicklung in Japan, hieß es im Rahmen der Bilanvorstellung. Bosch will die Präsenz in Asien weiter ausbauen und in diesem Jahr die Neubauten für die Hauptquartiere in Shanghai und Singapur eröffnen.

Seit Mitte 2009 zog das Automobil-Geschäft aber wieder an, wie der für die Finanzen verantwortliche Geschäftsführer Gerhard Kümmel bei der Vorstellung der Bilanzdaten erklärte. Der drittgrößte Bereich Industrietechnik verlor gegenüber 2008 sogar um 25 Prozent auf akuell 5,1 Milliarden Euro; der Bereich Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik verzeichnete mit aktuell 11,3 Milliarden Euro den geringsten Rückgang um 600 Millionen Euro oder wechselkursbereinigt um knapp drei Prozent.

Bosch – Eckdaten im Überblick:

(Zum Vergrößern bitte auf die Tabelle klicken!)

Quelle: Unternehmensangaben

Zu dem Zuwachs in 2010 werde laut Angaben aus der Bosch-Zentrale in Gerlingen-Schillerhöhe die Kraftfahrzeugtechnik aufgrund der erholten Automobilnachfrage vor allem außerhalb Europas den größten Beitrag leisten. „Die Erholung ist jedoch kein Selbstläufer“, warnte Fehrenbach. Durch die Krise habe Bosch beispielsweise bei der Produktivität an Boden verloren. Darum sei es entscheidend, jetzt die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen und erforderliche strukturelle Maßnahmen konsequent weiter umzusetzen.

Erstmals seit Jahrzehnten ein negatives Ergebnis

Das Ergebnis vor Steuern (EBT) war mit -1,197 Milliarden Euro erstmals seit Jahrzehnten negativ, nach einem positiven Ergebnis von 940 Millionen Euro in 2008. Das EBIT fiel von plus 1,515 Milliarden Euro in 2008 auf minus 1,151 Milliarden im vergangenen Geschäftsjahr. Wesentliche Gründe für den Verlust sind neben dem erheblichen Umsatzrückgang hohe Rückstellungen im Zusammenhang mit Restrukturierungen und außerplanmäßige Abschreibungen.Die Kfz-Technik erzielte 2009 ein negatives EBIT von 498 Millionen Euro, die Industrietechnik verlor über 1,1 Milliarden, während der zweitgrößte Bereich Gebrauchsgüter/Gebäudetechnik plus 444 Millionen zum EBIT-Gesamtergebnis beitrug.

Konsequente Maßnahmen zu Kosteneinsparung und Liquiditätssicherung hätten aber laut Unternehmensführung dazu beigetragen, dass die Bosch-Gruppe auch im Krisenjahr 2009 weiterhin auf eine sehr solide finanzielle Basis bauen konnte. Sämtliche Investitionen in Sachanlagen als auch alle Akquisitionen wurden aus dem laufenden Geschäft finanziert. Die Eigenkapitalquote von unverändert 49 Prozent und die positive Nettofinanzposition von rund 500 Millionen Euro sind ein weiterer Ausweis der soliden finanziellen Substanz, wie Finanzchef Kümmel betonte. Allei ndie Investitionen seien 2009 auf 1,9 Milliarden Euro runtergefahrern worden. Allerdings waren sie 2008 aufgrund einiger Großprojekte mit 3,3 Milliarden Euro auch besonders hoch gewesen. Durch striktes Vorratsmanagement konnten auch die Vorräte um 1,4 Milliarden Euro abgesenkt werden.

3,6 Milliarden für FuE in 2009, mittlerweile 33.000 Bosch-Entwickler aktiv

Die Forschungs- und Entwicklungsaufwände waren mit 3,6 Milliarden nur um 300 Millionen Euro geringer als 2008.Die Investitionen in Forschung und Entwicklung zielen auch darauf, die ökologische Ausrichtung der Bosch-Gruppe weiter auszubauen, hieß es dazu in Gerlingen. Bereits heute fließen etwa 45 Prozent dieser Ausgaben in die Entwicklung von Erzeugnissen, die Umwelt und Ressourcen schonen. Solche Produkte machen bereits ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. „Wir haben hier eine große Chance und eine große Verantwortung zugleich“, sagte Fehrenbach. So könne der Verbrauch von Benzin- und Dieselmotoren noch einmal um 30 Prozent gesenkt werden. „Wir warten nicht auf ein neues Kopenhagen, wir bewegen unsere eigenen Hebel“, betonte Fehrenbach.

Mit rund 3.800 Patenten hat das Unternehmen wieder 15 je Arbeitstag angemeldet. Die Zahl der weltweit in Forschung und Entwicklung beschäftigten Mitarbeiter stieg insbesondere durch Einstellungen in Asien um weitere 1.000 auf nunmehr 33.000. Zu den Innovationen, die in diesem Jahr auf den Markt kommen, gehören das weltweit kleinste Motorrad-ABS und der erste Strong-Hybrid in Paralleltechnik. „Wir gehen hohe Vorleistungen ein, sei es für die Entwicklung der Elektromobilität oder die Erschließung regenerativer Energien“, sagte Fehrenbach. Zugleich gelte es in allen Bereichen, von der Kraftfahrzeug- über die Thermo- bis hin zur Industrietechnik, die Energieeffizienz etablierter Systeme weiter zu steigern.

Auch das Geschäft mit Produkten rund um die erneuerbaren Energien gewinnt weiter an Bedeutung. So wird in diesem Bereich für 2010 ein Umsatz von 1,5 Milliarden Euro angestrebt. Sogar im Krisenjahr 2009 konnte dieses Geschäft mit knapp einer Milliarde Euro leicht gesteigert werden.

“Kernmannschaft im Unternehmen gehalten”

Trotz des deutlichen Umsatzrückganges auf fast allen Märkten hatte man sich zum Ziel gesetzt, “die Kernmannschaft im Unternehmen zu halten”, wie es aus dem Konzern hieß. „Das Know-how, das mit unseren qualifizierten Mitarbeitern im Unternehmen bleibt, können wir in den kommenden Jahren in Wachstum umsetzen“, betonte Fehrenbach. Die Zahl der Beschäftigten ging um rund 11.000 oder vier Prozent auf insgesamt rund 270.000 zurück, wozu auch Desinvestitionen beitrugen. Stabil blieb hingegen die Zahl der Auszubildenden. Auch im Krisenjahr 2009 hat Bosch mit 6.500 Jugendlichen weltweit erneut weit über den eigenen Bedarf hinaus jungen Leuten eine Berufsausbildung ermöglicht. Weltweit wird Bosch in diesem Jahr rund 3.700 Hochschulabsolventen einstellen, davon 500 in Deutschland sowie in Indien und China jeweils mehr als 1.000.