Am Ende doch noch schwarze Zahlen: Boysen-Geschäftsführer Geisel. (Foto: Boysen)

Am Ende doch noch schwarze Zahlen: Boysen-Geschäftsführer Geisel. (Foto: Boysen)

„Dass wir es nach Verlusten im ersten Halbjahr 2009 doch noch geschafft haben, am Ende schwarze Zahlen zu schreiben, erfüllt uns mit Genugtuung“, erklärte Boysen Geschäftsführer Rolf Geisel. Das positive Ergebnis tröste ein wenig über den rückläufigen Umsatz hinweg. Mit dem Umsatzrückgang endete für den Altensteiger Automobilzulieferer eine jahrzehntelange Wachstumsphase. Von 1979 bis 2008 hatte der Spezialist für Abgastechnik praktisch jedes Jahr zweistellige Umsatzzuwächse verbuchen können.

„Die erfolgreiche Markteinführung der neuen E-Klasse sowie neue Motorisierungen unseres Kunden Daimler haben uns davor bewahrt, tiefer in die Krise hineingezogen zu werden“, sagte Geisel. Darüber hinaus habe Boysen mit einer Reihe von Strukturreformen und einem harten Sparkurs frühzeitig und konsequent auf die rückläufige Nachfrage reagiert. Auch im Personalbereich habe man sämtliche Register gezogen. Das Unternehmen habe sich von Leiharbeitern getrennt, das Minus auf den Arbeitszeitkonten auf bis zu 200 Stunden erweitert und in verschiedenen produktiven Bereichen kurzgearbeitet. „Wir sind froh, dass wir unsere Stammbelegschaft halten und die Zahl der Arbeitsplätze in der Gruppe zum Ende 2009 gegenüber dem Vorjahr sogar leicht erhöhen konnten“, soRolf Geisel. „Auch das Thema Kurzarbeit, das uns noch bis ins zweite Quartal dieses Jahres beschäftigt hat, ist mittlerweile vom Tisch.“

Trotz Krise hat der Automobilzulieferer im zurückliegenden Geschäftsjahr in der Größenordnung von 6 Prozent vom Umsatz in die Zukunft investiert. Ein Großteil der Summe wurde zur Sicherung der Arbeitsplätze an den inländischen Standorten aufgewendet. Der mit rund 18 Millionen Euro größte Einzelposten entfiel auf das neue Versuchsgebäude im Boysen Entwicklungs- und Verwaltungszentrum, das Mitte des Jahres bezogen wurde.

Neues Versuchsgebäude am Standort Altensteig: Der Neubau war mit 18 Millionen Euro die größte Einzelinvestition 2009. (Foto: Boysen)

„Inzwischen haben wir mit der Krise komplett abgeschlossen“, so Geisel. „Boysen ist heute ein kerngesundes Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von weit über 40 Prozent und wir haben guten Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken.“

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Rolf Geisel wieder mit einem kräftigen Umsatzwachstum. Das erste Halbjahr sei deutlich besser verlaufen als erwartet. Wenn der Aufwärtstrend anhalte, werde der Gruppenumsatz 2010 die 700 Millionen Marke überspringen.

„Unser Wachstum in diesem wie in den nächsten Jahren wird getragen vom Export beziehungsweise von der positiven Entwicklung der Märkte in den USA und vor allem in China“, sagte Geisel. Im Gefolge der Fahrzeughersteller werde auch Boysen seine Fertigungskapazitäten in beiden Ländern weiter ausbauen. Dazu werde das Unternehmen in 2010 rund 15 Millionen Euro in neue Fabrikgebäude und Produktionsanlagen investieren. Gleichzeitig werde Boysen alles daran setzen, die vorhandenen Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten. Beim Personal rechnet Geisel ebenfalls mit einem Zuwachs. Die Zahl der Beschäftigten in der Gruppe soll im laufenden Geschäftsjahr um rund 100 auf 1800 steigen.

Um dauerhaft weiter zu wachsen, werde Boysen ab 2011 auch Abgastechnik für Nutzfahrzeuge produzieren. Der weitere Ausbau des neuen Geschäftsfeldes solle helfen, absehbare Auftragsverluste im Pkw-Sektor zu kompensieren. Im Moment sei der Einstieg in den Nutzfahrzeugmarkt für das Unternehmen vor allem mit erheblichen Investitionen verbunden.

Einen Schlüssel für den künftigen Unternehmenserfolg sieht Geisel im Bereich Forschung und Entwicklung. „Wir haben unsere personellen Kapazitäten in dem Bereich im vergangenen Jahr weiter ausgebaut“, sagte der Unternehmer. Durch den anhaltenden Trend zum Downsizing in der Motorentechnik seien negative Auswirkungen auf die Wertschöpfung zu erwarten. Sämtliche vom Verbrennungsmotor unabhängigen Antriebskonzepte gingen zu Lasten des Boysen Kerngeschäfts. Infolge dessen werde der Spezialist für Abgastechnik seine Entwicklungskompetenz in Richtung neuer Geschäftsfelder erweitern. „Unseren Neubau Versuch III haben wir bereits so ausgelegt, dass er uns Raum und Möglichkeiten gibt, auch Entwicklungsprojekte im nicht-automobilen Bereich zu realisieren“, sagte Geisel.

„Langfristig“, kündigte Geisel mit Blick auf das Thema Elektromobilität an, „werden wir uns ein zweites unternehmerisches Standbein jenseits der Abgastechnik aufbauen.“ Derzeit liefen noch verschiedene Untersuchungen, auf welchen neuen Geschäftsfeldern das Unternehmen vorhandenes Know-how gewinnbringend einsetzen könne. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen. „Wir sehen uns in dieser Frage aber auch nicht unter Druck“, so Geisel. „Wenn sich die Dinge weiter so entwickeln wie bisher, können wir vielleicht Ende des Jahres Genaueres zu diesem Thema sagen.“