Stefan Bratzel CAM

Laut Bratzel muss VW die Krise als Chance für einen Strukturwandel nutzen. Bild: CAM

Der Autoexperte bringt in einem Thesenpapier seine Überzeugung zum Ausdruck: “Vermutlich führte im aktuellen Fall der Abgasmanipulation auch der durch die Konzernführung ausgeübte enorme Wachstums- und Kostendruck gepaart mit einer vorherrschenden Kultur der “Angst vor dem Scheitern” der Ingenieure zu der Manipulation.” Unmittelbarer Ausdruck sowohl von fundamentalen Defiziten in der Unternehmenskultur und der Kommunikation im Volkswagen-Konzern sei die Tatsache, dass die Idee der Manipulation überhaupt angeordnet, ausgeführt und vom Umfeld toleriert wurde.

Chance für Strukturwandel

Zudem spräche nicht für Volkswagen, dass der Autobauer über ein Jahr lang versuchte, die Manipulation vor der US-Umweltbehörde zu verschleiern. “Der Skandal bringt diese und andere Struktrudefizite des Volkswagen Konzerns mit Wucht auf die unternehmenspolitische Agenda”, so Bratzel. Nichtsdestotrotz berge diese Krise auch eine enorme Chance für einen grundlegenden Wandel der Organisation und Unternehmenskultur. “Gelingt dieser Wandel könnte Volkswagen deutlich gestärkt aus der Krise hervorgehen.”

Voraussetzung für einen wirklichen Neuanfang sei die schonungslose Aufarbeitung der Skandalursachen und deren nachhaltige Beseitigung. “Eine vorwiegende Symptonbekämpfung, die sich etwa nur auf den Austausch einiger Manager beschränkt, könnte fatale Langfristfolgen für den Konzern und deren Mitarbeiter haben.” So bleibe es fraglich, ob für eine grundlegende Aufarbeitung die derzeitigen Maßnahmen ausreichend sind.

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gp