Robert Henrich, Geschäftsführer car2go GmbH

Robert Henrich, Geschäftsführer car2go GmbH

Der große Erfolg des Mobilitätskonzeptes habe zu Weichenstellungen für dessen zukünftige Entwicklung geführt: eine neu gegründete car2go GmbH wird als Tochterunternehmen der Daimler AG die internationale Kommerzialisierung vorantreiben. Der Start in einer europäischen Großstadt ist bereits für Ende des Jahres geplant.

„Nach einem Jahr car2go in Ulm können wir eine überwältigende Bilanz des Pilotprojektes ziehen“, zeigt sich Dr. Thomas Weber, im Vorstand der Daimler AG
zuständig für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung, sehr zufrieden.
„Mit car2go haben wir als Innovationsführer im Bereich urbaner Mobilität in
kürzester Zeit ein vollkommen neues und attraktives Geschäftsmodell entwickelt,
das nicht nur weltweit für große Aufmerksamkeit sorgt, sondern auch eine mögliche
Antwort für den Verkehrder Zukunft in den globalen Ballungszentren bietet“,
so Dr. Weber weiter.

Mit dem Ende des Pilotprojektes in Ulm nach nunmehr einjährigem öffentlichem Betrieb hat sich aufgrund des großen Erfolges die Frage nach dem weiteren Verbleib in der Donaustadt von selbst beantwortet. car2go wird der Stadt Ulm und damit natürlich auch der bayerischen Nachbarstadt Neu-Ulm erhalten bleiben und deutlich ausgebaut.

Die Verantwortlichen der Stadt Ulm zeigen sich ebenfalls zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Oberbürgermeister Ivo Gönner resümiert: “Die Erwartungen, die wir vor dem Start an car2go hatten, konnten vollauf erfüllt werden. Die Ulmer Bürger zeigen sich begeistert von dem Projekt, die Stadt hat ein zusätzliches Angebot für den innerstädtischen Verkehr erhalten, das insbesondere die Parkraumsituation entlastet und – wie begleitende Forschungsergebnisse der Universität zeigen – auch die CO2-Belastung deutlich senkt. Außerdem verfügt die Wissenschaftsstadt Ulm mit car2go über ein internationales Aushängeschild, dessen Wert auch für das Stadtmarketing nicht zu unterschätzen ist.”

 

Erfolgreiche Bilanz

Vom Start weg haben sich die Ulmer Bürgerinnen und Bürger begeistert gezeigt und das Mobilitätskonzept intensiv genutzt. “Wir rechneten vor Projektstart mit maximal 8.000 Kunden”, erinnert sich Projektleiter Robert Henrich, “die hatten wir dann bereits nach rund drei Monaten erreicht.”

Und das Wachstum geht ungebremst weiter: Fast 18.000 Kunden haben bis heute die Möglichkeit genutzt und sich für car2go registriert. Die Kundenstruktur reicht von 18 bis 80 Jahre, der überwiegende Anteil von 60 Prozent ist jedoch unter 36 Jahre alt. Der Anteil von car2go-Kunden an der Ulmer Bevölkerung liegt inzwischen bei 10 Prozent, bei den jungen Führerscheininhabern im Alter zwischen 18 und 35 Jahren hat bereits jeder Dritte ein car2go-Siegel auf der Fahrerlaubnis kleben. Gut die Hälfte der Kunden nutzt car2go regelmäßig, mehrere Hundert von ihnen täglich.

Im ersten Jahr wurden mehr als 235.000 Mietvorgänge durchgeführt, zumeist mit einer Dauer zwischen 30 und 60 Minuten. Inzwischen werden bis zu 1.000 vollautomatische Mietvorgänge pro Tag verzeichnet.

Mit den blauweißen smart fortwo wurden über 3 Millionen Kilometer zurückgelegt, im Durchschnitt zehn bis 15 km pro Miete. Der Fokus von car2go liegt damit klar auf dem innerstädtischen Verkehr. Die Fahrzeuge sind 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche unterwegs, mit einem Schwerpunkt zwischen der Mittagszeit und den frühen Abendstunden.

Die Kunden nutzten die Fahrzeuge für unterschiedlichste Zwecke: Von Arbeits- und Einkaufsfahrten über geschäftliche Nutzungen bis hin zu Wochenendausflügen. Dabei wurden die car2go smart zumeist sorgfältig behandelt, es gab nur Einzelfälle von Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen.

Die Kundenzufriedenheit erreicht konstant hohe Werte, sowohl hinsichtlich Bedienung der Fahrzeuge als auch bezogen auf deren Sauberkeit und die Freundlichkeit des Servicepersonals. In Befragungen geben bis zu 98 Prozent der Kunden an, car2go an Freunde weiterzuempfehlen.

Die besonderen Vorteile von car2go, wie zum Beispiel die Möglichkeit, Mieten spontan zu beginnen und Einwegfahrten durchzuführen, haben sich als maßgeblich für den Erfolg des Pilotprojektes erwiesen. 90 Prozent der Fahrten endeten an einem anderen als dem Startpunkt und der überwiegende Teil der Mieten erfolgte ohne Vorreservierung.

“Die Nachfrage nach innovativen Mobilitätskonzepten wächst rasant”, gibt sich Robert Henrich überzeugt. “Das einfache Mietmodell von car2go, die innovative Telematik und unser Service setzen in der Branche neue Standards. Die geplante Markteinführung auf internationaler Ebene ist daher der nächste logische Schritt.”

Mit knapp 18.000 Kunden erreicht car2go langsam seine aktuellen Kapazitätsgrenzen. Vor allem in der Innenstadt sind mitunter kaum noch freie Fahrzeuge zu finden. Aufgrund des großen Erfolges ist geplant, die Fahrzeugflotte in Ulm im Laufe der zweiten Jahreshälfte von derzeit 200 auf 300 Fahrzeuge aufzustocken. Dabei wird die bisherige Flotte von smart cdi durch eine Flotte von smart mhd mit Ottomotor und Start-/Stopp-Automatik ersetzt. Mit den neuen Fahrzeugen wird zudem eine neue Generation der car2go-Telematik zum Einsatz kommen, die derzeit in Ulm entwickelt wird. Dadurch wird die Steuerung des Mietvorgangs noch komfortabler und intuitiver als bisher möglich. Erste Prototypen werden voraussichtlich im Laufe des Sommers durch Ulms Straßen rollen.

Ziel des Pilotprojektes in Ulm war zu zeigen, dass neuartige Mobilitätskonzepte mit einem intelligenten Geschäftsmodell neben der individuellen Mobilität funktionieren können. Die neuentwickelten Prozesse und Systeme von car2go zu stabilisieren und zu optimieren hatte während der Pilotphase oberste Priorität. Stand während der ersten Monate noch die Zuverlässigkeit der Mietabläufe im Mittelpunkt, so erreicht die Verfügbarkeit der car2go Systeme inzwischen einen Wert von 99,9 Prozent. Ein aktueller Schwerpunkt der Entwicklung liegt auf der vollautomatisierten Disposition des Serviceteams: Ab Juni werden die Reinigungskräfte mithilfe mobiler Endgeräte zu Fahrzeugen geführt, die gereinigt, gewaschen oder betankt werden müssen. Ein neuartiges, von der ortsansässigen Daimler Forschung entwickeltes System wählt dabei, unter Berücksichtigung zahlreicher Rahmenbedingungen, automatisch den kürzesten und umweltfreundlichsten Weg von Fahrzeug zu Fahrzeug aus.

Als Reaktion auf Kundenwünsche wurde das Projekt im September 2009 auch auf die benachbarte Stadt Neu-Ulm ausgeweitet. Im November erfolgte ferner der erfolgreiche Start des ersten internationalen Pilotprojektes in der texanischen Hauptstadt Austin. Zunächst auf die 13.000 Mitarbeiter der Stadtverwaltung beschränkt, wird der Nutzerkreis schrittweise erweitert. Erster Partner neben der Stadt Austin ist die von Radrennprofi Lance Armstrong gegründete Livestrong Stiftung zur Krebsbekämpfung, deren in Austin ansässige Mitarbeiter sich nun ebenfalls als car2go Kunden registrieren können. Ausweitungen auf weitere Nutzergruppen bis hin zur allgemeinen Öffentlichkeit sind im Laufe des Jahres geplant.

 

Von der Idee zur Gesellschaft

Entwickelt wurde das innovative Mobilitätskonzept, das Autofahren in der Stadt so einfach wie mobiles Telefonieren macht, vom Bereich Business Innovation der Daimler AG. Dieser wurde 2007 mit dem Ziel gegründet, neue profitable Geschäftsfelder für die Daimler AG zu finden und zu entwickeln. car2go ist das erste Projekt, das den Sprung in die konkrete Umsetzung geschafft und damit den Versuchsstatus hinter sich gelassen hat.

Damit car2go in Rekordzeit von der Idee zum marktfähigen Konzept reifen konnte, hat Daimler umfangreiche Ressourcen in das Projekt einfließen lassen. Der Forschungs- und Entwicklungsbereich, der IT-Bereich, das Marketing, der Controllingbereich, der Rechtsbereich oder die Kommunikation stehen als Beispiel für die breite Unterstützung quer durch alle Abteilungen des Konzerns.

Mit dem Eintrag der car2go GmbH in das Handelsregister unterstreicht die Daimler AG ihren Willen, auch im Bereich der urbanen Mobilität eine führende Rolle einzunehmen und car2go als neues Geschäftsmodell nachhaltig am Markt zu etablieren. Sitz der GmbH ist Ulm, Geschäftsführer ist der bisherige Projektleiter Robert Henrich.

“Ich freue mich sehr, dass wir mit der Gesellschaftsgründung den Rahmen für eine internationale Markteinführung von car2go schaffen konnten”, sagt Robert Henrich, der Geschäftsführer der neuen car2go GmbH. “Dieser Schritt bereitet uns in optimaler Form vor, um Ende des Jahres die erste europäische Großstadt live zu schalten und im Jahr 2011 weiter zu expandieren. Wir gehen davon aus, im zweiten Quartal 2010 hierzu weitere Details mitteilen zu können.”