BMW Zinoro breit

Olaf Kastner: "Vermietung bedeutet, dass mehr und mehr Leute ihre Erfahrungen mit unserem Produkt machen können." - Bild: BMW

Es soll vorerst nicht verkauft, sondern vermietet werden, verkündete der Chef des Joint Ventures in Nordchina, Olaf Kastner, am Mittwoch den verdutzten Gästen bei der feierlichen Vorstellung anlässlich der internationalen Automesse im südchinesischen Guangzhou.

Der Oberklassewagen, der stark einem BMW X1 ähnelt, wird unter der neuen chinesischen Marke von dem Gemeinschaftsunternehmen in Shenyang in Nordchina eigens für den riesigen Wachstumsmarkt gebaut. Es wird aber eher ein Erlebnisprojekt: “Vermietung bedeutet, dass mehr und mehr Leute ihre Erfahrungen mit unserem Produkt machen können”, sagt Kastner. “So müssen sich die Kunden nicht um Wartung kümmern und können vermutete Risiken in ihren Köpfen vergessen.”

Für Brilliance zählt das “Erlebnis mit einem Elektroauto”

Die Show am Fuße des futuristischen Fensehturms der Metropole, die neben Peking und Shanghai zunehmend zum Mekka der weltweiten Autoindustrie wird, sollte eigentlich in die elektrische Zukunft weisen. Aber große Ambitionen haben BMW und Brilliance zunächst nicht: “Das Auto zielt nicht auf große Volumen, sondern das Erlebnis mit einem Elektroauto”, sagt Kastner. Branchenkenner wollen erfahren haben, dass vorerst nur 1.000 Fahrzeuge geplant sein sollen. Unbestätigt bleibt auch der Preis, der nach Spekulationen bei 400.000 Yuan, umgerechnet 48.000 Euro, liegen soll.

Audi setzt auf bewährte Plugin-Hybrid-Technologie

In dem langsamen Vorgehen seines stärksten Rivalen BMW sieht Audi-China-Chef Dietmar Voggenreiter “ein Zugeständnis, weil die Leute keine hohen Preise für rein elektrische Autos bezahlen wollen”. Er sieht seinen Kurs bestätigt, stattdessen voll auf Plugin-Hybrid-Autos zu setzen, die neben einem Elektroantrieb noch einen Benzinmotor haben. Die Zeit sei eben “noch nicht reif”. Die Auflademöglichkeiten seien in China nicht gegeben. “Unsere Kunden sagen uns, dass sie ein verlässliches Auto vor ihrer Haustür haben wollen.” Nicht eins, das vielleicht nicht aufgeladen ist, wenn es gebraucht wird.

“Ich habe wenig Erwartungen für dieses Auto”, kommentiert auch Cui Dongshu, Vizegeneralsekretär der Vereinigung der chinesischen Personenwagenhersteller, den Start des Zinoro. “Es geht nur darum, das Wasser zu testen.” BMW schlage aber zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen erfüllten die Münchner die Anforderungen der Regierung in Peking, mit dem chinesischen Partner eine eigene Marke für China zu entwickeln. Zum anderen müsse BMW den Benzinverbrauch seiner Flotte senken. “Insofern können sie damit nur gewinnen.”

“Chaotische Zustände” bei der Entwicklung der Infrastruktur

Ähnlich macht es auch die Konkurrenz. Mercedes hat mit dem Denza schon ein Modell vorgestellt, das gemeinsam mit dem Autobauer BYD (Build Your Dreams) entwickelt wurde. Volkswagen will mit seinen Partnern die Marken Kaili und Tantus bauen. Doch die Entwicklung der Infrastruktur und Elektrostandards in China verläuft “chaotisch”, wie jüngst selbst ein Regierungsmitglied klagte. Lokale Regierungen protegierten ihre ortsansässigen Unternehmen.

Nach dem Plan des Staatsrates sollen bis 2015 rund 500 000 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in China produziert werden – bis 2020 sollen es sogar fünf Millionen sein. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft aber eine große Lücke: In der ersten Hälfte dieses Jahres wurden nur 5889 Elektroautos in ganz China verkauft, wie die Vereinigung der chinesischen Autohersteller berichtete.

Internationale Aufmerksamkeit scheint nicht gewollt

Die internationale Aufmerksamkeit für den Zinoro, über den die Fachpresse als “BMW Light” oder “Pseudo-Zwilling” lästerte, scheint BMW oder seinem Joint Venture auch gar nicht so lieb zu sein. Deutsche und andere ausländische Journalisten waren erst nicht zur Premiere eingeladen. “Unsere Zentrale sagte uns, dass es ein lokales Ereignis ist”, wurde das Vorgehen begründet. Als wenn die Elektromobilität auf dem weltgrößten Automarkt nicht interessiere. Selbst eine Journalistin einer großen US-Agentur für Wirtschaftsnachrichten holte sich einen Korb: “Mir wurde zu verstehen gegeben, dass ich nicht willkommen bin.”

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dpa/Guido Kruschke