Haval 6 von Great Wall

Chinesische OEM wie Great Wall verzeichnen im Jahr 2015 spektakuläre Absatzzuwächse im SUV-Segment und wachsen erstmals dynamischer als globale Hersteller. Bild: Great Wall

Die Rollen am größten Automarkt der Welt waren bislang klar verteilt: Beherrscht wird das Geschehen von den großen globalen Konzernen wie VW und GM und deren Joint-Venture-Partnern. Im Premiumsegment fahren die deutschen Marken Audi, BMW und Mercedes voraus. Im abgeschlagenen Mittelfeld kommen dann irgendwann die China-Marken. Das nagt heftig am Selbstverständnis der politischen Führung.

Dass es bislang keiner chinesischen Marke gelungen ist, global Tritt zu fassen, ist schmerzlich. Noch schlimmer ist für den Führungsanspruch der Wirtschaftsplaner, dass die lokalen Marken im heimischen Geläuf maximal im Budget-Segment reüssieren. Ausgerechnet im “Krisenjahr” 2015 haben sich die Gewichte verschoben, wie eine Statistik zeigt, die IHS Automotive exklusiv für das jetzt erschienene Sonderheft Global Automotive Business von AUTOMOBIL PRODUKTION erstellt hat. Während das Gesamtmarktwachstum um die zwei Prozent pendeln dürfte und in diesem Jahr 23,5 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen werden (2014: 23,1 Millionen), liegt das Wachstum der China-OEM deutlich darüber. Geschuldet ist das vor allem dem stark wachsenden SUV-Segment.

Auf den Megatrend sind Marken wie Great Wall oder die im Westen gänzlich unbekannte Zotye am konsequentesten aufgesprungen und beweisen in hochfrequenter Befeuerung der Märkte mit neuen Modellen ihre Flexibilität.

Das drückt sich in Zahlen bei den Marken selbst und im Markt generell aus. So hat beispielsweise Great Wall die Absätze der ausschließlich auf SUV-Modelle fokussierten Submarke Haval in den ersten neun Monaten des Jahres um 45 Prozent gesteigert. Von 750.000 bis zu diesem Zeitpunkt verkauften Fahrzeugen der Marke waren 550.000 Geländegänger.

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Mit Blick auf den chinesischen Gesamtmarkt zeigt sich ein klares Bild von Gewinnern und Verlierern. So wird der SUV-Marktanteil im Vergleich zum Vorjahr von 20,9 Prozent auf 26,4 Prozent stark zulegen. Im Jahr 2013 hatte er noch bei 17,1 Prozent gelegen. Parallel dazu schrumpfte der Marktanteil der Limousinen von 43,1 auf 40,8 Prozent.

Innerhalb des SUV-Segments legt der Anteil der China-OEM laut IHS um spektakuläre 7,4 Prozent von 36,6 auf 44,1 Prozent zu. Zwar werden die globalen OEM auch im SUV-Markt die Nase vorn behalten, deren Marktanteil schrumpft aber von dominanten 63,4 Prozent auf 55,9 Prozent zurück. Weil der SUV-Absatz so stürmisch wächst, verzeichnen sowohl lokale OEM wie globale Hersteller in absoluten Zahlen Zuwächse. So klettert der SUV-Absatz der China-Marken laut Prognose von 1.77 Millionen Einheiten im Jahr 2014 auf 2.748 Millionen Einheiten und der der globalen Hersteller von 3.064 Millionen Einheiten auf 3.481 Millionen Fahrzeuge.

Allerdings könnten sich bereits im kommenden Jahr 2016 die Gewichte schon wieder verschieben. Zwar wird der SUV-Markt weiter wachsen und nach IHS-Einschätzung von 6,3 Millionen Einheiten in diesem Jahr auf 7,44 Millionen im Jahr 2017 anziehen. Ab kommendem Jahr werde der Wind wieder zugunsten der globalen OEM drehen. Zum einen, weil der Markt mit günstigen SUV chinesischer Herkunft geflutet ist. Zudem entsprechen eine Reihe chinesischer SUV-Modelle dann nicht mehr geltenden Umweltvorschriften.

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Frank Volk