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In China kostet der von US-Präsident Trump angezettelte Zollstreit mit Peking richtig Geld - weil auf im US-Werk in Tuscaloosa hergestellte teure SUVs nun höhere Zölle in China entfallen und Daimler die Preiserhöhungen nicht vollständig an die Kunden weitergeben kann. Bild: Daimler

Nach Jahren der Rekorde braut sich bei Daimler plötzlich ein Sturm zusammen. Vorstandschef Dieter Zetsche tritt im kommenden Mai den Posten an seinen Nachfolger Ola Källenius ab - und hat nur noch wenige Monate, um seine dann über 13-jährige Amtszeit nicht mit einem Makel enden zu lassen. Schließlich will der Manager nach einer Abkühlphase von zwei Jahren den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen.

Daimler hatte vorige Woche bereits mitgeteilt, wie schwach die Geschäfte im dritten Quartal verlaufen sind. Bis auf die Trucksparte mussten die Stuttgarter in jedem Geschäftsfeld Rückschläge einstecken. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27 % auf 2,49 Mrd Euro. In der wichtigsten Sparte bei Mercedes-Benz Cars ging es um über ein Drittel nach unten.

Die Gründe sind vielfältig. In China kostet der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Zollstreit mit Peking richtig Geld - weil auf im US-Werk in Tuscaloosa hergestellte teure SUVs nun höhere Zölle in China entfallen und Daimler die Preiserhöhungen nicht vollständig an die Kunden weitergeben kann. Nun kommen auch noch Kosten für Dieselrückrufe und für das früher verwendete Kältemittel R134a dazu. Der neue Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP tut sein Übriges, weil nicht alle Modelle den Kunden angeboten werden können.

Weltweiter Absatzrückgang von 8,2 Prozent

Angesichts der Sonderkosten ist der Rückgang der Absatzzahlen in den vergangenen Monaten besonders schmerzhaft. Seit Juni sinken die Verkäufe der Stammmarke Mercedes-Benz - zuvor waren sie im Vorjahresvergleich über fünf Jahre lang kontinuierlich gestiegen. Im dritten Quartal setzte es bei der Marke mit dem Stern einen weltweiten Absatzrückgang von 8,2 % auf gut 526.000 Fahrzeuge.

Finanzchef Bodo Uebber - auch er wird seinen Sessel nach rund 15 Jahren spätestens Ende 2019 räumen - geht in diesem Jahr mittlerweile von einem deutlich sinkenden Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern aus. Bei Daimler bedeutet das mehr als 10 % Rückgang (VJ 14,3 Mrd). Das gilt auch für die Autosparte Mercedes-Benz Cars, für die Vans und die Busse. Ob wie bisher anvisiert bei den Autos noch ein Umsatz auf Vorjahresniveau erreicht werden kann, dürfte die Anleger interessieren. Insgesamt steht noch ein leichtes Umsatzwachstum für den Konzern im Plan, das vor allem aus der Lastwagensparte, von den kleinen Nutzfahrzeugen und den Finanzgeschäften kommen soll.

Zudem hat sich das Unternehmen vorgenommen, einen Zufluss freier Mittel aus dem Industriegeschäft zu erreichen, der deutlich über dem Vorjahreswert von 2 Mrd Euro liegt - und der auch die Dividendenzahlung in diesem Jahr übersteigt, die bei 3,9 Mrd Euro lag. Nach den ersten neun Monaten hat Daimler aber einen Abfluss von 60 Mio Euro zu verzeichnen.