Produktion des Volvo S60L im Volvo-Werk in Chengdu/China

Wenn die Joint Venture Regelung weg fällt, können internationale Autobauer in China produzieren ohne vorher ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Partner zu gründen. Bild: Volvo

“Wir gehen davon aus, dass die internationalen Hersteller die Erlaubnis erhalten, ihre Partner über mehrere Jahre auszubezahlen”, sagt Jochen Siebert, Geschäftsführer der Unternehmensberatung JSC Automotive. Die verschiedenen chinesischen Ministerien sind sich allerdings noch uneins. Während sich das Handelsministerium für eine Beendigung der Joint-Venture-Verordnung ausspricht, will das Ministerium für Technologie und Information sowie der chinesische Automobilverband die Regelung beibehalten. Noch ist kein endgültiger Beschluss gefasst. “Der Markt spielt eine entscheidende Rolle”, so die knappe Aussage der chinesischen Zentralregierung.

Bislang müssen ausländische Autobauer ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Partner gründen, um im Reich der Mitte Fahrzeuge produzieren zu dürfen. Sie dürfen dabei nicht mehr als 50 Prozent der Anteile daran halten. Weitere Bedingung ist, dass der chinesische Partner außerhalb des Joint-Ventures selbst Fahrzeuge produziert. Ist er dazu nicht in der Lage, erlischt automatisch die Produktionsgenehmigung für das Gemeinschaftsunternehmen. Bislang stellen die internationalen Autobauer ihren chinesischen Partnern alte Plattformen bereit.

Laut JSC Automotive, ist das eine komfortable Situation für die chinesischen Firmen. Jedoch ist das kein Nährboden auf dem wettbewerbsfähige Autobauer wachsen können. Auch die chinesische Regierung hat das bereits erkannt. Ein erstes Aufweichen der Regelung ist bereits mit der Genehmigung des 12 prozentigen Anteilkaufs von Daimler an der Beijing Automotive Group (BAIC) geschehen.

JSC Automotive rechnet damit, dass ein eigenständiges Agieren der Autobauer mittelfristig ein Anwachsen der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten in China zur Folge hätte. Das Ende der Regelung hätte auch starke Auswirkungen auf die Zulieferer. “Ein wichtiger Effekt für die Zulieferer wird sein, dass die Einkaufskomitees der Hersteller dann nicht mehr mehrheitlich vom chinesischen Joint Venture Partner besetzt werden”, so Siebert. Auch der Export von Autos wäre mit dem Fall der Regelung weitaus attraktiver. Momentan müssen die Hersteller die Hälfte der Exportgewinne an ihre Partner abgeben. Die Reaktion der chinesischen Seite kann vielfältig sein. “Einige Unternehmen werden ihre Anteile schnell verkaufen, andere werden diese länger halten”, erklärt Siebert. Allerdings spiele die Zeit nicht für die chinesischen Partner, da die internationalen Unternehmen ihre Aktivitäten in den Joint Ventures drosseln werden.

Seit 2003 sind viele Hersteller zwar nicht mehr juristisch dazu gezwungen, ein Joint Venture in China einzugehen. Tatsächlich ist die Auftragsvergabe aber in vielen Fällen davon abhängig. In der Folge entstanden komplexe Strukturen, da die Zulieferer teilweise produktbezogene Gemeinschaftsunternehmen gründeten, die strategisch meist nicht in der Lage waren, andere Hersteller zu bedienen. Auch die Vergabe globaler Programme an Zulieferer wurde in China oft ausgehebelt, weil der chinesische Joint Venture Partner sein assoziiertes Unternehmen bevorzugte, so die Experten von JSC Automotive.

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Gabriel Pankow/JSC Automotive