Sergio Marchionne

Chrysler-Chef Sergio Marchionne hatte bislang erklärt, es gebe keinen Bedarf für eine hausinterne Finanzierungssparte. Nun hat er seine Meinung wohl geändert. - Bild: Chrysler

Dazu wollen die beiden Unternehmen ein Joint Venture mit dem Namen Chrysler Capital gründen, wie mit den Plänen vertraute Personen sagten.

Die neue Sparte soll Finanzierungen für Kunden und Autohändler bereit stellen und damit den von Chrysler derzeit noch bevorzugten Finanzierer Ally Financial ablösen.

Der Deal ähnele dem Abkommen von Chryslers italienischem Mutterkonzern Fiat mit der französischen Bank Credit Agricole, hieß es. Laut einer der Personen haben Chrysler und Santander bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die Transaktion könnte innerhalb der nächsten Wochen in trockenen Tüchern sein. Ein Chrysler-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Seit der Insolvenz im Jahr 2009 hatte Chrysler auf Ally zurückgegriffen, um Darlehen für den Autokauf oder an Händler zur Lagerbestandsfinanzierung zu vergeben. Im Zuge seiner Restrukturierung hatte der Autobauer seine damalige kriselnde Finanzierungssparte Chrysler Financial aufgegeben.

Gemeinsames Finanz-Joint-Venture

Das Joint Venture soll gemeinsam mit der schnell wachsenden amerikanischen Autofinanzierungssparte der Banco Santander gegründet werden. Die spanische Großbank bereitet laut Kreisen derzeit einen Börsengang der Tochter Santander Consumer USA vor, der im ersten Halbjahr über die Bühne gehen soll.

Das Vorhaben markiert eine Kehrtwende in der Strategie von CEO Sergio Marchionne. Der hatte bislang erklärt, es gebe keinen Bedarf für eine hausinterne Finanzierungssparte. Doch bereits im vergangenen Jahr hatte Chrysler Ally darüber informiert, dass die Vereinbarung mit dem Finanzierer zum 1. April auslaufen soll.

Neben Santander war der Autokonzern offenbar auch mit mehreren anderen Großbanken wie J.P. Morgan Chase im Gespräch. Im November hatte Chrysler dann die Gespräche mit Santander vorangetrieben, wie das Wall Street Journal aus Kreisen berichtete. Der Autobauer bestätigte seinerzeit, dass er für 30 Tage exklusiv mit einem Finanzunternehmen verhandele, sagte aber nicht, mit welchem.

Santander zielt auf den lukrativen US-Markt

Während die Banco Santander in Europa bereits zu den größten Autofinanzierern gehört, ist sie in den USA in dem Geschäft noch relativ schwach vertreten. Die Bank war erst 2006 mit dem Kauf des Subprime-Finanzierers Drive in den Markt eingetreten. Um größer zu werden, übernahm das Institut später Autokredite von HSBC und der Citigroup und vergibt inzwischen Kredite über mehr als 13.000 Autohändler. Das Portfolio an vergebenen Krediten beläuft sich auf rund 18 Milliarden US-Dollar.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke