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Beim Autozulieferer Continental haben künftig tausende Mitarbeiter die Aussicht auf flexiblere Arbeitszeiten. - Bild: Continental

Das geht aus einer Mitteilung hervor, die der Nachrichtenagentur dpa am Wochenende vorlag. Pro Jahr steht für 15.000 Beschäftigte aus der Reifensparte ein fast drei Millionen Euro großer Topf bereit, mit dem die Verringerung von Arbeitszeit bezuschusst wird. Unter welchen Voraussetzungen das geschieht, muss teilweise noch festgelegt werden.

Für Betriebe wie den Reifenhersteller und Kfz-Technikspezialisten Conti wird es immer wichtiger, Rücksicht zu nehmen auf eine alternde Belegschaft oder bei den Jüngeren stärker auf die Vereinbarung von Familie und Beruf zu achten. Teilweise gibt es auch schon freiwillige Regelungen, anderes wird von den Gewerkschaften vorangetrieben. Laut Conti geht es bei der Neuregelung um bundesweit 560.000 Angestellte, für die der Tarif der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie gilt. Diese Vorgaben sind auch für Contis Reifensparte maßgeblich.

Vereinbarung von Familie und Beruf

Ein Beispiel für Contis Reform sind ältere Schichtarbeiter, die ihre Fünf- auf eine Viertagewoche reduzieren können. Zwei Drittel dafür müssen sie ansparen. Den Rest des Ausfalls finanziert Conti.

Die Rechnung kann so sein: Ab 55 Jahren haben die Arbeiter pro Woche tariflich das Anrecht auf zweieinhalb Stunden Freizeit – also statt einer 37,5-Stunden-Woche nur eine mit 35 Stunden. Sie können nun bis 60 Jahre voll weiterarbeiten und sparen ihre zweieinhalb Stunden auf einem Konto an. Fünf Jahre vor der Rente startet die Teilzeit mit Viertagewochen. Dabei spart man seine 2,5 Stunden “Altersfreizeit” weiter, anstatt sie zu nehmen. So kommen fünf Stunden des 7,5-Stunden-Tages zusammen. Das letzte Drittel fließt aus dem Topf, in den Conti jährlich 200 Euro pro Vollzeitstelle steckt.

Andere Modelle helfen den Jüngeren. Sie erlauben Freizeit bei Lohnausgleich, etwa um die Eltern zu pflegen, sich fortzubilden oder einen Meisterabschluss zu machen. Ob für die reduzierte Arbeitszeit ein voller Lohnausgleich gewährt wird oder ob auch Entgeltverzicht dazugehört, muss an den Standorten mit Betriebsvereinbarungen erst noch im Detail geregelt werden. Dabei spielt es auch ein Rolle, wie viele die Chancen nutzen möchten – oder müssen. Das Volumen des Topfs ist begrenzt, Überschüsse werden ins nächste Jahr weitergereicht.

Den Lebensphasen von Mitarbeitern stärker Rechnung zu tragen, ist ein virulentes Thema. Mitarbeiter des Technologiekonzerns Bosch zum Beispiel können sich neuerdings Zeit mit der Familie als einen Karrierebaustein anrechnen lassen. Für Beförderungen wird dann eine Elternzeit zum Beispiel Auslandsaufenthalten gleichgesetzt. Beim baden-württembergischen Maschinenbauer Trumpf kann ein Konto mit Arbeitszeit angespart werden, um es später in Blöcken abzufeiern.

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dpa/Guido Kruschke