Continental hat den Kampf um die Macht in der gemeinsamen Holding mit Schaeffler noch nicht

Continental hat den Kampf um die Macht in der gemeinsamen Holding mit Schaeffler noch nicht aufgegeben. (Bild: Continental)

Das Szenario erinnert an die gescheiterte Übernahme von Volkswagen durch Porsche. Dem Handelsblatt zufolge, steuert auch das Duell Continental gegen Schaeffler auf die Entscheidung zu. Der Streitpunkt: Wer wird der neue Chef der gemeinsamen Holding.

Die neue Führung von Continental hat das Vertrauen der Anleger. Seit Bekanntgabe des Antritts von Chefaufseher Wolfgang Reitzle legte der Aktienkurs des Autozulieferers von weniger als 27 Euro auf zuletzt mehr als 41 Euro zu. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Conti-Vorstandschef Elmar Degenhart soll deshalb auch Vorsitzender der gemeinsamen Holding von Conti und Schaeffler werden.

Damit ist Streit mit der Conti-Großaktionärin und Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler programmiert. Denn der Chef ihres Unternehmens aus Herzogenaurach greift ebenfalls nach der Macht in der künftigen Holding.

Im Kreis von Contis kreditgebenden Banken heißt es, Reitzle sei als Integrationsfigur sowohl für Continental und als auch für Großaktionär Schaeffler so unverzichtbar wie Elmar Degenhart als Vorstandschef. Operativ macht das Führungsgespann deutliche Fortschritte. So hat Continental nach Informationen des Handelsblatts die Erwartungen der Analysten im ersten Quartal 2010 klar übertroffen.

Schaeffler-Boss Geißinger wird angelastet, die Eigentümerfamilie durch die schlecht vorbereitete Conti-Übernahme in eine Schuldenmisere gestürzt zu haben. Würde Frau Schaeffler ihn trotzdem als neuen Holdingschef durchsetzen, müsste Reitzle zwangsläufig zurücktreten. „Dann rauscht der Aktienkurs in den Keller“, prognostiziert ein Conti-Kontrolleur. Bei Schaeffler hieß es nur, man kommentiere Spekulationen grundsätzlich nicht.

Der neuerliche Zwist kommt zur Unzeit. In der Conti-Zentrale in Hannover laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, um im Mai bis zu zwei Milliarden Euro über eine hochverzinsliche Anleihe am Kapitalmarkt einzusammeln. Ein erster Versuch war im Februar an Auflagen von Schaeffler gescheitert.

Der sogenannte High-Yield-Bond bekam daraufhin von der Ratingagentur Standard & Poor’s eine zu schlechte Krediteinstufung. Wie das Handelsblatt aus Kreisen des Unternehmens erfuhr, steht eine abschließende Bewertung der neu strukturierten Anleihe durch Standard & Poor’s nun kurz bevor.

Der Zulieferer rechnet mit der Einstufung „B+“, das wäre zwei Stufen besser als die beim letzten Mal erfolgte Bewertung „B-“. Ein Continental-Sprecher wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Die Arbeiten an dem gesetzlich vorgeschriebenen Anlegerprospekt für die Hochzinsanleihe sind dem Vernehmen nach nahezu abgeschlossen. Der Aufsichtsrat soll das Dokument so bald wie möglich abnicken. Am Dienstag treffen die Kontrolleure in Hannover zusammen, einen Tag vor der Hauptversammlung des MDax-Konzerns.

Anders als beim ersten, gescheiterten Anlauf wird die Anleihe besichert sein: Die Zeichner erhalten die gleichen Garantien wie Contis 59 Gläubigerbanken. Um die Bond-Ausgabe kümmern sich federführend Deutsche Bank und Citi.

Das Instrument stellt einen weiteren wichtigen Baustein im Plan der Niedersachsen dar, mit dem sie ihre Schuldenlast von zuletzt knapp neun Milliarden Euro refinanzieren wollen. Conti-Chef Degenhart muss kommendes Jahr acht Milliarden Euro umschulden, die sonst 2012 gebündelt fällig würden.

Willkommener Nebeneffekt des High-Yield-Bonds: Die Anleihe bietet Schutz vor einer Überschuldung durch Schaeffler. Zwar dürfen beide Unternehmen den Anleiheregeln nach wie vorgesehen im kommenden Jahr fusionieren – für die Kreditlast des neuen Konzerns gelten aber die in Contis Kreditklauseln festgelegten Obergrenzen. Schaeffler verzichtet auf seine früheren Auflagen.

Auf dem Weg zur Fusion wandelt sich das Familienunternehmen als Zwischenschritt in eine Aktiengesellschaft um. Dem 20-köpfigen Aufsichtsrat sollen Ex-Schering-Chef Hubertus Erlen oder Unternehmenserbe Georg Schaeffler vorstehen, heißt es.

Schaeffler hätte sich fast an der Übernahme von Conti verschluckt, nun drückt eine Kreditlast von gut dreizehn Milliarden Euro. Gegen einen Aufschlag stunden die Banken die Zinsen. Zumindest operativ kommt der in der Autobranche hochgeachtete Wälzlagerspezialist voran. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen dürfte Schaeffler 2009 einen operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von gut einer Milliarde Euro gemacht haben.

Die Banken forcieren die Integration, um die Kredite besser zu verteilen: Schaefflers Nettoschulden übersteigen das Sechsfache des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Contis Schulden erreichen rund das Vierfache des Ebitdas. Den Kreditverträgen zufolge darf Contis Verschuldung Ende 2011 das 3,5-Fache des Ebitdas nicht übertreffen.