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Diese Einigung hatten die Gläubigerbanken Contis zur Bedingung für die Stundung von im Sommer fälligen Krediten in Höhe von 3,5 Milliarden Euro gemacht, wie die

Der hoch verschuldete Automobilzulieferer Continental wird 31 Millionen neue Aktien zu einem Bezugspreis von je 35 Euro ausgeben. Der Aufsichtsrat habe am Mittwochabend den Beschluss des Vorstands gebilligt, teilte der Konzern mit. Conti hatte sich kurz vor Weihnachten 2009 mit seinem Großaktionär Schaeffler auf eine Kapitalerhöhung geeinigt. Diese Einigung hatten die Gläubigerbanken Contis zur Bedingung für die Stundung von im Sommer fälligen Krediten in Höhe von 3,5 Milliarden Euro gemacht, wie die FAZ berichtete.

Die Gläubiger sind auch die Käufer der neuen Aktien: Die Konsortialbanken unter der Führung von Deutscher Bank, Goldman Sachs, JP Morgan, BNP Paribas, Calyon sowie HSBC Trinkaus & Burkhardt haben sich zur Abnahme verpflichtet, was Conti frisches Kapital in Höhe von 1,085 Milliarden Euro garantiert und den Konzern vom Risiko befreit, auf den neuen Aktien sitzen zu bleiben. Bereits 75 Prozent der neuen Aktien seien laut Informationen der Banken bei strategischen Investoren, meist aus Europa, platziert. Am Mittwoch betrug der Kurs der Conti-Aktie knapp 41 Euro. Ende November hatte er noch unterhalb vom jetzigen Bezugspreis von 35 Euro gelegen.

Mehr als zehn Investmenthäuser sind nach Informationen der Financial Times Detuschland (FTD) bereit, die Kapitalerhöhung des Konzerns zu zeichnen. Der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Wolfgang Reitzle stimmte der Ausgabe der Aktien in einer Telefonkonferenz zu. Der Aktienverkauf kann damit unmittelbar abgewickelt werden.

Die zwischen Weihnachten und Neujahr vorbereitete Kapitalerhöhung ist der vorerst letzte wichtige Schritt des hoch verschuldeten Konzerns, um seine finanzielle Lage zu stabilisieren. Sie verschafft dem Unternehmen Handlungsspielraum für den angepeilten Zusammenschluss mit dem Großaktionär Schaeffler. Für die Finanzmärkte ist der Schritt ein Signal, dass auch größere Kapitalerhöhungen – selbst aus der Krisenbranche der Automobilzulieferer – wieder auf Interesse von Investoren stoßen.

Trotz der 31 Millionen neuplatzierten Aktien wird der Anteil des Familienkonzerns Schaeffler an Continental nicht unter 75 Prozent fallen. Dies galt als Voraussetzung, damit die Schaeffler-Vertreter im Aufsichtsrat von Conti der Kapitalerhöhung zustimmen. Dass nicht mehr Aktien ausgegeben werden mussten, ist auch der guten Kursentwicklung der vergangenen Monate zu verdanken. “Wenn die Märkte deutlich schlechter gelaufen wären, hätte das nicht geklappt”, sagte ein Beteiligter laut FTD. Schaeffler ist selbst hoch verschuldet und hat kein Geld, sich an Contis Kapitalerhöhung zu beteiligen. Das fränkische Unternehmen hatte Ende 2008 über Kredite knapp 90 Prozent der Aktien an dem ehemaligen Dax -Konzern übernommen. Angesichts der Finanzkrise und der schwachen Konjunktur hatte dieses Geschäft Schaeffler selbst in Schieflage gebracht.

Das Geld soll zum Abbau der Schulden aus dem Kauf des Konkurrenten VDO eingesetzt werden, teilte Conti mit. Die Hannoveraner drückt nach der VDO-Übernahme im Jahr 2007 ein hoher Schuldenberg. Aktuell steht der von der Autokrise gebeutelte Konzern mit 9,5 Milliarden Euro in der Kreide.Die Kredittranche von 3,5 Milliarden muss bereits im August abgelöst werden. Die Kapitalerhöhung soll dazu beitragen. Den Rest des Kredits verlängern die Banken.

Mit der Entscheidung hat sich Contis Chefaufseher Wolfgang Reitzle gegen Widerstand aus dem Lager von Großaktionär Schaeffler durchgesetzt, wie das Handelsblatt berichtet. Kreisen des Aufsichtsrats zufolge wollte man angesichts des jüngsten Kursgewinns der Conti-Aktie nicht mehr länger warten. Zuletzt stieg das Papier auf gut 40 Euro. Reitzles Vorgänger Rolf Koerfer, Rechtsberater und Vertrauter von Contis Großaktionär, hatte die Anzahl der ausgegebenen Aktien bis zum Schluss stärker begrenzen wollen, um Schaefflers Anteil nicht zu verwässern.

Ebenso überraschend wie offenbar entscheidend für die Lösung war die Beteiligung der Investmentbank Goldman Sachs, die das Konzept der Kapitalerhöhung erarbeitet und damit den Konflikt entschärft hat. Schaeffler hatte Goldman ursprünglich abgelehnt: Die Banker hatten im Übernahmekampf im Sommer 2008 vergeblich auf Contis Seite gefochten.

Reitzle kann aber nun mithilfe von Goldman den benötigten Bruttoemissionserlös von einer Milliarde Euro garantieren. Das Risiko liegt voll bei den Banken und nicht bei Conti, hieß es in Finanzkreisen. Die Kapitalerhöhung sei bereits von den Banken an institutionelle Investoren weitergereicht worden. Dabei handele es sich um rund ein Dutzend namhafte und langfristig strategisch interessierte Investoren, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Kontrollgremiums.

Faktisch bedeutet das, dass der ebenfalls hochverschuldete Zulieferer Schaeffler sich mangels eigener Mittel Mitaktionäre an Bord geholt hat – und künftig die Macht in Hannover, Sitz des Conti-Konzerns, teilen muss. Die neuen Investoren bilden in Zukunft zumindest ein Gegengewicht zu Schaeffler. Das fränkische Familienunternehmen hält bislang 90 Prozent der Conti-Aktien und bestimmt auch künftig den Kurs. “Schaeffler bleibt mit mehr als 75 Prozent beteiligt”, hieß es in Kreisen des Aufsichtsrats.

Der bayerische Wälzlagerhersteller hatte Anfang vergangenen Jahres die Mehrheit an Conti übernommen und den Altaktionären 75 Euro pro Aktie geboten, die angesichts der Finanzkrise das Angebot in Scharen annahmen. Das einst bärenstarke Familienunternehmen leidet nach dem nicht geplanten Kauf von 90 Prozent der Conti-Aktien unter einer Schuldenlast von mehr als zehn Milliarden Euro. Die Franken haben mit ihren Gläubigern eine Verlängerung ihrer Kredite vereinbart.

Jetzt steht auch die Refinanzierung von Continental. Eine Kapitalerhöhung in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro war als Voraussetzung in den neuen Verträgen mit Contis 59 Gläubigerbanken fixiert, die kurz vor Weihnachten geschlossen worden waren.