Conti-Personalchefin Ariane Reinhart und Check Badri Kone aus Mali

Conti-Personalchefin Ariane Reinhart und Check Badri Kone aus Mali

Die Personalchefin hatte sich, so gibt sie gerne zu, das Projekt allerdings etwas einfacher vorgestellt: Flüchtlingsprofile beim Arbeitsamt anfordern, sich passende Wettbewerber ansehen, einladen und die Besten ausbilden. Das ist nun exakt ein Jahr her.

Zwischenzeitlich mussten Reinhart und Steffen Brinkmann, Koordinator für die Personalarbeit bei Continental in Deutschland, aber vieles lernen und neue Wege suchen. Die Profile von arbeitsuchenden Flüchtlingen sind oftmals spärlich oder gar nicht bei der Agentur für Arbeit vorhanden. Dann sind Sprachhürden zu nehmen. Dann mussten Reinhart und Brinkmann erst entsprechende Testformate entwickeln, um die Potenziale von Kandidaten aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Iran, Irak, Pakistan oder Eritrea zu ermitteln. Der selbstentwickelte Test heißt bei Continental folglich „Potenzial-Radar“.

Ein Jahr später haben die Personaler 200 Kandidaten für eine Einstiegsqualifizierung gefunden. Nachdem Auswahlverfahren werden allerdings nur 29 Männer und eine Frau eingestellt und beginnen quasi ein „Vorausbildungsjahr“. Die Einstiegsqualifizierung müssen öfter auch deutsche Jugendliche absolvieren, die die notwendigen sprachlichen Voraussetzungen nicht mitbringen, um eine Berufsausbildung zu beginnen. Acht der 30 jungen Menschen haben die anschließende Lehre bereits begonnen.

Problematisch sei oft auch, dass die Flüchtlinge „nur wenig Wertschätzung für die umfassende Ausbildung“ mitbringen, so Reinhart. „Sie würden lieber gleich arbeiten gehen“. Das dies in Deutschland nicht ganz so einfach ist, bedarf manchmal größerer Überzeugungsarbeit. Ariane Reinharts Fazit: „In der globalen Welt ist auch im HR-Bereich das Experimentieren wichtig“. Und sie will weitermachen. Ein Vorstandsbeschluss dafür liegt vor. Das Investment liege im „unteren einstelligen Millionen-Bereich“.

Ariane Reinhart, seit Oktober 2014 Personalvorstand des DAX-Konzerns, steht auch mit anderen Konzernen im Kontakt. Namen will sie aber lieber nicht verraten. „Die erarbeiteten Tests eignen sich übrigens auch sehr gut für die Rekrutierung von Mitarbeitern in Mexiko oder Brasilien“, verrät Reinhart.

Bei einem Presse-Termin im Werk von Benecke-Kaliko stellt Reinhart einen Flüchtling persönlich vor, der nun eine Ausbildung zum Verfahrenstechniker begonnen hat: Check Badri Kone, 20 Jahre alt, flüchtete aus Mali. Er benötigte sieben Monate, um nach Deutschland zu gelangen. Seine Leistung: Er spricht nach einem knappen Jahr in Deutschland schon fließend Deutsch. Dazu Englisch und Französisch.