Dr. Zetsche

Dieter Zetsche: Ich halte es für ausgeschlossen, dass die Chinesen gegen den Wunsch Deutschlands versuchen, Kontrolle über Daimler zu bekommen. - Bild: Daimler

“Chinesische Investoren gehören heute schon zu den Aktionären des Unternehmens. Ich würde es begrüßen, wenn es noch mehr werden würden”, sagte der 58-Jährige der “Bild am Sonntag”.

Zetsche glaubt aber nicht, dass chinesische Investoren die Mehrheit bei Daimler erlangen können: “Ich halte es für ausgeschlossen, dass die Chinesen gegen den Wunsch Deutschlands versuchen, Kontrolle über Daimler zu bekommen.” Auf der anderen Seite gehören chinesische Investoren heute schon zu den Aktionären des Unternehmens. Ich würde es begrüßen, wenn es noch mehr werden würden.

Der Daimler-Chef betonte, dass die derzeitige Auftragslage so gut sei, dass das Unternehmen mit der Produktion nicht mehr nachkommen könne: “Wir könnten von nahezu allen Baureihen mehr verkaufen als wir produzieren können. Bei der S-Klasse fahren wir Sonderschichten im Tag- und Nachtbetrieb und es reicht einfach nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen.”

Auftragsmedaille mit Kehrseite?

Allerdings hat das rasante Tempo bei Produktion und Absatz auch seine Schattenseite, wie das “manager magazin” berichtet. Zwar befindet sich die Branche weiterhin im Wachstum, wie etwa die jüngsten Meldungen der großen Automobilhersteller zeigen. Dessen Tempo jedoch hat bereits merklich nachgelassen. Um sieben Prozent sind die Verkaufszahlen weltweit in den ersten fünf Monaten dieses Jahres gestiegen, schrieb kürzlich Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen in einer Marktanalyse. Für das Gesamtjahr erwartet er ein Plus von 5,2 Prozent.

Wachstumstempo lässt nach

Die Gründe für das verlangsamte Wachstum liegen im Einbruch des japanischen Marktes nach der Naturkatastrophe, dem langsameren Wachstum in China und Rückgängen in Italien, Frankreich, England und Spanien, so Dudenhöffer.

Vor allem in China schwächelt offenbar der Absatz derzeit ziemlich. Das aufstrebende Land gehört mittlerweile zu den wichtigsten Märkten der deutschen Hersteller. Volkswagen erzielt dort die meisten Verkäufe, Daimler und BMW mit ihren Luxuslimousinen die höchsten Renditen.

Die deutschen Automanager dürften die Entwicklung in Fernost daher zurzeit mit Sorge betrachten. Nicht genug, dass die Wirtschaft der Volksrepublik insgesamt an Dynamik verliert. Wie in anderen Schwellenländern auch ist die Inflation hoch, so dass die Politik und die Notenbank bereits zügelnd eingreifen mussten. Ökonomen haben ihre Wachstumsprognosen für China daher zurückgeschraubt.

Auch der Autoabsatz in China ist zuletzt ins Stocken geraten. Seit Jahresanfang pendeln die Zuwächse der Zahlen insgesamt verkaufter Pkw um die Marke von 5 Prozent, wie aus einer aktuellen Analyse von J. P. Morgan hervorgeht. Im Mai kam es demnach besonders Dicke: Der Markt stagnierte vollends, das Wachstum ging auf Null zurück. Zum Vergleich: im gesamten Jahr 2010 legte der Automarkt in China um mehr als 30 Prozent zu.

Dudenhöffer: “Es ist sogar ein Vorteil, wenn die Verkäufe in China pro Jahr nur um fünf bis zehn Prozent anstatt um 30 Prozent, wie im vergangenen Jahr, zulegen”, sagt er gegenüber manager magazin. “So wird eine gefährliche Blasenbildung verhindert und die Autohersteller kommen damit gut zurecht.” Auch Dudenhöffer erwartet 2011 “Bilderbuchgewinne, die es noch nie gegeben hat”. 2012, so der Fachmann, dürfte es dann etwas weniger werden.

dpa/mm/Guido Kruschke