Daimler Messe Vorstände breit

Ein Milliarden-Sparprogramm soll den schwäbischen Autobauer Daimler wieder auf Kurs bringen, doch echte Erholung ist aber frühestens im zweiten Halbjahr 2013 in Sicht. - Bild: Daimler

Das “Übergangsjahr” 2012 war für den Autohersteller Daimler eine ziemliche Enttäuschung. Beim Absatz, beim Gewinn, bei der Profitabilität – überall verlor man Boden auf die Konkurrenz von BMW und Audi. Vor allem, weil es in China mächtig knirschte.

In allen zentralen Geschäftsbereichen senkte der Konzern bei der jüngsten Zwischenbilanz Ende Oktober seine Jahresziele. Und eine weitere Hängepartie ist absehbar: Zwar soll ein Milliarden-Sparprogramm das Unternehmen auf Kurs bringen, echte Erholung ist aber frühestens im zweiten Halbjahr 2013 in Sicht. Als Daimler-Chef Dieter Zetsche vor zwölf Monaten das “Übergangsjahr” ankündigte, sprach er noch nicht von zwei solchen Jahren. “Jetzt machen wir das”, sagte er kürzlich. Am kommenden Donnerstag präsentiert der Konzern seine Zahlen für 2012.

Konkurrenz kann deutlich mehr zulegen

Zwar steigerten die Stuttgarter den Absatz ihrer Pkw-Sparte um 4,5 Prozent auf eine neue Bestmarke von 1,42 Millionen Autos. Doch BMW und Audi legten hier zweistellig zu. Die VW-Tochter zog sogar erstmals vorbei. Auch beim Konzern-Umsatz fiel der Rekord – aber unter dem Strich bleibt Daimler hinter dem Niveau von 2011 zurück: Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg bis Montag befragten Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinn von knapp 5,2 Milliarden Euro und damit rund 14 Prozent unter dem Wert von 2011.

Schwaben bleiben hinter dem Niveau von 2011 zurück

Den Gewinn vor Zinsen und Steuern sehen die Analysten mit gut 8,3 Milliarden Euro nur rund fünf Prozent unter dem Vorjahr. Dies liegt aber vor allem daran, dass Daimler im Dezember 7,5 Prozent seiner Anteile am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS versilberte. Die 1,66 Milliarden Euro Erlös lagen klar über dem Buchwert. Damit wäre zumindest das im Herbst auf acht Milliarden Euro korrigierte Ziel geschafft. Ursprünglich wollte Daimler aber den Vorjahreswert von 8,75 Milliarden erreichen. Für den Umsatz rechnen die Experten indes im Schnitt mit 113,6 Milliarden Euro und damit fast sieben Prozent mehr als 2011.

Aber diese Schere aus steigendem Umsatz und sinkendem Gewinn zeigt ein Hauptproblem der Stuttgarter: Pro verkauftem Auto bleibt im Konkurrenzvergleich zu wenig Gewinn hängen. Das Ziel von zehn Prozent Marge in der Pkw-Sparte für 2013 wurde auf die lange Bank geschoben, während BMW und Audi längst auf zweistellige Werte kommen. Zwar lief der Verkauf der neuen A-Klasse im Herbst exzellent an. Doch der Kompaktwagen sorgt nur für Volumen, nicht aber für große Gewinnspannen. Für die braucht Daimler seine neue S-Klasse und die überarbeitete E-Klasse, die in diesem Jahr an den Start gehen. Bis die neuen Modelle aber wirklich einschlagen, dürfte von 2013 nicht mehr viel übrig sein.

Daimler tritt in China weiter auf der Stelle

Zeit braucht auch das Sparprogramm, mit dem Daimler bis Ende 2014 auf zwei Milliarden Euro geringere Kosten pro Jahr kommen will. Alle Ausgaben kommen dazu auf den Prüfstand, in der Lkw-Sparte sollen bereits 2.100 Stellen abgebaut werden. Hier bekam Daimler vor allem die Krise auf dem europäischen Markt zu spüren. Im größten Werk in Wörth stoppten die Stuttgarter im Oktober und November zwischenzeitlich die Bänder. Besser lief dagegen das Geschäft in den USA, wo sich der Markt kräftig erholte. So knackte Daimler den globalen Absatzrekord von 2011 fast schon im November.

Dagegen trat Daimler auf dem weltgrößten Automarkt China auf der Stelle: Hier schrumpfte der Absatz sogar leicht, während die Konkurrenz Fabelrekorde sammelte. Auch der umfangreiche Umbau des China-Geschäfts mit einem eigenen Vorstand, dem Einstieg beim Partner BAIC Motor und der Kontrolle über den gebündelten Vertrieb wird nicht von heute auf morgen Wirkung zeigen. Bis 2020 will Daimler BMW und Audi im Oberklassesegment überholt haben. Doch das geht nur mit einer rasanten Aufholjagd im größten Automarkt der Welt, in dem der Konzern seinen selbst gesteckten Zielen 2012 klar hinterherfuhr.

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dpa/Guido Kruschke