Mit der Initiative "Space Cowboys ? Daimler Senior Experts" will sich Daimler die Erfahrung von

Mit der Initiative "Space Cowboys ? Daimler Senior Experts" will sich Daimler die Erfahrung von Ruheständlern für Projekteinsätze sichern. Jüngere Kollegen sollen von der Erfahrung und vom Wissen der "Space Cowboys" profitieren. Bild: Daimler

Daimler hatte vor einem Jahr einen Expertenpool eingerichtet, in dem sich Rentner registrieren lassen können – mitsamt ihrer speziellen Fähigkeiten und Erfahrungen. Inzwischen sind dort rund 390 Senioren angemeldet. Für Projekte im IT-Bereich oder auch in Forschung und Entwicklung werden Pensionäre dann für maximal sechs Monate zurück in den Konzern geholt.

“Das Projekt Senior Experts ist ein voller Erfolg. Unser Unternehmen profitiert von der Erfahrung und dem Know-how der Space Cowboys, die ihr Wissen in Projekte einbringen und an jüngere Kollegen weitergeben. Durch die Zusammenarbeit zwischen den Generationen gewinnen wir wertvolle Impulse”, sagte Daimlers Personalvorstand Wilfried Porth.

Ein Beispiel für den Einsatz von Senior Experts sei der Übergang von einem alten IT-System in ein neues. “Wir hatten tatsächlich niemanden mehr, der die Programmiersprache konnte”, so Porth über einen solchen Fall. Auch bei Serienanläufen neuer Modelle seien Pensionäre gefragt. “Wir haben nicht an jeder Stelle im Unternehmen Menschen, die schon so viele Anläufe durchgemacht haben”, erklärt der Manager. “Da gehört schon sehr viel spezielles Mercedes-Wissen dazu.”

Daimler ist nicht das einzige Unternehmen, das auf die Erfahrung der Älteren setzt und sie gezielt für befristete Einsätze zurückholt. Als einer der Vorreiter gilt der schwäbische Technikkonzern Bosch. Schon 1999 startete dort eine eigene Gesellschaft für Senior-Experten, die Bosch Management Support GmbH (BMS). Mittlerweile sind dort weltweit 1600 Senioren registriert. Sie alle arbeiten zeitlich befristet. Das Honorar orientiert sich an ihrem letzten Gehalt. Da die Vergütung über die Jahre hinweg steigt, ist das in den meisten Fällen also ein vergleichsweise teures Gastspiel.

“Wir müssen voll durch unsere Leistung überzeugen und das spornt uns Seniorexperten an”, sagt BMS-Geschäftsführer Georg Hanen. Der 61-Jährige, der selbst schon in Rente ist, teilt sich die Stelle mit einem anderen Senior. Der größte Vorteil ist, dass die Experten den Konzern in- und auswendig kennen. Sie sind vom ersten Tag an einsatzbereit. Der Einarbeitungsaufwand entfällt praktisch komplett. Jede dritte Senior kommt bei Bosch im kaufmännischen Bereich zum Einsatz, mehr als jeder Fünfte hilft in der Fertigung aus.

Hanen selbst war noch vor einem Jahr Bereichsvorstand bei der Bosch-Tochter Bosch Rexroth. Deren Verträge enden bei Bosch ab einem Alter von 60 Jahren. “Für mich war es zwar interessant, mich aus dem eng getakteten Tagesgeschäft zurückzuziehen”, sagt Hanen. “Aber nur noch mit dem Hund rauszugehen – das kann es auch nicht sein.”

Nicht jeder sieht das Konzept allerdings ausschließlich positiv: “Es wäre geschickter das Wissen zu vermitteln, bevor die Leute ausscheiden”, gibt eine Sprecherin der IG Metall zu bedenken. “Es muss im Interesse des Unternehmens sein, da eine strategische Personalplanung zu machen.”

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dpa-AFX / Daimler / Andreas Karius