Neuer Daimler-Fahrsimulator in Sindelfingen: Herzstück einer 160 Millionen-Euro-Investition. -

Neuer Daimler-Fahrsimulator in Sindelfingen: Herzstück einer 160 Millionen-Euro-Investition. - Bild: Daimler

Mit einer virtuellen Spritztour haben Prof. Dr. Peter Frankenberg, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg, und Dr. Thomas Weber, Daimler-Vorstand für Konzernforschung und Leiter Entwicklung Mercedes-Benz Cars, den neuen Fahrsimulator der Daimler AG in Sindelfingen eingeweiht. Damit ist das erste Etappenziel der Erweiterung des Mercedes-Benz Technology Centers erreicht.

„Die Vorteile liegen klar auf der Hand: intensiver und enger kann der Austausch zwischen den einzelnen Bereichen nicht sein. Wir verkürzen so die Entwicklungszeiten, erhöhen signifikant den Reifegrad unserer Produkte und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit unserer Marke“, betont Dr. Weber.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren werden für Infrastruktur, Fahrsimulator und Klima-Windkanäle 160 Millionen Euro investiert. Weitere Investitionen in den nächsten Jahren sind geplant. Damit sichert sich das Unternehmen eigenen Angaben zufolge die Technologie- und Innovationsführerschaft im Premium-Segment. „Die Erweiterung des Mercedes-Benz Technology Centers am Südlichen Mittelpfad ist ein sichtbarer Beleg für unsere Strategie, die Technologie- und Innovations- Kompetenzen am Standort Sindelfingen kontinuerlich auszubauen“, so Prof. Dr. Eberhard Haller, Standortverantwortlicher und Leiter des Mercedes-Benz Werkes Sindelfingen.

Mit seiner 360°-Leinwand, dem schnellen elektrischen Antrieb sowie der zwölf Meter langen Schiene für Bewegungen in Querrichtung ist der Bewegt-Simulator der leistungsfähigste in der Automobilindustrie. Ebenso fortschrittlich: Ein Teil der zum Antrieb des Simulators benötigten Energie wird beim Bremsen mithilfe der so genannten Rekuperation zurückgewonnen und in das Stromnnetz des Werkes Sindelfingen eingespeist. „Durch den neuen Fahrsimulator können wir hochdynamische Fahrmanöver wie Spurwechsel noch realistischer nachbilden und so das Verhalten von Fahrer und Fahrzeug im Straßenverkehr noch intensiver erforschen“, erläutert Dr. Weber.

Reale Testfahrten kann und wird die Anlage nicht vollständig ersetzen. Aber im Simulator lassen sich Systeme und Komponenten künftiger Mercedes-Modelle in allen Entwicklungsphasen erproben. Zusätzlich wird der Fahrsimulator beispielsweise auch für Tests mit Probanden eingesetzt. Dabei können sich normale Autofahrer gefahrlos dem fahrphysikalischen Grenzbereich nähern und so den Mercedes-Ingenieuren Aufschluss geben über Akzeptanz und Bedienung neuer Sicherheitssysteme.

So funktioniert der Simulator

360°-Projektionswand im neuen Fahrsimulator: Über 1.000-mal pro Sekunde berechnet der Computer das Fahrverhalten des Autos. - Bild: Daimler

Der Erprobungsraum ist als Hexapod auf sechs beweglichen Stützen untergebracht. In ihm befindet sich ein komplettes Mercedes-Modell, in dem der Testfahrer Platz nimmt, sowie die 360°-Projektionswand, auf der der Straßenverkehr realitätsgetreu mit bewegten Fußgängern, Gegenverkehr und Häusern dargestellt wird.

Die Steuereinrichtungen des Fahrzeugs sind über Datenleitungen mit der Computersteuerung des Fahrsimulators verbunden. Lenkt der Testfahrer, gibt er Gas oder betätigt er die Bremse, werden diese Reaktionen von der Computersteuerung registriert und haben Auswirkungen wie im realen Verkehr. Die dargestellte Szenerie ändert sich ständig, und der bewegliche Raum simuliert die Lage des Autos zum Untergrund, beispielsweise das Einnicken beim Bremsen oder Seitenneigung bei schneller Kurvenfahrt.

Über 1.000-mal pro Sekunde berechnet der Computer das Fahrverhalten des Autos und erteilt der Elektrik die entsprechenden Befehle. Sie bewegt die Anlage mit einer Geschwindigkeit von maximal zehn Metern pro Sekunde (36 km/h) um bis zu zwölf Meter in Querrichtung, sodass beispielsweise auch Doppelspurwechsel simuliert werden können.

Bereits vor 25 Jahren, am 10. Mai 1985, wurde im Daimler-Benz Forschungszentrum in Berlin-Marienfelde der erste, selbst entwickelte Fahrsimulator eingeweiht.