Zetsche, Daimler

Dieter Zetsche hat gut lachen: Das Geschäft brummt und die strategische Ausrichtung geht voran. (Bild: Daimler)

Für Daimler-Chef Dieter Zetsche wird das Weihnachstfest 2010 ein friedliches. Ganz im Gegensatz zum letzten Jahr. Das Geschäft brummt und auch strategisch tut sich einiges.

Daimler geht für die ersten Monate 2011 von einem weiterhin dynamischen Geschäft aus. Auch der Dezember sei “toll gelaufen” und Daimler sei “sehr zufrieden”, sagte CEO Dieter Zetsche der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” . Für 2011 gehe es gerade so dynamisch weiter, betonte der Manager. “Die Prognosen für das erste Halbjahr sind schon ziemlich belastbar.” Daimler habe nach dem guten Dezember keinen Zweifel, den angekündigten Gewinn (EBIT) 2010 von mehr als  sieben Milliarden Euro zu erreichen.

Der Stuttgarter Konzern stoße “überall” an Kapazitätsgrenzen. Mercedes-Kunden müssten deshalb längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Wer etwa eine C-Klasse bestelle, müsse sich auf mehrere Monate Lieferzeit einstellen: “Ein Vierteljahr kann`s schon dauern”, sagte Zetsche.

Besorgt zeigte sich der Manager über die Euro-Krise. “Wird in unserer vernetzten Wirtschaft ein Raum erschüttert, bebt die ganze Welt. Außerdem profitiert keine Nation so stark vom Euro wie wir als Exportführer”, sagte Zetsche.

Damit das so bleibt will Zetsche den Konzern breiter aufstellen. Die Stoßrichtung geht gen Osten. Offenbar will die Daimler AG die geplante Kooperation mit dem russischen Automobilhersteller GAZ noch dieses Jahr besiegeln. Wie das Magazin “Der Spiegel” schreibt, will der Stuttgarter Konzern am 23. Dezember einen Vertrag mit der GAZ-Gruppe, dem zweitgrößten russischen Automobilproduzenten, unterschreiben. GAZ soll in seinen Werken den Mercedes-Benz-Transporter Sprinter für den russischen Markt produzieren. Durch diese Auftragsfertigung erhalte GAZ Zugang zu neuer Technologie, und Daimler verbessere seine Chancen auf einem wachstumsträchtigen Markt. Bei dem DAX-Konzern war am Sonntag kurzfristig niemand zu erreichen.

Im laufenden Jahr werde Mercedes-Benz in Russland noch nicht einmal 2.000 Transporter verkaufen, so “Der Spiegel” weiter. Hohe Einfuhrzölle verteuerten die aus Deutschland gelieferten Modelle stark. Dieser Wettbewerbsnachteil solle durch die Auftragsfertigung bei GAZ künftig beseitigt werden.

Daimler und GAZ hatten Ende November Gespräche über “eine große Bandbreite an Themen” bestätigt. Auch die Volkswagen AG spricht mit den Russen. Ende November hieß es von den Wolfsburgern, mit dem russischen Autohersteller GAZ weiter über eine mögliche Auftragsfertigung zu verhandeln. Pläne für eine Kapitalbeteiligung gebe es nicht.

Damit nicht genug Der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller Daimler und Russlands Marktführer Kamaz wollen künftig noch enger zusammenarbeiten. Die beiden Konzerne planen, in einem ersten Schritt 50 Millionen Euro in eine gemeinsame Achsenfertigung für die Daimler- und Kamaz-Nutzfahrzeuge in Russland zu investieren, wie der Stuttgarter DAX-Konzern am Freitag mitteilte. Eine entsprechende Absichtserklärung sei am Freitag unterzeichnet worden. Daimler hält zusammen mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) 15% an Kamaz.

In dem Anfang 2010 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen Fuso Kamaz Trucks Rus ist inzwischen die Produktion des leichten Lkw Fuso Canter angelaufen, wie Daimler weiter erklärte. Die Partner wollten im laufenden Jahr rund 400 der 7,5-Tonner aus russischer Produktion verkaufen.

Bei dem zweiten Gemeinschaftsunternehmen, Mercedes-Benz Trucks Vostok, werde neben dem Schwerlaster Mercedes-Benz Actros künftig auch der Axor und Atego gefertigt. Bis Jahresende sollen mehr als 1.600 Lkw verkauft werden und damit annähernd so viel wie im Vorkrisenjahr 2008. 2009 war der russische Auto- und Lkw-Markt drastisch eingebrochen.

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