Dieter Zetsche breit

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bereits vor Wochen vor zuviel Optimismus gewarnt. Das laufende Jahr werde für den Stuttgarter Autobauer ein Übergangsjahr. - Bild: dpa

Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler hat hinter seine Gewinnprognose für das laufende Jahr ein Fragezeichen gesetzt. Analysten sprechen von einer “halben Gewinnwarnung”.

Der Start in das neue Jahr sei recht verhalten gewesen, erklärte der DAX-Konzern anlässlich der Hauptversammlung am Mittwoch. Auch in den kommenden Monaten sei wenig Rückenwind zu erwarten. Insbesondere in Europa gebe es keine Anzeichen für eine Trendwende. Die Ergebnisprognose für das laufende Jahr werde deswegen überprüft – für Analysten ist das eine halbe Gewinnwarnung.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bereits vor Wochen vor zuviel Optimismus gewarnt. Das laufende Jahr werde ein Übergangsjahr. Zwar wolle der Konzern den Umsatz weiter steigern, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern solle hingegen lediglich auf Vorjahresniveau verharren, hieß es noch im Februar. Erst 2014 soll der Gewinn wieder zulegen. Diese Ergebnisprognose für das laufende Jahr will Daimler nun in zwei Wochen bei der Berichterstattung zum ersten Quartal überprüfen. An den Langfristzielen hält das Unternehmen jedoch fest.

Zetsche hält an Langzeitzielen fest

Branchenexperten sehen in den Aussagen für 2013 eine “halbe Gewinnwarnung”. Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler geht allerdings nicht davon aus, dass bei einer Gewinnwarnung der Stuhl von Dieter Zetsche wackeln wird. Zetsche werde die ungünstige Entwicklung auf die schwachen Märkte schieben. Auch sei es unwahrscheinlich, dass Zetsches Position so kurz nach der Vertragsverlängerung in Frage gestellt werde, so Pieper.

Auch Händler werten die ersten Aussagen zum Geschäftsverlauf negativ. “Vor allem der Ausblick für Europa ist sehr mau”, sagt ein Händler. “Auch die Andeutung, den Ausblick auf 2013 überprüfen zu wollen, sobald die Daten zum ersten Quartal vorliegen, klingt eher nach anstehender Abwärtsrevision”.

Ganz unerwartet kommen die pessimistischen Töne von Daimler allerdings nicht. Die Analysten der HSBC Horst Schneider und Niels Fehre hatten bereits im Vorfeld der Hauptversammlung bezweifelt, dass der Autobauer das Jahresziel werde erfüllen können. Obwohl sie von einer deutlich besseren zweiten Jahreshälfte ausgehen, wird sich das erste Quartal ihrer Meinung nach nachhaltig auf das Gesamtjahresergebnis auswirken. Die beiden Analysten rechnen für 2013 nur mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von lediglich 6,8 Milliarden Euro – das wäre ein Minus von 23 Prozent.

USA stark, China schwächelt weiterhin

Dafür sehen die HSBC-Analysten mehrere Gründe – und die liegen mehrheitlich bei der Luxusauto-Tochter Mercedes-Benz: In den ersten drei Monaten des Jahres wechselten rund 325.000 Autos der Kernmarke den Besitzer. Das ist ein zwar Plus von 3,5 Prozent. Aber das lag vor allem am starken US-Markt, der die Absatzschwächen auf dem europäischen und vor allem dem chinesischen Markt kompensieren konnte. Denn allein im wichtigen chinesischen Markt ging der Absatz um 11,5 Prozent zurück. Auch in der Truck-Sparte gingen die Verkäufe im ersten Quartal um sechs Prozent auf rund 101.000 Fahrzeuge zurück.

Zetsche-Aussagen können Börse nicht beeindrucken

Am Aktienmarkt hält sich die schlechte Stimmung in Grenzen, die Daimler-Aktie liegt sogar mittlerweile im Plus. Das Papier habe durch den Kursrutsch im März schon viel Negatives eingepreist, heißt es von einem Händler. Die vorsichtigen Zetsche-Aussagen überraschten daher nicht mehr.

Nachdem die in Frage gestellte Konzernprognose zunächst zu einem Minus von rund einem Prozent geführt hatte, springt der Kurs und liegt inzwischen 2,4 Prozent höher als am Vortag. Händler führen dies auch auf die Dividendenzahlung am Donnerstag zurück. “Sie schütten morgen eine Rendite von 5,4 Prozent aus, da haben einige Kaufstops im Markt gelegen beziehungsweise wurde die Schwäche der Aktie sofort zum Einstieg genutzt”, so ein Händler.

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Dow Jones Newswires/kru