Tognum Friedrichshafen

Die künftigen Partner wollen

Käufer ist die Siebte Vermögensverwaltungsgesellschaft Zeus mbH, eine Zweckgesellschaft, die zu gleichen Teilen Daimler und Rolls Royce gehört. Um die paritätische Verteilung abzusichern, hat sich Daimler verpflichtet, die eigene 28,4-prozentige Tognum-Beteiligung der Zweckgesellschaft anzudienen. Die Mindestannahmequote für das Gebot liegt bei 50 Prozent plus einer Aktie.

Nicht nur dem Vorstand, der zusammen mit Aufsichtsratsmitgliedern etwa 5% des Kapitals kontrolliert, auch anderen bedeutenden Tognum-Aktionären ist der Preis zu niedrig: Aus dem Umfeld des niederländischen Versicherers Delta Lloyd, der 1,4% an Tognum hält, wird beispielsweise eine Erhöhung des Gebots um mehr als 10 Prozent gefordert. Die Argumente für einen höheren Preis konzentrieren sich vor allem auf die guten Zukunftsaussichten Tognums und den Branchenvergleich. Aus Verhandlungskreisen verlautete, dass Daimler und Rolls-Royce womöglich zumindest teilweise auf die Forderungen eingehen und das Gebot aufstocken könnte. Die Obergrenze wird aktuell bei 25 Euro je Aktie gesehen; sollte dies nicht alle Aktionäre befriedigen, könnten sich die Bieter vorerst auch mit einer knappen Mehrheit zufriedengeben.

Das geplante Joint Venture, das Tognum und das Bergen-Geschäft von Rolls-Royce mit Gas- und Dieselmotoren mittlerer Geschwindigkeit zusammenführen soll, bringe den beteiligten Unternehmen “signifikante Vorteile”, hieß es von Daimler. Details waren zunächst nicht zu erfahren, im Verlauf des Vormittags sind aber mehrere Telefonkonferenzen angesetzt, auf der es mehr Einzelheiten geben könnte.

Das Gemeinschaftsunternehmen werde in attraktiven, schnell wachsenden Märkten tätig sein, insbesondere in Schwellenländern, hieß es in der Pressemitteilung. Die Kombination der Stärken und Marktzugänge der drei Unternehmen ermögliche es dem Joint Venture, weltweit ein umfassendes Portfolio an Produkten, Services und integrierten Lösungen anzubieten und so einen Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen. Es ist geplant, die bestehenden Produktionsstandorte beizubehalten.

Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche sagte, Tognum sei ein hervorragendes Unternehmen. “Die Verbindung mit der Daimler AG und Rolls-Royce bietet ganz erhebliche Vorteile für alle Beteiligten. Durch den geplanten Zusammenschluss gewinnen wir eine starke Plattform, um das enorme Marktpotential voll auszuschöpfen”. Das globale Marktpotential bezifferte Daimler auf mehr als als 30 Milliarden Euro.

Sein Pendant bei den Briten, Sir John Rose, erklärte: “Die Bündelung der Innovations-, Technologie- und Fertigungs-Expertise stellt für Rolls-Royce, Daimler und Tognum eine einmalige Chance dar. Die Bündelung unserer sich perfekt ergänzenden Kompetenzen verschafft uns eine global führende Rolle.”

Am Montag waren die Übernahmepläne publik geworden. Der Tognum-Vorstand bestätigte seinerzeit erste Gespräche mit beiden Parteien und kündigte an, ein mögliches Angebot prüfen zu wollen. Am Mittwoch reagierte der MDAX-Konzern aus Friedrichshafen bisher noch nicht auf die Offerte.

Grund für die überraschende Offerte ist laut Beobachtern die Sorge Daimlers, dass ein anderes Industrieschwergewicht den Stuttgartern den wichtigen Zulieferer Tognum vor der Nase wegschnappen könnte. So habe es wiederholt Interessensbekundungen für die Friedrichshafener gegeben.

Bereits Ende 2010 hatte es in einem Medienbericht geheißen, Daimler wolle die ehemalige Tochter zurückkaufen. Der Stuttgarter Autohersteller hatte Tognum Ende 2005 verkauft und ist 2008 wieder mit gut 28 Prozent bei dem Unternehmen eingestiegen.

Anfang des Jahres hatte Daimler-Chef Zetsche Tognum als attraktives Unternehmen bezeichnet und eine Aufstockung des Anteils nicht ausgeschlossen. Es gebe aktuell aber keine konkreten Pläne, hatte der Manager noch am Rande der Automesse in Detroit gesagt.

Tognum beschäftigt rund 9.000 Mitarbeiter und gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Motoren und Antriebssystemen für Anwendungen abseits der Straße sowie von dezentralen Energieanlagen. In den ersten neun Monaten 2010 erwirtschaftete das Unternehmen vom Bodensee bei einem Umsatz von 1,7 Mrd Euro ein bereinigtes operatives Ergebnis von gut 153 Mio Euro.

Die Jahreszahlen wird das Management um den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Volker Heuer am Donnerstag vorlegen. Der 57-Jährige hatte erst vor einigen Wochen in einem Interview gesagt, eine Aufstockung des Anteils durch Daimler würde aus seiner Sicht keinen Sinn ergeben. Heuer wird sein Amt im September an den Finanzvorstand Joachim Coers abgeben.

Der Motorenhersteller peilt für 2010 einen Umsatz von 2,55 Milliarden Euro und eine bereinigte Umsatzrendite am oberen Ende des Korridors von 7,5 Prozent bis 9 Prozent an. Im Krisenjahr 2009 hatte Tognum mit 2,59 Milliarden Euro fast ein Fünftel weniger eingenommen, die Rendite sank um 5,1 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent.

Nico Schmidt und Olaf Ridder, Dow Jones Newswires