Tognum Friedrichshafen

Daimler und Rolls Royce nennen ihr Angebot für die geplante Übernahme von Tognum. - Bild: Tognum

Wie angekündigt bieten die beiden Unternehmen 24 Euro je Aktie des Friedrichshafener MDAX-Konzerns. Nachdem die Finanzaufsicht BaFin die Offerte genehmigt hat, beginnt nun die Annahmefrist und läuft bis einschließlich zum 18. Mai. Laut Daimler liegt die Mindestannahmeschwelle bei 50 Prozent plus einer Aktie. Tognum-Aktionäre sollen die geplante Dividende für 2010 von 50 Cent je Aktie auch bei Andienung ihrer Anteile bekommen.

Mit Blick auf den umstrittenen Preis bekräftigten die Stuttgarter, die Offerte sei “hoch attraktiv”. Der Angebotspreis entspreche einem Aufschlag von 30 Prozent auf den Kurs der Tognum-Aktie am letzten Handelstag vor Bekanntwerden der Übernahmegerüchte. Der Stuttgarter Konzern will trotz Spekulationen auf einen höheren Preis sein Übernahmeangebot für den Friedrichshafener Dieselmotorenbauer Tognum nicht erhöhen.

Erst zu Wochenbeginn wurde bekannt, dass sich der niederländische Allfinanzkonzern und Tognum-Großaktionär ING sogar in einem Brief an das Management des Motorenherstellers gewandt hatte und “>einen Preis von 30 Euro bis 32 Euro je Aktie forderte. Aus dem Umfeld des Finanzhauses hieß es auch am Mittwoch, dass dies als angemessene Größenordnung gesehen werde. ING hält 9 Prozent an Tognum. Die aktuelle Offerte bewertet das Unternehmen vom Bodensee mit insgesamt 3,2 Milliarden Euro.

Auch der Tognum-Vorstand um den im Herbst in den Ruhestand wechselnden Vorsitzenden Volker Heuer steht der Übernahme zwar im Grundsatz positiv gegenüber, zeigte sich aber unzufrieden mit dem Preis. Die Führungsriege hält rund 6 Prozent an dem Unternehmen.

Daimler hat eine Anhebung bislang kategorisch ausgeschlossen. Der Markt hofft aber offenbar trotzdem darauf: Die Aktie notiert faktisch seit März nicht mehr unter 25 Euro – und damit ein gutes Stück über dem Angebotspreis. Dies ändert sich auch am Mittwoch nach Veröffentlichung der offiziellen Angebotsunterlage nicht: Die Tognum-Aktie verliert zwar 0,06 Prozent, liegt damit aber immer noch bei 25,55 Euro.

Nach Veröffentlichung der Offerte sind nun Vorstand und Aufsichtsrat von Tognum am Zug und müssen Stellung beziehen. Wie Dow Jones Newswires bereits in der vergangenen Woche von Insidern erfuhr, wird sich das Kontrollgremium am 8. April mit dem Angebot und der sogenannten Fairness Opinion, die die Deutsche Bank und das Investmenthaus Lazard erstellen, beschäftigten. Den nächsten großen Schritt könnte die geplante Übernahme dann Mitte des Monats machen: Für den 15. April ist laut dem Informanten eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung angesetzt. Im Anschluss daran könnten Management und das Kontrollgremium ihre Bewertung abgeben.

Daimler und Rolls-Royce wollen Tognum gemeinsam zu einem weltweit führenden Anbieter von Antriebssystemen in den Bereichen Marine, dezentrale Stromerzeugung und industrielle Anwendungen machen und vor allem auch auf regional breitere Füße stellen. In das geplante Joint Venture soll neben Tognum das Bergen-Geschäft von Rolls-Royce mit Gas- und Dieselmotoren mittlerer Geschwindigkeit eingebracht werden. Das globale Marktvolumen, das von dem künftigen Unternehmen adressiert werden kann, sehen die Käuferkandidaten bei mehr als 30 Milliarden Euro – mit Wachstumsraten, die dank der hohen Nachfrage in Schwellenländern deutlich über denen der Weltwirtschaft liegen.

Kein Wechsel an Tognum-Spitze geplant

In der offiziellen Angebotsunterlage bekräftigten Daimler und Rolls-Royce, dass auch nach einer möglichen Übernahme der amtierende Tognum-Vorstand im Amt bleiben soll. Unternehmenschef Heuer wird im Herbst durch den aktuellen Finanzvorstand Joachim Coers an der Spitze der Friedrichshafener abgelöst. In den Aufsichtsrat wollen Daimler und Rolls-Royce mit je drei Mitgliedern einziehen. Für Daimler als größten Tognum-Aktionär sitzen gegenwärtig Andreas Renschler, Leiter der Truck-Sparte und Edgar Krökel in dem Kontrollgremium; Rolls-Royce ist bislang nicht an Tognum beteiligt und ist dort dementsprechend nicht vertreten.

Synergiepotenziale sehen Daimler und Rolls-Royce vor allem in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Verkauf und Vertrieb, Service, bei Motorendiagnosesystemen und in der Systemintegration. Die Käufer stellten nochmals klar, dass kein Stellenabbau geplant sei, um Kosten zu sparen. Auch soll die Tognum-Zentrale in Friedrichshafen bleiben.

Daimler hatte Tognum Ende 2005 – damals noch unter dem Namen MTU Friedrichshafen – für 1,6 Milliarden Euro an den Finanzinvestor EQT verkauft. Die Schweden brachten das Unternehmen dann 2007 als Tognum an die Börse. 2008 stieg Daimler wieder bei der ehemaligen Tochter vom Bodensee ein und hat die Beteiligung auf inzwischen gut 28 Prozent aufgestockt.

Dow Jones Newswires/kru