Daimler Design

Der Mercedes CLS hat sich nach dem Erfolg der ersten Generation als einer der Modellleuchttürme fest im Portfolio positioniert. Er bekommt 2012 einen Shooting-Brake-Bruder. - Bild: Daimler

Gerade Audi war für Mercedes-Benz zuletzt ein Vorbild. In den vergangenen Jahren mühten sich die Ingolstädter nach Leibeskräften, jede noch so kleine Lücke im hauseigenen Modellportfolio zuzufahren. Audi A5, A5 Sportback, A1, A7 und Q3 waren dabei nur der Anfang. Bis 2014 folgen Ergänzungsmodelle wie der Q1, A2, sowie der A3 als Schrägheck, Sportback und als kleine Limousine.

Daimler A-Klasse

Die kommende A-Klasse soll für Mercedes eine neue Ära im Segment der Kompaktklasse einläuten. - Bild: Daimler

Einen ähnlichen Weg geht Mercedes. In diesem Herbst rollt zunächst einmal die neue B-Klasse an den Start. Sie läutet für die Schwaben eine neue Ära ein, weil der zweite Buchstabe im Alphabet den Aufgalopp einer ganzen Modellfamilie initiieren soll. Auf die vanartige B-Klasse folgt im kommenden Jahr die deutlich schmuckere A-Klasse, die sich von ihrem Hochdachkonzept verabschiedet. Mit knackigen Formen wird zukünftig die Konkurrenz mit dem Audi A3, dem BMW 1er, Alfa Romeo Giulietta und besonders der VW Golf ins Visier genommen.

Die Reaktionen auf die Präsentationen der Studie Concept A auf den internationalen Motorshows in New York und Shanghai machten den Daimler-Verantwortlichen Mut. Und die neue Frontantriebsplattform wird mehr als nur den beiden Modellen A und B eine ertragreiche Heimat bieten. Auf ihr basieren ein kleiner Geländewagen vom Typ BLK (2013) und ein kleiner Bruder vom CLS, der bis 2014 folgt. Mit einer Länge von rund 4,60 Metern wildert die kleine Coupé-Limousine nicht nur bei der Konkurrenz, sondern auch im eigenen Revier. Die C-Klasse kommt durch das sehenswerte Design im Stile des CLS allemal unter Druck. Neben dem normalen Modell mit Front- und Allradantrieb ist auch eine AMG-Version mit aufgeladenem Vierzylinder und rund 300 PS bereits beschlossene Sache.

CLS Shooting Brake kommt 2012

Doch auch der im vergangenen Jahr so erfolgreich gestartete Mercedes CLS wird als Bruder der zahmen E-Klasse kein Einzeltäter bleiben. Während die neue S-Klasse noch bis 2013 auf sich warten lässt, steht der CLS Tourer für 2012 bereits in den Startlöchern. Er soll Kunden locken, denen einen Limousine zu unpraktisch und ein T-Modell zu langweilig ist.

Daimler SLS Roadster

SLS Roadster - der Flügeltür-Bolide SLS AMG wurde für Mercedes zum Volltreffer. - Bild: Daimler

Noch bevor Mercedes den CLS Shooting Brake/Tourer in die Verkaufsräume schickt, können sich insbesondere die Sonnenanbeter in den USA auf den offenen SLS Roadster freuen. Der Flügeltür-Bolide SLS AMG wurde für Mercedes zum Volltreffer. Längst kein Geheimnis mehr, dass die Sportler aus Affalterbach im Herbst von ihrem Aushängeschild eine mindestens 195.160 Euro teure Roadster-Version mit nahezu identischen Fahrleistungen nachlegen.

Glücklicherweise ersparten sich Designer und Entwickler die Peinlichkeit eines wenig schmucken Klappdachs und schrieben dem offenen SLS eine stramme Stoffmütze ins Entwicklungs-Stammbuch. Die lässt sich artgerecht bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h in elf Sekunden vollelektrisch öffnen und schließen. Hinter den beiden Sportsitzen sorgen zwei feste Überrollbügel für Sicherheit bei einem etwaigen Überschlag und für zusätzliche Steifigkeit der Karosserie.

Tobias Moers, Bereichsleiter Gesamtfahrzeugentwicklung und Mitglied der Geschäftsleitung von Mercedes AMG: „Ohne Rohbau-Steifigkeit keine Fahrdynamik und auch keine 100-prozentige Dichtheit des Verdecks.“

Um trotz des fehlenden Dachs ein gleich hohes Fahrdynamik-Niveau zu erzielen wie beim Coupé, verfügt der SLS Roadster über zwei weitere den Rohbau versteifende Maßnahmen. Mit 1"660 Kilogramm Leergewicht ist der SLS Roadster gerade einmal 40 Kilogramm schwerer als das Coupé. 571 PS (420 kW), von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden und abgeregelte 317 km/h Spitze sorgen dafür, dass der Roadster im Vergleich zum Coupé nicht nachhinkt. Der Verbrauch des Saugers liegt bei 13,2 Litern.

Eine zweite Motorvariante mit doppelter Turboaufladung sollte nur noch eine Frage der Zeit sein. Ist die Brieftasche nicht dick genug für einen SLS AMG? Dann bietet sich der kleinere Sportwagen mit Stern an. Dass der neue SLK mit seiner bullig-breiten Front stark an den SLS erinnert, haben die Designer einkalkuliert. Männlich soll der Roadster wirken und sein Image vom Schönwetterauto für die Damenwelt – der weibliche Kundenanteil liegt bei 40 Prozent – abschütteln. Nunmehr etwas maskuliner als bisher müht sich das Erfolgsmodell zusehends im sportlichen Männermetier Fuß zu fassen.

Technisches Highlight: im SLK wird das Dach auf Knopfdruck zur Sonnenbrille. Der Clou ist das durchsichtige Klappdach namens „Magic Sky Control“. In dem Mineralglas befinden sich elektrisch erregbare Nanopartikel. Auf Knopfdruck fließt eine Spannung, das Glasdach verdunkelt sich. Schien eben noch das Tageslicht schon etwas gedämpft, aber in natürlichen Farben auf die Insassen, schrumpft die Sonne nun zum kleinen hellen Fleck mit bläulicher Aura. Unter freiem Himmel betüddeln dafür Nackenheizung und allerlei Helferlein den Piloten – dabei soll der Roadster doch wieder ein Männerauto werden. Wenn man den Autoschlüssel in die Nähe der Fahrertür bringt und drückt, legt der SLK seinen Strip ferngesteuert hin. Das dauert etwa 20 Sekunden.

Peinlich: Das Dach lässt sich nicht während der Fahrt bedienen. Es funktioniert nur im Stand oder bei Schrittgeschwindigkeit. Motorhaube und Kotflügel des 4,1 Meter langen Roadsters bestehen aus Aluminium, ein rechtes Leichtgewicht ist der SLK mit 1,5 Tonnen aber nicht.

Mercedes SL wird 2012 abgelöst

Besonders gut betuchte Männer älteren Jahrgangs dürften sich wohl eher für den neuen Mercedes SL erwärmen können, der seine Publikumspremiere auf dem Genfer Salon im Frühjahr 2012 feiert. Das aktuelle Modell der Baureihe R 230 ist nicht nur durch seine lange Produktionszeit seit 2001 zum Klassiker geworden. Die Fahrzeuge der SL-Baureihe laufen bei Mercedes traditionell ebenso lange wie erfolgreich.

Die Nachfolgegeneration wird sich optisch an dem aktuellen Modell orientieren. Zwei Sitze und ein vollelektrisches Klappdach sind obligatorisch. Zudem halten bei dem Nobelroadster sämtliche aktuellen Sicherheitssysteme aus S- und E-Klasse sowie die neueste Motorengeneration Einzug in das imageträchtigste deutsche Luxuscabriolet.

Basismodell ist der SL 350 mit dem 306 PS starken Direkteinspritzer, der bereits seit einiger Zeit in Modellen wie E-, C-Klasse oder SLK verfügbar ist. Zusätzlich gibt es einen aufgeladenen Sechszylinder mit knapp 400 PS, die Versionen SL 500 (435 PS), SL 63 AMG (544 und 571 PS) sowie den imageträchtigen SL 600 mit einem über 600 PS starken V12. Das verdunkelbare Cabriodach des SLK, Magic Sky Control, ist auch für die neueste SL-Generation zu bekommen.

Daimler C-Klasse Coupe

Mit dem C-Klasse Coupe wollen die Stuttgarter mehr denn je die Platzhirsche BMW 3er Coupé und Audi A5 angreifen. - Bild: Daimler

Angriff auf das BMW 3er Coupé

Im Coupé-Segment greift Mercedes die Münchner in ihrer Kerndisziplin an. Das C-Klasse-Coupé soll den langjährigen Klassenprimus 3er Coupé ins Visier nehmen. Eine Coupéversion der volumenstarken C-Klasse hat bisher kaum jemand vermisst. Doch nun bekommt das E-Klasse-Coupé ab Juni einen kleinen Bruder in Form einer zweitürigen C-Klasse-Version. Statt eines Einstiegsmodells ist das 4,59 Meter lange C-Klasse-Coupé das neue Topmodell.

„Wir haben mit unserem neuen C-Klasse-Coupé natürlich insbesondere das 3er Coupé von BMW im Blick“, erläutert Baureihen-Projektleiter Wolfgang Bremm, „die E-Klasse ist ein echtes Luxuscoupé. Kaum ein Kunde würde sich die Frage stellen, ob Coupéversion von 3er oder Mercedes E-Klasse-Coupé. Das ist jetzt natürlich anders.“ Rund zehn Prozent aller C-Klasse-Kunden sollen Limousine und T-Modell künftig links liegen lassen und sich in den wohligen Sportsitzen des C-Klasse-Coupés räkeln. Wolfgang Bremm: „Die Kunden sind in dieser Coupé-Klasse etwas älter und geben mehr Geld für Motorisierung und Ausstattung aus.“

Bestes Beispiel ist das größere E-Modell. Während bei Limousine und Kombi die Dieselversionen E 220 CDI und E 250 CDI den Ton im Verkaufsraum angeben, entscheiden sich die meisten Coupé-Kunden für den großen E 350er mit seinem 306 PS starken V6-Triebwerk, der für 250 km/h Spitze gut ist. „Der Auftritt eines Mercedes-Benz darf nicht laut sein“, so Produktmanager Andreas Heidl, „aber ausdrucksstark – so wie das Styling des neuen Coupés. Dieses Modell hat uns wirklich noch gefehlt.“ Wer die guten Verkaufsquoten der Allradmodelle beim BMW 3er Coupé und Audi A5 sieht, dürfte keinen Zweifel daran haben, dass bald auch 4matic-Versionen nachziehen werden.

Mercedes M-Klasse

Zum Spätsommer kommt die nunmehr dritte Generation der Mercedes M-Klasse auf den Markt. - Bild: Daimler

ML debütiert in diesem Sommer

Das Kernmodell mit dem Mercedes-eigenen Allradantrieb 4matic ist die Mercedes M-Klasse. Mit dem in Tuscaloosa produzierten Edelgeländewagen stießen die Stuttgarter 1997 in ein bis dato unbekanntes Fahrzeugsegment vor. Zum Spätsommer kommt die nunmehr dritte Generation der Mercedes M-Klasse auf den Markt.

Besonders von vorn zeigt sich die neue M-Klasse dynamischer als je zuvor. Oberhalb der Frontschürze erinnert der allradgetriebene Crossover an das Nobelcoupé Mercedes CL. Die Seitenarchitektur ist deutlich dreidimensionaler als bisher und unterstreicht ihre Verwandtschaft zu anderen Konzernmodellen wie CLS, SLK und E-Klasse. Das Heck zeigt sich im Look des E-Klasse-T-Modells. Die zweiteiligen Rückleuchten ziehen sich breit zur Kennzeichenaufnahme in der Mitte der Heckklappe hin. Der Innenraum wurde ebenfalls komplett neu kreiert und gefällt besonders mit klar gegliederten Instrumenten und den neuen Bedieneinheiten auf dem Mitteltunnel. Hier werden unter anderem Dämpferabstimmung und Allradmodi eingestellt.

Bei den Triebwerken orientiert sich die neue Mercedes M-Klasse an der E- und S-Klasse. Erstmals wird die M-Klasse auch als Vierzylinderdiesel M 250 CDI mit 204 PS und einem Verbrauch von rund sechs Litern verfügbar sein.

Neue Start-Stopp-Systeme senken Verbräuche

Die beim ML verbaute Start-Stopp-Automatik und ein neues Automatikgetriebe zügeln auch den Durst der Mercedes-E-Klasse. Alle Vierzylinder-Motoren sind nun mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet, die V6-Diesel sollen zum Jahresende ebenfalls damit ausgestattet werden. Daimler verspricht eine Verbrauchsreduzierung um bis zu 20 Prozent.

2012 folgt als völlig neuer Antrieb der E300 Bluetec-Hybrid mit 224 PS, 600 Newtonmetern Drehmoment und einem Zielverbrauch von 4,4 Litern pro 100 Kilometer. Bis dahin bleiben die Volumenmodelle Mercedes E 220 CDI und E 250 CDI die sparsamsten E-Klassen. Bei beiden gibt Mercedes-Benz mit Sechsgang-Schaltgetriebe einen Durchschnittsverbrauch von fünf Litern pro 100 Kilometer an. Mit dem neuen verbrauchsoptimierten Siebengang-Automatikgetriebe an Bord werden es beim E 250 CDI sogar 4,9 Liter.

Sebastian Viehmann/Stefan Grundhoff

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