MAN Truck breit

Geht es nach Ferdinand Piëch, werden die MAN-Trucks bald unter dem Wolfsburger VW-Kommando rollen. Bild: MAN

Es ist Ferdinand Piëchs großes Ziel. Volkswagen soll der größte Autobauer der Welt werden, mit einem Angebot vom Stadtflitzer bis zum schweren Lastwagen. Für etliche MAN-Aktionäre geht es hingegen um “ihren” Traditionskonzern.

Wir bringen die Allianz zustande

“Stoppen Sie den Eroberungsdrang von Professor Piëch”, rief ein aufgebrachter Anteilseigner auf der vergangenen Hauptversammlung dem MAN-Vorstand zu. Piëch, Aufsichtsratschef von MAN und VW, hörte sich die Kritik seelenruhig an. Überraschend deutlich kündigte der Auto-Patriarch anschließend an, dass die enge Kooperation von MAN und der VW-Tochter Scania kommen werde: “Ich bin überzeugt, wir bringen sie zustande.”

Seit Jahren bastelt der Manager an seinem Lastwagenimperium: Unter dem Dach der Konzernmutter sollen einmal die Lastwagentöchter Scania und MAN verschmolzen werden – gegen den Willen der Beteiligten.

Showdown in München. Mehr als ein Jahr später ist das zähe Projekt auf der Zielgeraden. Auf der Hauptversammlung am 27. Juni wird Piëch sich wohl wieder scharfe Kritik anhören müssen, gut möglich, dass es sogar noch deutlicher zur Sache geht.

Denn inzwischen hat Volkswagen Nägel mit Köpfen gemacht. Im Mai erhöhten die Wolfsburger überraschend ihren Anteil an MAN auf mehr als 30 Prozent und mussten ein Pflichtangebot vorlegen. Zwar hatte VW dank der meist geringen Präsenz auch zuvor auf Hauptversammlungen kaum etwas zu fürchten, aber nun sind sie auf Sicht Herren im Haus.

VW Quartett

Audi-Chef Rupert Stadler (3. v.l.) sitzt schon im MAN-Aufsichtsrat, VW-Boss Martin Winterkorn, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sowie VW-Nutzfahrzeugvorstand Jochem Heizmann (v.l.n.r.) sollen demnächst dort einziehen. - Bild: VW

Personlapolitik stößt auf Kritik

Doch nicht allein an der geplanten Allianz mit Scania unter dem Dach von VW werden sich die Aktionäre stören. Vor allem die Personalpolitik des Autoriesen dürfte viele Anteilseigner ärgern.

Denn Wolfsburg wird erheblich stärker als bisher bei den Münchnern präsent sein. Statt drei Mitgliedern im Aufsichtsrat stellt der Konzern künftig fünf, darunter auch VW-Boss Martin Winterkorn, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sowie Nutzfahrzeugvorstand Jochem Heizmann. Alle drei sitzen auch im Scania-Aufsichtsrat – das verstößt gegen die Grundsätze guter Unternehmensführung, den Corporate- Governance-Kodex, und wird deshalb lautstark kritisiert.

“Aber der Kodex sieht vor, dass man davon abweichen kann, wenn es im Unternehmensinteresse liegt”, sagte MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen jüngst in einem Interview und signalisiert damit seine Unterstützung für die VW-Pläne. Den strategischen Sinn einer Partnerschaft mit dem weitaus profitableren schwedischen Konkurrenten hat an der Isar ohnehin nie jemand bezweifelt. “Wir wollen diese Partnerschaft”, sagt Pachta-Reyhofen und erinnert an das Versprechen der neuen Herren, dass MAN alle Standorte und Geschäftsfelder behalten soll. “MAN wie Scania werden auch in Zukunft als eigenständige Marken auftreten.”

Allerdings wird das Traditionsunternehmen MAN mit seiner mehr als 250-jährigen Unternehmensgeschichte als Marke Nummer elf in die VW-Großfamilie einsortiert, neben den tschechischen, spanischen, britischen, italienischen, schwäbischen und eben schwedischen Schwestern.

Pachta-Reyhofen

MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen signalisiert trotz Vorbehalte gegen das VW-Angebot seine Unterstützung für die VW-Pläne. - Bild: MAN

Die Schweden sträuben sich gegen eine Zusammenarbeit

Intern dürfte das Zusammenrücken der beiden Rivalen nicht überall Begeisterung auslösen. Vor allem bei den Schweden soll es massive Vorbehalte geben. “Scania ist mit Abstand der erfolgreichste und rentabelste Lkw-Hersteller. Da wundert es nicht, dass sie sich gegen eine Zusammenarbeit sträuben und nicht auf irgendwelche Abenteuer einlassen”, sagt der Autoexperte des Bankhauses Metzler, Jürgen Pieper. Scania habe schlicht mehr zu verlieren. Doch auch bei MAN dürfe man nicht mit Feierlaune allerorten rechnen. “Schließlich handelt es sich nicht um ein Unternehmen, das gerettet werden muss.”

Unklar ist, wie viele Aktien Volkswagen von den MAN-Aktionären bis zum Ablauf des Pflichtangebots einsammeln kann, es endet erst zwei Tage nach der Hauptversammlung. Doch das ist eigentlich auch egal. Das Pflichtangebot hat im Wolfsburger Kalkül vor allem die Funktion, die kartellrechtliche Genehmigung einer später denkbaren Fusion einzuholen. “Sobald es durch ist, steht es Volkswagen frei, nach und nach zuzukaufen”, sagt Pieper.

Bisher will VW zunächst 35 bis 40 Prozent. “Die nächste wirklich wichtige Schwelle ist nicht die 50-Prozent-Marke, die erlauben würde, MAN in die Bilanz zu nehmen, sondern die 75 Prozent, durch die VW frei über die Mittel von MAN verfügen kann.” An Geld, um noch kräftig MAN-Aktien einzukaufen, mangelt es Volkswagen jedenfalls nicht.

dpa-AFX/Guido Kruschke