Opel stellt in Bochum seit 1962 Autos her und betreibt in der Stadt an der Ruhr insgesamt drei

Opel stellt in Bochum seit 1962 Autos her und betreibt in der Stadt an der Ruhr insgesamt drei Werke. Von der aktuellen Entwicklung ist das Opel-Werk I. - Bild: Opel

Im Werk I in Bochum-Laer läuft eine alte Version des Kompaktwagens Astra sowie die Familienkutsche Zafira vom Band. Die Auto-Produktion soll im Zuge der laufenden Sanierungsrunde Ende diesen Jahres auslaufen. Teile dieses Opel-Werks I will sich die Deutsche Post DHL nun einverleiben. Konkret geht es um eine Fläche von knapp 20 Hektar des Areals in Bochum Laer. Dort sollen künftig 50.000 Sendungen pro Stunde sortiert werden können. Dazu wollen die Bonner in einem ersten Schritt einen zweistelligen Millionenbetrag investieren.

Keinerlei Einfluss hat die Entscheidung auf die Opel-Werke II und II. Im Werk II in Langendreer waren Getriebe produziert worden, bis im Herbst der Betrieb eingestellt wurde. In dem Stadtteil im Bochumer Osten befindet sich zudem ein Warenverteilzentrum, das Werk III.

Nachdem die Bochumer Opelaner im Frühjahr 2013 gegen den Sanierungstarifvertrag gestimmt hatten, sollte das Logistikzentrum eigentlich ebenfalls dichtgemacht werden. Mittlerweile hat Opel aber angekündigt, sich doch nicht komplett aus der Stadt zurückzuziehen. Das Unternehmen investiert im Gegenteil sogar 60 Millionen Euro in das Warenverteilzentrum und baut in den nächsten Jahren die Belegschaft um 265 auf 700 Arbeitsplätze aus. Insgesamt arbeiten in Bochum für Opel aktuell noch rund 3.300 Menschen. 200 von ihnen wird der Wechsel an einen anderen Opel-Standort ermöglicht. Zudem laufen aktuell noch Abfindungsangebote.

Die nun mit der Post gefundene Einigung ist der erste Erfolg der Arbeitsgruppe “Bochum Perspektive 2022″, die Opel und das Land Nordrhein-Westfalen im Herbst 2012 angekündigt hatten. Die Entwicklungsgesellschaft, die erst unlängst offiziell gegründet wurde, beschäftigt sich unter anderem mit der Frage der künftigen Nutzung des Bochumer Opel-Standorts.

“Wir freuen uns, mit der Deutschen Post DHL ein Traditionsunternehmen und den Branchenführer der Logistikindustrie für den Standort Bochum gewonnen zu haben”, sagte Opels Personalvorstand Ulrich Schumacher. Nach seiner Vorstellung soll die Tinte unter den Verträgen im September trocken sein. “Wir sind zudem zuversichtlich, dass schon bald weitere Investoren folgen werden”, sagte Schumacher.

Die Stadt Bochum ist hoch verschuldet und gilt als strukturschwach. Mit Opel verliert Bochum einen der letzten industriellen Arbeitgeber. Von dem Schock, dass Nokia 2008 sein Handy-Werk schloss und auf einen Schlag tausende Arbeitsplätze wegfielen, hat sich die Stadt immer noch nicht erholt. Die Deutsche Post hatte bereits damals zugeschlagen und Grundstücke von den Schweden übernommen.

Nico Schmidt/Dow Jones Newswires/Andreas Karius