Neuwagen breit

Die Talfahrt auf Deutschlands Automarkt hat im Juli eine Verschnaufpause eingelegt. - Bild: ZDK

Im Juli wurden 253.146 Fahrzeuge neu auf Deutschlands Straßen zugelassen, das ist im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Plus von 2,1 Prozent.

Der Rückstand zum Vorjahr ist damit in den ersten sieben Monaten aber noch nicht aufgeholt. Seit Januar liegt die Zahl mit 1,76 Millionen Autos noch 6,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. “Der deutsche Pkw-Markt ist noch nicht über den Berg”, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDA, Matthias Wissmann.

Trotzdem ist der Sommermonat Juli damit ein Lichtblick. Denn im April gab es zum letzten Mal Zuwächse bei den Zulassungszahlen, davor zum letzten Mal im Oktober 2012. Ab Mai diesen Jahres folgten dann magere Monate. Teilweise brach der deutsche Fahrzeugmarkt nahezu zweistellig ein. Dabei galt Deutschland als größter europäischer Markt in den vergangenen Jahren als Anker in der Schuldenkrise.

Volker Lange

Für VDIK-Chef Volker Lange setzt sich im Juli der positive Trend nach einer allmählichen Stabilisierung des Kfz-Marktes im zweiten Quartal fort. - Bild: VDIK

“Nach dem sehr schwachen ersten Quartal des Jahres und den leichten Signalen auf eine allmähliche Stabilisierung des Kfz-Marktes im zweiten Quartal setzt sich im Juli der positive Trend fort”, sagte Volker Lange, Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK). Die optimistischen Wirtschafts- und Konsumkennzahlen der verschiedenen Institute deuteten darauf hin, dass die Pkw-Nachfrage auch weiterhin erhalten bliebe, sich sogar noch verstärken könne.

Im Juli griffen die Deutschen laut KBA offenbar vor allem zu Fahrzeugen der Kompaktklasse und zu sportlichen Geländewagen (SUV). Beide Fahrzeugklassen legten zweistellig zu.

Dabei konnten deutsche Marken wieder einmal punkten. Mini legte um 21,8 Prozent zu, Mercedes-Benz und BMW jeweils um mehr als zwölf Prozent. Sogar Sorgenkind Opel verbuchte ein ordentliches Plus von nahezu elf Prozent auf knapp 18.600 Neuzulassungen. Auch die preisgünstigeren Autos der VW-Töchter Seat und Skoda legten mit 21,9 und 29,3 Prozent deutlich zu.

Volkswagen und Audi müssen Federn lassen

Einbußen mussten dagegen Volkswagen selbst sowie die Luxusauto-Tochter Audi hinnehmen. Volkswagen verlor im vergangenen Monat mit der Kernmarke rund 5 Prozent auf 55.525 neu zugelassene Pkw, Audi rund zehn Prozent auf 21.814 Pkw. Da beide Hersteller allerdings sehr global aufgestellt sind, können sie die gesunkenen Verkäufe durch andere Märkte wettmachen.

Volumenhersteller aus Südeuropa und Frankreich, die stark auf den Heimatmarkt konzentriert sind, leiden jedoch auch in Deutschland weiter. Autos der Marke Citroen wurden lediglich 3.845 neu zugelassen, also knapp 10 Prozent weniger als im Juli 2012. Beim Wettbewerber Peugeot waren es mit knapp 5.000 Fahrzeugen sogar rund 14 Prozent weniger.

Abgesehen von solchen Details scheint Europas Automarkt insgesamt einen Boden zu finden. Der drittgrößte europäische Fahrzeugmarkt Frankreich legte bei den Neuzulassungen leicht um 0,9 Prozent zu. Das ist das erste Plus seit Oktober 2011. In Italien gingen die Neuzulassungen langsamer um nur noch 1,9 Prozent zurück.

Zuletzt hatten sich viele Branchenbeobachter und Vorstandschefs von Autoherstellern optimistisch über den europäischen Fahrzeugmarkt geäußert und von einer “Bodenbildung” gesprochen.

Alle Beiträge zum Stichwort Neuwagen

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke