Fertigung des Opel Insignia in Rüsselsheim

Fertigung des Opel Insignia in Rüsselsheim: In einer aktuellen Analyse sieht CAR-Chef Ferdinand Dudenhöffer bei dem sich abzeichnenden Verkauf Opel auf der Verliererseite - vor allem drohen Jobverluste für die Mitarbeiter. Bild: Opel

Der Mitarbeiterabbau sei für den Peugeot-Chef Carlos Tavares der einzige wirksame Kostenhebel, sagte Dudenhöffer am Montag (20. Februar). Er bleibe bei seiner Einschätzung, dass bei dem Deal jeder dritte der rund 19.000 Opel-Jobs in Deutschland auf der Kippe stehe. Daran änderten auch die von Opel-Eigentümer General Motors mit der IG Metall ausgehandelte Beschäftigungsgarantie bis Ende 2018 und die Investitionszusagen für die deutschen Werke bis 2020 nichts. "2018 kann es mit den Abfindungen losgehen", sagte Dudenhöffer.

Marktanteile Opel / PSA Europa
Seit 2011 haben sowohl Opel als auch PSA in der EU plus Schweiz und Norwegen permanent Marktanteile verloren. Dass dies sich durch eine Fusion ändern ist wenig realistisch - so die Einschätzung des CAR-Center. Quelle: CAR

Das Potential für PSA-Opel, Marktanteile zu gewinnen, seien eher null oder gar negativ, denn nach einer Fusion kannibalisiert man sich oft selbst, eben weil Produkte ähnlicher werden, schreibt Dudenhöffer in seiner aktuellen Analyse. 

Die einzige Möglichkeit für Tavares, dies zu drehen, sei Doppelfunktionen nach der Übernahme zu streichen. Diese macht Dudenhöffer in mindestens fünf großen Bereichen aus:

  1. Zentrale Produktionssteuerung: In der Zukunft sind alle PSA-Opel-Werke in einem Produktionsverbund, der vermutlich von Paris aus gesteuert wird. Es gibt nur noch Mehr-Marken-Werke. Damit fällt ein Bereich „zentrale Produktionssteuerung“ von heute weg.
  2. Ein Konzern-Einkauf: Eine Eingliederung macht laut Dudenhöffer nur Sinn, wenn auch der Einkauf zu 100% eingegliedert ist, sprich in der Zentrale sitzt und die ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in Paris. 
  3. Ein zentraler Vertrieb: Tavares hat bei Peugeot-Citroen die lange Historie eigenständiger Vertriebseinheiten aufgelöst. In Deutschland wird der Peugeot-Citroen-Vertrieb etwa aus einem gemeinsamen Gebäude in Köln organisiert. Der Europa-Vertrieb der Marke Opel wandert damit mit großer Wahrscheinlichkeit längerfristig nach Paris.
  4. Ein zentrales Marketing: Die Organisation des Marketings wird nach Tavares vermutlich spiegelbildlich zum Vertrieb aufgebaut. Das zentrale Marketing sitzt in einer Zentrale mit kurzen Kommunikationswegen zwischen den einzelnen Marken. Dass dies dann in Paris sein wird erscheint nicht unrealistisch. Für Deutschland und Rüsselsheim verbliebe dann das Marketing für den Markt Deutschland, so wie es bei jedem Importeur, etwa Fiat oder Toyota in Deutschland ist.
  5. Konsolidiertes Entwicklungszentrum: Ein wichtiger Teil des Rüsselheimer Entwicklungszentrums arbeitet an Motoren. Das gleiche wird in Paris für Citroen und Peugeot gemacht. In der neuen Einheit brauche man nur ein Zentrum für Motoren und nicht mehrere.

 

Dudenhöffer nimmt für eine Beispielrechnung in seiner Analyse an, dass Opel Kosteneinsparungen von mindestens 500 Millionen Euro pro Jahr erzielen will. Um diese zu realisieren, stünden laut seiner Berechnung 6250 Arbeitsplätze auf der Streichliste. Auch die Schließung von Werken können man nicht ausschließen. "Eisenach läuft auf Kurzarbeit. Das wird sich Tavares nicht leisten", konstatiert Dudenhöffer.

Auch die Sozialkosten beim Personalabbau stünden einer Übernahme nicht im Wege. Bei 6.000 Stellenstreichungen wärel laut Dudenhöffers Berechnung 750 Millionen Euro Sozialkosten zu erbringen. Das werde den Deal nicht verhindern.