Dürr-Chef will durch Zukäufe weiteres Wachstum genierieren. – Bild: dürr

Dürr-Chef will durch Zukäufe weiteres Wachstum genierieren. – Bild: dürr

Vor allzu kleinen Firmenübernahmen warnte der Manager aber im Interview mit Dow Jones Newswires: “Wir wollen keine kleineren Akquisitionen mehr machen”, sagte er. Übernahmekandidaten müssten mindestens einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro erzielen.

Lediglich ein Wachstum zwischen jährlich 3 und 5 Prozent sei für Dürr in den nächsten Jahren mit dem derzeitigen Portfolio zu erreichen, sagte Dieter weiter. Dabei hat sich der Konzernchef weiter schnelles Wachstum vorgenommen: Organisch und durch weitere Akquisitionen solle Dürr am Ende des Jahrzehnts Einnahmen von bis zu 5 Milliarden Euro erzielen, sagte er. Die von ihm angepeilte Mindestgröße für Zukäufe begründete er mit den Integrationskosten. Dürr habe in der Vergangenheit mehrere Übernahmen in verschiedenen Größen vollzogen, der Aufwand einer Akquisition sei aber unabhängig vom Umsatz des Übernahmeziels.

Weitere Kriterien für Übernahmekandidaten sind für Dieter, dass die Unternehmen im Maschinenbau tätig und keine Sanierungsfälle sind. Die Akquisitionsziele sollen nach der Vorstellung des Konzernchefs zudem ihren Unternehmenssitz in Deutschland haben. Außerdem sollten sie in ihrer Nische zu den weltweit führenden Herstellern zählen, sagte Dieter. Der Manager dämpfte zugleich die Erwartungen an schnelle Übernahmen: Dürr sei zunächst mit der weiteren Integration der Homag-Gruppe beschäftigt, sagte er.

Mit Homag-Zukauf zweites Standbein geschaffen

Das Unternehmen hatte mit der Übernahme der Homag-Gruppe, die seit Oktober vergangenen Jahres voll konsolidiert ist, für Aufsehen gesorgt. Während Dürr Lackieranlagen und andere Maschinen für die Automobilbranche herstellt, fertigt Homag vorwiegend holzverarbeitende Maschinen für die Möbelindustrie. Ikea ist der größte Kunde des Unternehmens aus Schopfloch. Konzernchef Dieter begründete den Zukauf damals unter anderem damit, dass Dürr bereits einen sehr hohen Marktanteil in der Autobranche habe und sich ein weiteres Standbein außerhalb des Sektors aufbauen wolle.

Von den Wachstumschancen, die Homag birgt, gibt sich Dieter nach wie vor überzeugt. Im aktuellen Jahr soll Homag mit knapp 1 Milliarde zum Konzernumsatz beitragen, im Jahr 2020 sollen es dann 1,25 Milliarden sein, bekräftigte der Manager frühere Angaben.

Dürr Ralf Dieter

Dürr Chef Dieter hat deutsche Unternehmen als Übernahmekandidaten im Visier. – Bild: Dürr

Das Wachstum soll dabei künftig vor allem aus China kommen, schließlich werden dort rund die Hälfte aller Möbel produziert, wie Dürr selbst in einer Unternehmenspräsentation beschreibt. Den Vorwurf, dass Homag dort hinterherhinke, wollte sich Dieter aber nicht gefallen lassen, obwohl der chinesische Umsatzanteil bei Homag zuletzt bei nur 10 Prozent lag. Die Möbelindustrie beginne dort gerade, sich weiter zu industrialisieren. “Der Zug fährt erst los und wir sitzen drin”, sagte der Manager.

Die Integration von Homag laufe nach Plan. Über das vor kurzem gestartete “Focus”-Programm soll dort nun vor allem an der Rendite gearbeitet werden. Ende des Jahrzehnts, so das Ziel, soll die Ebit-Marge dann auf dem Niveau von Dürr sein und dementsprechend einen Korridor von 8 bis 10 Prozent erreichen. Mit den eingeleiteten Maßnahmen, wie beispielsweise der Implementierung eines neuen IT-Systems, “wollen und können wir die Marge auch erreichen”, betonte Dieter.

Rendite pro Jahr um einen Prozentpunkt verbessern

Davon ist das Unternehmen derzeit jedoch noch weit entfernt. Am Donnerstagmorgen hatte Dürr Zahlen für das zweite Quartal sowie die ersten sechs Monate vorgelegt. Im zweiten Quartal erzielte Homag eine Ebit-Marge von 3,2 Prozent. Bereinigt um Sondereffekte aus der Übernahme lag sie bei 5,9 Prozent. Zukünftig soll die Rendite pro Jahr um einen Prozentpunkt verbessert werden, kündigte Dieter an.

So optimistisch ist der Konzernchef auch für den Rest des Unternehmens. Nach sechs Monaten sieht der Vorstandschef den Konzern auf Kurs, um die Jahresziele zu erreichen. Bei Umsatz und Auftragseingang könne der Automobilzulieferer “aus heutiger Sicht bei beiden Kennzahlen das obere Ende des Zielkorridors” erreichen, sagte Dieter. Zu Beginn des Jahres hatte der Spezialist für Lackieranlagen einen Umsatz zwischen 3,4 bis 3,5 Milliarden, sowie einen Ordereingang von 3,2 bis 3,5 Milliarden Euro prognostiziert.

Die Geschäfte liefen gut, insbesondere in China und Nordamerika, auch in Europa sehe es gut aus. Die Pipeline mit Investitionsprojekten sei “sehr ordentlich”, der Umsatz zeige “eine gute Dynamik”, sagte Dieter weiter im Gespräch. Im Interview hielt sich der Unternehmensführer deshalb offen, die Ziele mit Vorlage der Ergebnisse für das dritte Quartal über diesen Korridor hinaus anzuheben.

Im ersten Halbjahr erwirtschaftete Dürr Einnahmen von 1,774 Milliarden und einen Auftragseingang von 1,796 Milliarden Euro. Rein rechnerisch überträfe das Unternehmen die Marke von 3,5 Milliarden Euro also bereits, wenn das zweite Halbjahr auf dem Niveau des ersten verharren würde.

Dürr hält an Jahreszielen fest

Mit Blick auf die Ergebnisprognose hält Dürr derweil an den zu Jahresbeginn gesetzten Zielen fest. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll weiterhin im zweistelligen Millionenbereich zulegen, ausgehend von rund 221 Millionen Euro im vergangenen Jahr. “Üblicherweise legen wir immer im zweiten Halbjahr zu, besonders im vierten Quartal”, sagte der Manager mit Blick auf die Prognose. Auch in diesem Jahr werde Dürr in der zweiten Jahreshälfte “deutlich zulegen”, betonte Dieter. Ob das vierte Quartal das stärkste werde, wollte er jedoch nicht kommentieren.

Dürr Lackierung, Endkontrolle

Dürr verdient sein Geld hauptsächlich mit Lackieranlagen für die Autoindustrie. – Bild: Dürr

Nach den ersten sechs Monaten erreichte der Automobilzulieferer einen operativen Gewinn (Ebit) von 108 Millionen Euro, sodass das zweite Halbjahr schon rein rechnerisch besser werden muss als das erste, um die Prognose zu erfüllen. Die Marge nach Sondereffekten soll dabei zwischen 7 und 7,5 Prozent erreichen. Zum Halbjahr lag sie noch bei 6,1 Prozent.

Doch im ersten Halbjahr, vorwiegend im ersten Quartal, wurde das Ergebnis durch Sondereffekte im Zusammenhang mit der Homag-Übernahme belastet. Die waren insbesondere auf Kaufpreisallokationen zurückzuführen. So wurde das Ebit auf Halbjahressicht um 18,2 Millionen Euro geschmälert, der Nachsteuergewinn sogar um 24,3 Millionen Euro. Bereinigt um diese Sondereffekte lag das Ebit bei 126,2 Millionen Euro, der Gewinn nach Steuern bei 53,5 Millionen. In der zweiten Jahreshälfte dürften diese negativen Effekte jedoch deutlich abnehmen, kündigte Dieter an. Nach derzeitigem Stand würden das dritte und vierte Quartal jeweils nur noch durch Kaufpreisallokationen von rund 2,3 Millionen Euro belastet.

Sehr guter Auftragsbestand in China

Rein operativ zeigte sich Konzernchef Dieter sehr zufrieden mit dem Geschäft. In China verzeichne der Konzern einen sehr guten Auftragsbestand. Bei einzelnen Autokonzernen sei das Wachstum derzeit zwar etwas gebremst, sagte der Manager. Zuletzt wurden Vorstandschefs westlicher Autohersteller deutlich zurückhaltender mit Blick auf die Entwicklung des chinesischen Automarktes, hatte sich doch das dortige Wirtschaftswachstum abgeschwächt und die Regierung zudem die Antikorruptionsregularien verschärft.

Dem Dürr-Chef bereitet das jedoch keine zu großen Sorgen. Es gebe auch viele Hersteller, bei denen es sehr gut liefe. Das betreffe zum Beispiel die chinesischen, lokalen Autobauer, die nun aufholten. Gerade in Mittel- und West-China leiste sich ein Großteil der Bevölkerung überhaupt zum ersten Mal ein Auto. Das sei dann häufig ein heimisches Fabrikat. “Man darf China nicht pauschal anschauen”, sagte er deshalb.

“Man darf China nicht pauschal anschauen”

Dennoch investierten auch die westlichen Auto-Hersteller weiter in ihre Produktionsstätten in China, vor allem in die Modernisierung und den Ausbau der bestehenden Anlagen. Dazu sei bei dem Wachstumstempo der vergangenen Jahre oft wenig Zeit gewesen. Das Auftragsvolumen von Dürr teile sich derzeit etwa zu einem Drittel auf lokale und zu zwei Dritteln auf westliche Hersteller und ihre Joint-Venture-Partner auf. Ähnlich wie auch andere Manager der Branche ist sich Dieter sicher: “Die langfristige Erwartungshaltung an den Markt ist ungebrochen hoch”, sagte er.

Solche Modernisierungen, Um- und Ausbauten sind zwar umsatzseitig kleiner als komplett neue Anlagen. Doch das Service-Geschäft ist hochprofitabel, Konzernchef Dieter will es deshalb weiter ausbauen. Zukünftig sollen so 27 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werden, so das erklärte Ziel. Dieter schloss dabei auch nicht aus, dass der Anteil auf rund ein Drittel ansteigt. Allein im zweiten Quartal erzielte Dürr in diesem Bereich Einnahmen von 212 Millionen Euro, was einem Plus von 66 Prozent entsprach. “Der Umsatz mit Service-Leistungen läuft in diesem Jahr in Richtung der Milliarden-Marke”, kündigte der Vorstandschef an.

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gp / Quelle: Dow Jones Newswires