Der Dürr-Konzern baut seine Aktivitäten in der Klebetechnik weiter aus und hat Ende Mai die Helmut Rickert GmbH mit Sitz in Wolfsburg sowie deren Tochtergesellschaft I.N.T. Rickert GmbH übernommen. Rickert entwickelt und liefert insbesondere auch Klebetechnik für den Automobil-Rohbau. Bereits im Januar hat Dürr die auf Klebetechnik für die Automobil-Endmontage spezialisierte Klaus Kleinmichel GmbH erworben und damit seine vorhandenen Kompetenzen ergänzt. Durch die Zukäufe bietet Dürr nun Lösungen für alle klebetechnischen Anwendungen in der Automobilindustrie an.Rickert zählt in Deutschland zu den führenden Anbietern von Produkten für das Kleben von Karosserieteilen im Rohbau. Das Unternehmen, das rund 30 Mitarbeiter beschäftigt, bietet auch Applikations- und Versorgungs-systeme zum Abdichten von Schweißnähten mit PVC (Sealing). Kunden sind vorwiegend die deutschen Automobilhersteller. Die 1992 gegründete Rickert-Gruppe erwirtschaftet einen durchschnittlichen Jahresumsatz von 12 Mio. €. Im Krisenjahr 2009 erreichte Rickert einen Umsatz von 7 Mio. € und ein positives Betriebsergebnis. Der Kaufpreis liegt im einstelligen Millionen-Euro-Bereich.

Über sein dichtes internationales Vertriebsnetzwerk wird Dürr die Technologien von Rickert und Kleinmichel weltweit vermarkten. Bisher waren beide Unternehmen stark auf Deutschland konzentriert. Die Aktivitäten in der Klebetechnik sind Teil des Dürr-Geschäftsbereichs Application Technology, in dem das Lackier- und Sealing-Robotergeschäft angesiedelt ist.

Das Kleben eignet sich im Karosseriebau hervorragend zum Fügen von Blechen und besonders zur Verbindung unterschiedlicher Materialen. Experten gehen davon aus, dass das Verfahren weiterhin an Bedeutung gewinnen wird. Die Klebetechnik ermöglicht nicht nur geringere Stückkosten als das Punktschweißen, sondern bietet auch Vorteile bei Dichtung und Dämpfung. Zudem lassen sich die steigenden Anforderungen an Sicherheit, Steifigkeit und Komfort von Autos besser erfüllen. Auch Spalt- und Kontaktkorrosionen beim Kontakt unterschiedlicher Werkstoffe werden vermieden.

Ralf Dieter, Vorstandsvorsitzender der Dürr AG: „Rickert ist die vierte kleinere Übernahme in den vergangenen 13 Monaten. Der Erwerb ist Teil unserer Strategie, wachstumsstarke Geschäftsfelder durch gezielte Technologiezukäufe auszubauen. Auf dieser Basis streben wir längerfristig ein stärkeres Wachstum an als vor dem Markteinbruch im Jahr 2009.“

Dürr erwirtschaftet 80 Prozent des Umsatzes in der Automobilindustrie. Die Dürr-Gruppe agiert mit zwei Unternehmensbereichen am Markt: Paint and Assembly Systems bietet Produktions- und Lackiertechnik, vor allem für Automobilkarosserien. Maschinen und Systeme von Measuring and Process Systems kommen unter anderem im Motoren- und Getriebebau und in der Fahrzeugendmontage zum Einsatz. Weltweit verfügt Dürr über 48 Standorte in 21 Ländern. Im Geschäftsjahr 2009 erzielte der Konzern mit rund 5.700 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro.