Der heutige Startschuss durch Bundeskanzlerin Merkel zur “Nationalen Plattform Elektromobilität” macht viel her. Doch die Realität sieht anders aus: Die Gelder zur Förderung der Elektro-Mobilität werden knapp. Laut der „Financial Times Deutschland“ fördert die Bundesregierung bereits 190 E-Projekte mit 100 Millionen Euro. Damit ist der 115-Millionen-Euro-Topf fast geleert.

Der Plan ist ambitioniert: Bis 2020 soll eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs sein – mindestens. So will es die Bundesregierung und greift dafür auch tief in die Tasche. Mit Erfolg. Die Elektromobilität in Deutschland nimmt langsam Fahrt auf. Wie die „Financial Times Deutschland“ berichtet, fördert der Bund bereits mehr als 190 Einzelprojekte und gibt dafür 100 Mio. Euro aus.

Damit ist der Topf von 115 Mio. Euro für die acht Modellregionen schon fast ausgeschöpft. Die Projekte reichen von elektrischen Pkw über E-Motorräder bis zu Regionalzügen mit Hybridantrieb. Insgesamt sind 2920 Ladestationen geplant. Nach dem Umsetzungsbericht des Verkehrsministeriums gehen 80 Prozent der Fördermittel an private Unternehmen. Mehr zum Thema

Die Eigenbeteiligung der Firmen liegt in den meisten Fällen deutlich über 50 Prozent der Projektkosten. Der Bericht, der der FTD vorliegt, soll am Montag auf dem Berliner Gipfeltreffen von Regierung und Wirtschaft zum Thema Elektromobilität vorgestellt werden.

Aus der Zusammenstellung wird deutlich, dass das Förderprogramm “Modellregionen Elektromobilität” vergleichsweise schnell konkret geworden ist. Vielerorts sind bereits die ersten Fahrzeuge im Einsatz. Das Programm ist Teil des Konjunkturpakets II und wurde 2009 gestartet.

Staatliche Prämien pro Elektroauto Bei den Modellregionen E-Mobilität ist der Großteil des Geldes bereits vergeben, was zu Forderungen nach einer Aufstockung führen könnte. Andere Teile des Konjunkturpakets hatten dagegen Anlaufschwierigkeiten, vor allem Bauprojekte.

Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 mindestens eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen. Bevor die Massenproduktion von E-Autos beginnt, sollen in den Modellregionen zunächst insgesamt rund 650 Pkw fahren.

In Berlin und Hamburg sind Daimler  und der Energiekonzern RWE  aktiv, auch die Deutsche Bahn hat ein Projekt in der Hauptstadt. Sie will ihren Kunden ein Mobilitätsangebot aus Zug und E-Auto machen.

Audi arbeitet in München mit dem Stromerzeuger Eon  und den örtlichen Stadtwerken zusammen. Die Stadtwerke München haben ein Flottenprojekt mit BMW  und Siemens aufgelegt. Vergleichbare Vorhaben gibt es in Hamburg (Daimler, Renault , Vattenfall, Hamburg Energie) und Köln (Ford, Rhein-Energie).Würden Sie ein E-Auto kaufen?

Regierung und Wirtschaft sind aber der Auffassung, dass E-Mobilität viel mehr ist als elektrische Pkw. So entwickelt BMW einen E-Scooter, der von seiner Leistung her mit einem Motorrad zu vergleichen ist. Und in der Modellregion Stuttgart bringt der Stromerzeuger EnBW 700 E-Roller auf die Straße und baut die passende Lade-Infrastruktur auf. Ähnliche Fahrzeuge sollen in der Region Bremen/Oldenburg zum Einsatz kommen.

Bei den Fahrrädern sollen nicht handelsübliche Pedelecs (Räder mit elektrischer Unterstützung der Trittkraft) gefördert werden, die sich ohnehin schon sehr gut verkaufen. Vielmehr soll es Projekte geben, in denen Dienstfahrten von Betrieben mit E-Rädern gemacht werden, zum Beispiel bei der Firma Storck. In Stuttgart will die Deutsche Bahn solche Räder verleihen.

Im Öffentlichen Nahverkehr soll es über ganz Deutschland verteilt rund 60 Hybridbusse geben, die einen Diesel- und zusätzlich einen Elektromotor haben. Hamburg hat zehn Busse bestellt und die ersten schon in Betrieb genommen. Die Fahrzeuge können Kurzstrecken rein elektrisch fahren. Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr gibt es ein Forschungsprojekt, das Hybridbusse mit Dieselmotor und solche mit Brennstoffzelle vergleicht.

Die Deutsche Bahn und der Motorenhersteller MTU  untersuchen, wie gut sich Diesel-Triebwagen in Regionalzügen nachträglich zu Hybriden umrüsten lassen. Auch Lkw sollen hybridisiert werden. Daimler schickt 50 mittelschwere Wagen in die Modellregionen. Diese sollen in der Warenverteilung eingesetzt werden und die Städte von Abgasen entlasten.