Stefan Wolf sprüht vor Zuversicht:

Stefan Wolf sprüht vor Zuversicht: "Ich sehe uns eher am oberen Ende der Bandbreite." (Bild: ElringKlinger)

Doch für den Vorstandsvorsitzenden des Zulieferers Stefan Wolf ist das kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Er verfolgt auch für die nächsten Jahre ambitionierte Ziele.

Der schwäbische Automobilzulieferer ElringKlinger verzeichnet eine überraschend starke Geschäftsentwicklung im Schlussquartal und erwartet auch 2011 deutliches Wachstum. Im nächsten Jahr will der Spezialist für Zylinderkopfdichtungen seine Einnahmen aus eigener Kraft um fünf bis  sieben Prozent steigern, wie Vorstandsvorsitzender Stefan Wolf in einem Interview mit Dow Jones Newswires sagte. “Ich sehe uns eher am oberen Ende der Bandbreite”, führte Wolf aus.

Der Prognose liegt ein Zuwachs der globalen Automobilproduktion um zwei bis drei Prozent zugrunde. Diese Annahme dürfte relativ tief gestapelt sein: Der Verband der Automobilindustrie beispielsweise rechnet mit einem Wachstum auf dem Niveau dieses Jahres von acht Prozent auf 64,5 Millionen Pkw. “Wenn die Industrie stärker wächst, wirkt sich das natürlich auch positiv auf uns aus”, erklärte dazu der Manager des Herstellers von Dichtungen, Abschirm- und Kunststoffgehäuseteilen.

Beim operativen Gewinn (EBIT) will ElringKlinger 2011 überproportional zum Umsatz zulegen. Ob dies prozentual zweistellig gelinge, sei noch “schwer zu sagen”, so Wolf. Maßgeblich werde sein, wie schnell das im Sommer übernommene und ab Jahresbeginn 2011 einbezogene Dichtungsgeschäft der Freudenberg-Gruppe integriert werden könne. Aktuell werde dort eine Marge von etwa drei bis fünf Prozent erzielt.

Sollte die Integration schnell vonstattengehen, könne ElringKlinger die angepeilte operative Konzern-Marge auf Vorkrisenniveau von 16 Prozent bis 18 Prozent schon im nächsten Jahr erreichen. “Ich halte das nicht für ausgeschlossen”, sagte Wolf, der die Geschicke des MDAX-Konzerns seit etwa vier Jahren leitet. In den Jahren 2005 und 2006 hatte die operative Rendite der Schwaben in diesem Korridor gelegen, 2007 war mit einer Marge von fast 20 Prozent sogar ein neuer Rekord aufgestellt worden.

Treiber des moderaten Produktionsanstiegs werden nach seiner Einschätzung auch im kommenden Jahr die Märkte in Asien, und dort speziell China, sein. Der europäische Markt dürfte dagegen auf dem aktuellen Niveau stagnieren, schätzt Wolf. Der überraschend stark zurückgekommene US-Markt könnte sogar leicht schrumpfen.

Zuletzt lief das Geschäft von ElringKlinger rund, die Werksferien sollen wie bei vielen Automobilherstellern in der Weihnachtszeit kürzer als üblich ausfallen. “Wir sind im dritten Quartal nicht ganz nachgekommen und haben noch gewisse Rückstände abzubauen”, sagte Wolf. “Zudem ist die Beauftragung weiterhin sehr gut”.

Mit Blick auf die gute Auslastung stellte der Manager ein “starkes viertes Quartal” in Aussicht. Zu Details wollte er sich nicht äußern, da etwa das Ersatzteilgeschäft, in dem ElringKlinger rund ein Sechstel seines Umsatzes macht, erst kurz vor dem Monatsende gesammelt fakturiert werde. Bei Vorlage der Drittquartalszahlen hatte Wolf mit Blick auf die Werksferien vieler Hersteller allerdings noch vor einer etwas schwächeren Entwicklung im Schlussquartal gewarnt.

Bei seiner Prognose ist ElringKlinger damit mehr als nur im Soll: “Wir halten die Guidance noch für realistisch – auch wenn wir nicht ausschließen, dass wir sie übertreffen könnten”, sagte Wolf. Mehrfach hat der Autozulieferer seine Ziele in diesem Jahr nach oben geschraubt. Gegenwärtig wird mit 745 Millionen bis 755 Millionen Euro Umsatz und 105 Mio bis 110 Millionen Euro  Ergebnis vor Zinsen und Steuern gerechnet.

Leicht belastend wirken sich in diesem Jahr Wechselkurseffekte aus. Negativ wirkt sich dabei die Übernahme der schweizerischen Sevex AG aus dem Jahr 2008 aus, die in Franken finanziert wurde. Der Anstieg des Schweizer Franken zum Euro machte eine Höherbewertung des Darlehens nötig; alleine in den ersten neun Monaten betrug die daraus entstandene Belastung 6 Millionen Euro. Die für ElringKlinger positive Euro-Schwäche zum Dollar kann diese Belastung nach Darstellung des Vorstandsvorsitzenden nicht ganz aufwiegen.

Im Krisenjahr 2009 war der Umsatz des Unternehmens aus Dettingen an der Erms um gut ein Achtel auf 579 Millionen Euro geschrumpft. Der operative Gewinn ging in gleicher Weise zurück, so dass ElringKlinger im schwierigsten Jahr für die Branche auf eine operative Marge von fast elf Prozent kam, während andere Zulieferer tiefrote Zahlen schrieben.

Vorstandsvorsitzender Stefan Wolf führt dies auf die extrem schnelle Reaktion seines Unternehmens auf die sich andeutende Krise zurück. Der MDAX-Konzern stellte 2009 früh sämtliche Investitionen auf den Prüfstand, dampfte die Sachkosten ein und ließ rund 150 befristete Arbeitsverträge auslaufen. So wurden mehrere Millionen eingespart. Branchenkenner führen den Erfolg der Schwaben auch auf technische Lösungen zurück, die auf Gewichtsreduzierung und das Downsizing ausgelegt sind und damit dem Trend der Emissionsreduzierung dienen.

“In der Zwischenzeit haben wir wieder etwa 70 befristete Arbeiter eingestellt”, sagte Stefan Wolf im Interview. Im Bereich Forschung und Entwicklung seien zusätzliche Festangestellte angeheuert worden. Auch im kommenden Jahr sei mit einem weiteren leichten Zuwachs bei der Belegschaft zu rechnen, so der Manager.

Erfolgsgarant war auch für ElringKlinger in diesem Jahr der chinesische Markt, wo das Geschäft brummt. “Dort wird es auch in Zukunft gut laufen”, sagte Wolf. Erwartet ElringKlinger für 2011 heute Einnahmen von rund 70 Millionen Euro, so wird allein mit dem schon gebuchten Geschäft 2012 die 100-Millionen Euro-Marke geknackt. 2010 wird ElringKlinger 40 Millionen bis 45 Millionen Euro in der Volksrepublik einnehmen.

Wolf bekräftigte, dass vom Nettogewinn des laufenden Jahres 40 Prozent bis 60Prozent  an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen. “Absolut gesehen sollte die Dividende im Vergleich zu 2009 damit auf jeden Fall steigen”. In Zukunft soll die Gewinnbeteiligung jährlich um mindestens 5 bis 10 Cent je Aktie angehoben werden.

Akquisitionen hat der Manager weiter im Blick. “Wir sehen uns immer um”, sagte er. Interessant seien vor allem die Bereiche Abschirmtechnik und Kunststoffgehäuseteile. Sollten Zukäufe gelingen, hält Wolf es für möglich, dass bereits 2012 die Milliarden-Marke beim Umsatz geknackt werden kann. “Das würde ich nicht für gänzlich ausgeschlossen erachten”, sagte er.

Abgesehen vom Wachstumstrend stehen der Branche aber auch Schwierigkeiten ins Haus: “Die Themen Materialversorgung und -preise sind die größten Herausforderungen für 2011″, sagte Wolf. Nach der Krise hätten sich die Kosten für manche Materialien von den Tiefstständen nahezu verdoppelt. “Die Preise werden 2011 eher noch weiter steigen”. Wolf will mit den Autoherstellern dann über “Materialpreisbeihilfen” verhandeln.

Strategisch sieht Wolf sein Unternehmen für die nächsten Jahre gut aufgestellt: “ElringKlinger wird von der Hybridtechnologie profitieren”. Schließlich könne der MDAX-Konzern bei Autos mit Verbrennungsmotoren bestenfalls Teile für 60 Euro beisteuern, bei Hybridmodellen kämen zusätzlich bis zu 150 Euro dazu.

Die Autoindustrie insgesamt sieht Wolf in einer Übergangsphase. Es sei noch offen, welche der alternativen Antriebstechnologien sich durchsetzen werde. Mindestens mittelfristig gehöre die Zukunft noch dem Verbrennungsmotor. “Wegen der Endlichkeit fossiler Brennstoffe wird es irgendwann allerdings ein alternatives Antriebskonzept geben müssen”. Reine Elektroautos dürften in den nächsten 15 bis 20 Jahren aber keinen erheblichen Mark

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