Interview mit Dr. Stefan Wolf

Stefan Wolf: Hinter ElringKlinger liegt ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2011. Besonders deutlich erhöhte sich die Teilenachfrage auf dem deutschen Markt sowie in Asien und Südamerika. - Bild: APR

Im zweiten Quartal erhöhten sich die Erlöse um 26,6 Prozent auf 254,4 (201,0) Millionen Euro. Der zugekaufte Flachdichtungs-bereich der Freudenberg Gruppe und die erstmalige Einbeziehung des Schweizer Abgasspezialisten Hug Engineering AG in den Konsolidierungskreis des ElringKlinger- Konzerns haben im zweiten Quartal 20,7 Millionen Euro zum Umsatz beigetragen.

Das operative Ergebnis wuchs in den ersten sechs Monaten 2011 um 14,6 Prozent und erreichte 66,0 (57,6) Millionen Euro. Im zweiten Quartal verringerte sich das operative Ergebnis der Gruppe gegenüber dem starken Vorjahresvergleichsquartal vor allem aufgrund der noch geringeren Margen der Akquisitionen um 2,9 Prozent auf 33,3 (34,3) Millionen Euro. Beim Periodenergebnis nach Anteilen Dritter erreichte ElringKlinger 18,8 (20,6) Millionen Euro.

Obwohl sich die weltweite Pkw-Produktion im zweiten Quartal im Vergleich zu den ersten drei Monaten 2011 leicht abschwächte erzielte die ElringKlinger-Gruppe, getrieben von zahlreichen Produktneuanläufen im Segment Erstausrüstung, auch im zweiten Quartal einen weiteren Umsatzanstieg gegenüber dem Vorquartal. Besonders deutlich erhöhte sich die Teilenachfrage auf dem deutschen Markt sowie in Asien und Südamerika. Bereinigt um den Beitrag der Akquisitionen stieg der Umsatz um 16,3 Prozent. Damit fiel der Zuwachs bei den Umsatzerlösen bei ElringKlinger prozentual erneut spürbar höher aus als der Anstieg bei der weltweiten Fahrzeugproduktion.

Erstmaliger Beitrag der akquirierten Hug Engineering AG

Mit Wirkung zum 1. Mai 2011 wurde der mehrheitlich übernommene Schweizer Abgasspezialist und Hersteller von Dieselpartikelfiltern Hug Engineering AG erstmals und voll in den Konsolidierungskreis des ElringKlinger-Konzerns mit einbezogen. Hug steuerte im zweiten Quartal 2011 6,7 Millionen Euro zum Konzernumsatz bei. Aufgrund der Kaufpreisallokation in Höhe von 0,3 Millionen Euro und negativen Währungskurseffekten lag der Beitrag zum Ergebnis vor Ertragsteuern bei minus 0,8 Millionen Euro.

Der ehemalige Bereich Flachdichtungen der Freudenberg Gruppe hat im zweiten Quartal 2011 mit Umsatzerlösen in Höhe von 14,0 Millionen Euro, und einem Ergebnis vor Ertragsteuern von minus 0,6 Millionen Euro beigetragen. Darin enthalten war eine Kaufpreisallokation von 0,1 Millionen Euro sowie 0,4 Millionen Euro an einmaligen Personalaufwendungen im Rahmen der teilweisen Verlagerung der Fertigung in Deutschland an den kundennahen Standort in Frankreich. ElringKlinger führt bei den akquirierten Geschäften umfassende Integrationsmaßnahmen durch, um die Effizienz an das Niveau des ElringKlinger-Konzerns heranzuführen. Insbesondere bei Hug bietet sich erhebliches Cross-Selling-Potenzial.

Operatives Ergebnis leicht rückläufig

Die noch deutlich niedrigeren Bruttomargen der Akquisitionen wirkten sich mit rund 1,5 Prozentpunkten senkend auf die Bruttomarge des Konzerns aus.

Darüber hinaus führten hohe Materialkosten, sowie die in vielen Bereichen notwendigen Sonderschichten in der Fertigung im zweiten Quartal 2011 im Vorjahresvergleich zu Kostensteigerungen. Ebenso wirkte sich der geringere Umsatzanteil des Ersatzteilgeschäfts aus. Im Vergleich zum ersten Quartal 2011 (27,3 Prozent) verbesserte sich die Bruttomarge im zweiten Quartal allerdings auf 27,9 Prozent. Die Vertriebskosten und allgemeinen Verwaltungsaufwendungen erhöhten sich im zweiten Quartal – teilweise bedingt durch die Akquisitionen – überproportional zum Umsatz. Die Forschungs- und Entwicklungskosten erhöhte die ElringKlinger-Gruppe im Zuge des Ausbaus des Bereichs E-Mobility um 16,2 Prozent auf 12,2 (10,5) Millionen Euro. Aus Zuschüssen der öffentlichen Hand erhielt ElringKlinger im zweiten Quartal 2011 0,6 (1,4) Millionen Euro.

Das operative Ergebnis fiel im zweiten Quartal 2011 mit 33,3 (34,3) Millionen Euro um 2,9 Prozent niedriger aus als im Vorjahresvergleichsquartal. Die operative Marge erreichte 13,1Prozent (17,0 Prozent). Bereinigt um den Ergebnis verwässernden Effekt der Freudenberg- und Hug-Übernahmen lag die operative Marge des ElringKlinger-Kerngeschäfts bei 14,6 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) – in dem Währungsgewinne und -verluste berücksichtigt sind – wurde von negativen Währungskurseffekten in Höhe von 3,8 Millionen Euro beeinträchtigt und erreichte 29,6 (31,6) Millionen Euro. Damit ergab sich für das zweite Quartal 2011 eine EBIT-Marge von 11,6 Prozent, bereinigt um den Verwässerungseffekt der neu konsolidierten Akquisitionen von 13,1 Prozent.

Die negativen Währungskurseffekte waren maßgeblich für das schwächere Finanzergebnis, das im zweiten Quartal 2011 auf minus 7,0 (-5,6) Millionen Euro zurückging. Das Ergebnis vor Ertragsteuern stellte sich damit im gleichen Zeitraum auf 26,3 (28,6) Millionen Euro. Nach Steuern und den Anteilen Dritter in Höhe von 0,6 (1,0) Millionen Euro belief sich das Periodenergebnis im zweiten Quartal 2011 auf 18,8 (20,6) Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie lag bei 0,30 (0,36) Euro.

Hohe Dynamik bei den Auftragseingängen

Die Auftragseingänge zeigten weiterhin hohe Dynamik und übertrafen den Umsatz auch im zweiten Quartal 2011 deutlich. Sie legten um 22,1 Prozent auf 298,1 (244,1) Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand (ohne Hug) belief sich zum 30. Juni 2011 auf 412,7 (303,1) Millionen Euro und lag damit um 36,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresvergleichsquartal.

Auf der Grundlage der Rekordwerte beim Auftragseingang, einer weiterhin stabilen konjunkturellen Entwicklung sowie der in den Fahrzeugmärkten zu erwartenden Zuwächse geht die ElringKlinger- Gruppe für 2011 nunmehr von einem organischen Umsatzanstieg um 12 bis 14 Prozent (bisher 5 bis 7 Prozent) aus. Hinzu kommt der Umsatzbeitrag aus der Konsolidierung des übernommenen Bereichs Metallische Flachdichtungen der Freudenberg Gruppe in Höhe von rund 50 Millionen Euro sowie der Schweizer Hug-Gruppe von ca. 30 Millionen Euro, so dass der Konzernumsatz im Jahr 2011 insgesamt bei 970 bis 985 Millionen Euro gesehen wird.

Maßgeblich aufgrund der noch spürbar unter dem Gruppendurchschnitt liegenden operativen Marge der Akquisitionen und der Kaufpreisallokation ergibt sich in 2011 ein temporärer Verwässerungseffekt auf die operative Marge des Konzerns. Für das Konzern-EBIT wird damit im Gesamtjahr 2011 trotz der beschriebenen temporären Verwässerung durch die Zukäufe, Vorleistungen für den wachsenden Bereich E-Mobility und hoher Materialpreise ein Anstieg um 15 bis 25 Prozent (bisher 15 bis 25 Prozent) erwartet.

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