In Europa wurden bislang Niederspannungs-Drehstrommotoren in die Wirkungsgradklassen EFF3, EFF2 und EFF1 eingeteilt. Aufgrund der Unterschiede zwischen den Klassen in den einzelnen europäischen Ländern und dem zunehmenden Umweltbewusstsein etablierte man nun mit der EU-Verordnung 640/2009 einen einheitlichen Standard. Die neue Verordnung schreibt für Elektromotoren eine wesentlich höhere Effizienz vor und sieht im Wesentlichen folgendes vor:

• Ab 16. Juni 2011 müssen Motoren (0,75 kW – 375 kW) mindestens dem Wirkungsgrad IE2 entsprechen, der für hohe Effizienz steht.

• Ab 1. Januar 2015 müssen Motoren (7,5 kW – 375 kW) mindestens IE3, oder IE2 mit Frequenzumrichter entsprechen.

• Ab 01. Juli 2017 müssen Motoren (0,75 kW – 375 kW) mindestens IE3, oder IE2 mit Frequenzumrichter entsprechen.

Auf Unternehmen, die Elektromotoren in ihren Fertigungsmaschinen verwenden, kommen damit nicht unerhebliche Neuinvestitionen zu.

„Wir gehen davon aus, dass die EU-Richtlinie einen Anstieg der Preise für die Elektromotoren zur Folge haben wird“, sagt Christopher Nigischer, Senior Business Manager bei Altran Technologies. „Ob Unternehmen mit ihren Elektromotoren frühzeitig auf die teureren IE2-Motoren umsatteln sollten, sollte jedoch von Fall zu Fall geklärt werden“, erklärt Nigischer weiter. Dies hängt u.a. von dem noch zu erwartenden Return on Investment der gesamten Maschine ab. „In welchem Rahmen sich Investitionen lohnen, muss in jedem Fall individuell errechnet werden, schließlich müssen nach 3,5 Jahren zum Teil wieder neue Richtlinien erfüllt werden“, so der Altran-Berater weiter.

Altran Technologies prognostiziert durch die mit der Verordnung angeheizte Nachfrage eine signifikante Verteuerung der Motoren. Für den Bau werden sogenannte Lanthanaide benötigt, die zur Gruppe der „Metalle der seltenen Erden“ zählen. Das führende Land in der Förderung ist hier China, das seine Vormachtstellung seit den 80er Jahren durch massive Preissenkungen künstlich ausgebaut hat. In der Folge wurden die Abbaugebiete in der westlichen Welt größtenteils geschlossen. Daher haben die Chinesen heute ein quasi-Monopol und es ist anzunehmen, dass sie den Rohstoffpreis bei entsprechender Nachfrage erhöhen werden. Aus diesem Grund wird sich die Richtlinie auf die Preise insgesamt auswirken, so auch bei Technologien für erneuerbare Energien wie Generatoren in Windkrafträdern, weshalb die Preise schwer zu kalkulieren sind. „Langfristig“, so Nigischer, „kommen hier bedingt durch die zunehmende Nachfrage und das begrenzte Angebot an Rohstoffen sicherlich höhere Kosten auf die Unternehmen zu.“

Betroffen von der Richtlinie sind vor allem Auto-Zulieferer. Zu den weiteren Branchen, die sich bald mit dieser Fragestellung beschäftigen müssen, zählen die Luftfahrtbranche und Unternehmen der Förder- und Rolltechnik.