Hakan Samuelsson

Der neue Volvo-Chef Hakan Samuelsson hat sich mit seinem Ex-Arbeitgeber am Donnerstag auf die Zahlung von Schadenersatz geeinigt. - Bild: MAN

Der nunmehrige Volvo-Chef kann das Kapitel MAN wohl endgültig abschließen. Der 2009 wegen einer teuren Schmiergeldaffäre als Vorstandsvorsitzender des Lastwagenbauers geschasste Manager einigte sich mit seinem Ex-Arbeitgeber am Donnerstag auf die Zahlung von Schadenersatz.

“Herr Samuelsson zahlt MAN 1,25 Millionen Euro”, sagte ein Sprecher der VW-Tochter. Zuvor hatte Samuelsson über die schwedische Zeitung “Dagens Industrie” mitgeteilt, dass die Münchner Staatsanwaltschaft ihre strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn gegen eine Zahlung von 500.000 Euro für wohltätige Zwecke einstellt.

MAN hatte Anfang 2011 Samuelsson auf 237 Millionen Euro verklagt. Aus rechtlichen Gründen sei der Konzern verpflichtet gewesen, den gesamten Schaden der Schmiergeldaffäre geltend zu machen. “Jetzt haben wir eine akzeptable Lösung gefunden”, so der Sprecher weiter.

500.000 Euro für wohltätige Zwecke

Die Vereinbarung mit Samuelsson soll in den kommenden Tagen unterzeichnet werden, dann muss noch die Hauptversammlung 2014 den Abschluss absegnen. Angesichts der Beherrschung durch VW ist das aber eine Formalie. Nach dpa-Informationen kann MAN möglicherweise auch noch auf Zahlungen der Managementversicherung von Samuelsson hoffen.

Dafür ist allerdings eine Voraussetzung, dass der frühere Konzernchef nicht vorsätzlich gehandelt hat und dafür etwa auch strafrechtlich nicht belangt wurde. Dann würde die Versicherung nämlich nicht einspringen. Doch nach den Äußerungen von Samuelsson sieht es auch an dieser Front gut für den Manager aus.

Die Staatsanwaltschaft München verweigerte am Donnerstag aber eine Stellungnahme zum Stand der Ermittlungen gegen den Schweden. Zugleich bestätigte sie aber einen Bericht des “Manager Magazins”, nach dem die Ermittlungen gegen den früheren Finanzchef Karlheinz Hornung bereits im Juli eingestellt worden sind, wie ein Sprecher sagte.

Die Behörde hatte im September 2012 wegen des Verdachts der Bestechung gegen Samuelsson und Hornung eingeleitet. Zuvor hatten Zeugen im Prozess gegen den früheren Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann, ausgesagt, Samuelsson und Hornung seien früher als bis dahin bekannt über Korruptionspraktiken unterrichtet gewesen.

Samuelsson hatte seinen Posten an der Spitze des damaligen Dax-Konzerns nach Aufdeckung zahlreicher Korruptionsfälle 2009 verlassen. Unter anderem in Slowenien hatten MAN-Mitarbeiter lange den Verkauf von Lkw mit millionenschweren Schmiergeldern angekurbelt.

“Keine Zeit für ein Verfahren”

Der Manager sieht in seiner Zahlungsbereitschaft gegenüber der Staatsanwaltschaft aber kein Schuldeingeständnis, wie er der schwedischen Zeitung gegenüber betonte. Er habe zuerst gedacht, er werde die Sache vor Gericht austragen, sehe die Sache nun aber pragmatischer, sagte Samuelsson. Er habe an der Spitze von Volvo nicht die Zeit, um sich einem Verfahren zu stellen.

Die Zahlung an MAN leiste er aus “unternehmenspolitischer Verantwortung als Vorstandsvorsitzender”, hieß es Donnerstag in München. Samuelssons Ablösung 2009 hatte für den Großaktionär VW und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Weg freigemacht, die angestrebte Lastwagen-Allianz von MAN und Scania voranzutreiben.

Der ehemalige Scania-Vorstand Samuelsson hatte als MAN-Chef 2006 erfolglos versucht, Scania feindlich zu übernehmen und die Eigenständigkeit von MAN zu sichern. Der DAX-Konzern hatte wegen der Schmiergeldaffäre ein Bußgeld von 150 Millionen Euro an die Justiz gezahlt und damit 2010 einen Schlussstrich ziehen können.

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dpa/Guido Kruschke