Günther Oettinger

EU-Energiekommissar Günther Oettinger: "Bio-Energie muss nachhaltig sein, nur dann macht sie Sinn". - Bild: EU

Als Anreiz für die Industrie hat die Brüsseler Kommission am Dienstag sieben Zertifizierungssysteme für solche Kraftstoffe europaweit anerkannt – darunter auch das deutsche ISCC-Siegel. Diese nationalen Siegel erfüllten die Anforderungen für den Umweltschutz, teilte die EU-Behörde in Brüssel mit.

So dürften die Produzenten keine tropischen Regenwälder abholzen oder Torfgebiete trockenlegen, um dort Palmöl oder Zuckerrohr für Biokraftstoff anzubauen. Zudem muss die Industrie nachweisen, dass das Produkt auch unter dem Strich Treibhausgas einspart.

“Bio-Energie muss nachhaltig sein, nur dann macht sie Sinn”, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger. “Vom Bauern in Brasilien über den Hersteller und Transport bis zur Lieferung an der Zapfsäule in der EU wird dies lückenlos überwacht.” Bei der Markteinführung müsse ein Liter Biosprit 35 Prozent weniger Co2-Emissionen garantieren als ein Liter herkömmlichen Benzins oder Diesel. Firmen können solche Siegel freiwillig beantragen und zahlen auch dafür.

Nur Biosprit mit Siegel soll staatlich gefördert werden

Die sogenannte EU-”Biosprit-Richtlinie” von 2009 verpflichtet alle Mitgliedsstaaten, bis 2020 zehn Prozent des Treibstoffs für Verkehr aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Wie sie das erreichen, steht den Regierungen frei. Die Staaten können zum Beispiel auf die Einführung von Biosprit setzen oder Strom für Elektroautos aus erneuerbaren Energien sowie Hybridfahrzeuge fördern. Nur Biosprit mit Siegel soll staatlich gefördert werden oder auf das nationale Ziel für den Anteil erneuerbarer Energien angerechnet werden.

Ethanol oder Biokraftstoff wird etwa aus Weizen, Zuckerohr oder Palmöl hergestellt. Umweltverbände kritisieren immer wieder, dass für den Anbau der Nutzpflanzen Natur zerstört werde. Zudem wird die Biosprit-Produktion für einen großen Teil der Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln verantwortlich gemacht. In Deutschland war die Einführung von E10-Kraftstoff auf erhebliche Vorbehalte bei Autofahrern gestoßen, die Probleme für ihre Motoren fürchteten.

Greenpeace kritisiert EU-Richtlinie

Der Umweltschutzorganisation Greenpeace geht die EU nicht weit genug. Deshalb fordert sie strengere Gesetze von der EU-Kommission. “Berücksichtigt man die indirekten Landnutzungsänderungen, sind pflanzliche Treibstoffe klimaschädlicher als fossile Kraftstoffe”, sagte Gesche Jürgens von Greenpeace. In Europa enthalte die sogenannte Biodieselbeimischung bis zu einem Drittel Palmöl. Greenpeace kommt daher zu dem Schluss: “Europas Autofahrer tragen beim Tanken zur Zerstörung der letzten Urwälder bei.” Nötig seien verbrauchsärmere Autos und alternative Verkehrskonzepte.

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dpa/Guido Kruschke