VW Golf breit

In den ersten Monaten ist der Gewinn bei Europas größtem Autobauer Volkswagen drastisch eingebrochen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern schrumpfte in den ersten drei Monaten 2013 um 26 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. - Bild: VW

Gewinn und Umsatz sackten in den ersten drei Monaten des Jahres zum Teil deutlich unter die Vergleichswerte von 2012. Dennoch hält Europas größter Autobauer an seinen bisherigen Jahresprognosen fest, wie der Wolfsburger Konzern am Mittwoch überraschend einen Tag vor seiner Hauptversammlung mitteilte.

Der Umsatz sank im ersten Quartal leicht um minus 1,6 Prozent auf 46,6 Milliarden Euro – obwohl VW 4,8 Prozent mehr Autos auslieferte als vor einem Jahr. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sackte um gut ein Viertel ab auf 2,3 Milliarden Euro. Unterm Strich schwand ein gutes Drittel und es blieben knapp zwei Milliarden Euro.

“Die Geschäftsentwicklung des ersten Quartals war ? wie erwartet ? geprägt vom schwierigen konjunkturellen Umfeld. Insbesondere in Europa und nicht zuletzt auch in Deutschland haben sich die Märkte schwach entwickelt”, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn. Er rechne jedoch damit, “dass wir im weiteren Jahresverlauf an Fahrt aufnehmen können”. Die Tendenz zum schwierigen Jahresstart hatte Winterkorn schon im März bei der Vorlage der Bilanz 2012 durchblicken lassen.

Gegensteuern mit Rabatten

“Wie erwartet werden die Märkte teils deutlich schwieriger”, erklärte VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler. Positiv für VW. Im ersten Quartal stand insgesamt noch ein Absatzplus von 5,2 Prozent. Allerdings hat sich das Wachstum damit deutlich verlangsamt – in den ersten zwei Monaten des Jahres betrug das Plus noch 9,1 Prozent. Derzeit versucht Volkswagen auch mit Rabatten gegenzusteuern.

In der Prognose für 2013 heißt es weiterhin, dass die Wolfsburger “in einem herausfordernden Umfeld” mit mehr Auslieferungen an Kunden rechneten. Dennoch gibt es einen klaren Hinweis auf die Probleme, die die anhaltende Absatzflaute auf dem Heimatkontinent auch VW bereitet: “Dem intensiven Wettbewerb und den daraus resultierenden Belastungen können wir uns jedoch nicht vollständig entziehen”, schreibt VW.

Porsche-Übernahme sorgt für positiven Effekt

Allerdings hat die 2012 komplett erfolgte Porsche-Übernahme einen überaus positiven Effekt auf die Zahlen des VW-Gesamtkonzerns. Die Sportwagenschmiede, die als profitabelster Autobauer der Welt gilt, lieferte im ersten Quartal rund 37 000 Fahrzeuge aus. Das allein senkt das Verkaufsplus für den Gesamtkonzern bereinigt um Porsche auf 3 Prozent. Da jedoch ein Porsche durchschnittlich 100 000 Euro Umsatz bringt, müssten für eine Vergleichbarkeit der Zahlen eigentlich fast 4 Milliarden Euro von den Konzernerlösen abgezogen werden. Da Porsche neben Audi auch als Rendite-Juwel gilt, sind auch dort die Auswirkungen entsprechend.

Mit Porsche im Rücken plant Volkswagen so auch weiterhin mit einem höheren Absatz als 2012. Vergangenes Jahr hatte der Konzern insgesamt knapp 9,3 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Auch der Umsatz soll über den knapp 193 Milliarden Euro des Vorjahres liegen. Alle Sparten sollen ihren Beitrag dazu leisten. Beim Ergebnis peilt Europas größter Autobauer die Vorjahresmarke an – 11,5 Milliarden Euro.

Lage in Europa bleibt “weiter herausfordernd”

Vor allem in Europa kämpfen die Hersteller derzeit mit teils hohen Rabatten um die wenigen Neuwagenkäufer. Im März hatte nur Porsche die Konzernmutter vor dem ersten Absatzrückgang seit mehr als drei Jahren gerettet. VW ließ auch am Mittwoch keinen Zweifel daran, dass die nächsten Monate heikel bleiben dürften. Denn auch weiterhin stehe der starken Marktposition “die steigende Wettbewerbsintensität in einem herausfordernden Marktumfeld entgegen”.

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dpa/Handelsblatt/Guido Kruschke