Gerade die Länder, deren Automärkte im Zuge der Euro-Krise am stärksten eingebrochen waren,

Gerade die Länder, deren Automärkte im Zuge der Euro-Krise am stärksten eingebrochen waren, werden laut einer aktuellen Prognose in den kommenden Jahren boomen. Bild: mirpic - Fotolia.com

Die Situation Europas und hier insbesondere Westeuropas war zentrales Thema beim dreitägigen IHS Forum in Berlin. Die gute Nachricht: die Marktexperten sehen die Automobilindustrie sowohl bei der Entwicklung der Absatzzahlen wie auch bezüglich der Relevanz als Produktionsstandort deutlich auf Erholungskurs. Treibende Faktoren für die Erholung auf der Absatzseite ist die Erholung der Märkte in Südeuropa. Auf der Produktionsseite kommt das Wachstum durch den Aufbau weiterer Kapazitäten durch japanische und koreanische Hersteller vorwiegend in Osteuropa und der Türkei. Hinzu kommt die auch langfristig starke Position der deutschen Premiumhersteller, die auch in Zukunft einen Großteil der Autos in Deutschland produzieren werden.

Eine der Kernfragen beim IHS Forum drehte sich darum, ob es sich bei dem kräftigen Absatzplus von über sieben Prozent im ersten Quartal nur um eine technische Reaktion gehandelt hat oder ob dahinter eine echte Trendwende steckt. Nicht nur die Antwort von Colin Couchman, Director Light Vehicles Sales Forecasting, fiel eindeutig aus: “Das Wachstum ist zurück”.

Wachstum ist zurück

In Zahlen sieht das so aus: in diesem Jahr sehen die IHS-Experten für Europa ein nur schwaches Absatzwachstum von einem Prozent, in den Folgejahren fällt dieses mit jährlich plus vier Prozent deutlich kräftiger aus. Folge: In der Prognose mit Horizont 2021 zieht Europa im Jahr 2018, spätestens 2019, an Nordamerika vorbei und setzt sich hinter China auf Platz 2 der weltweit größten Absatzregionen. In Europa selbst fällt die Erholung in den Ländern am kräftigsten aus, die im Zuge der Euro-Krise am stärksten eingebrochen waren. Der spanische Markt wird sich vom Stand Ende 2013 bis 2019 auf knapp 1,4 Millionen Einheiten nahezu verdoppeln, Italien von unter 1,5 Millionen Einheiten auf über zwei Millionen verkaufte Einheiten pro Jahr zulegen. Stabile Größen in Westeuropa bleiben Großbritannien und Deutschland. In Westeuropa erwartet IHS 2018/201 in Summe einen Fahrzeugabsatz um die 15 Millionen Einheiten, in Gesamteuropa von etwa 21 Millionen Fahrzeugen. Dass die Prognose nicht noch positiver ausfällt, hat mit der nachlassenden Wachstumdynamik in Osteuropa zu tun, die sich letztlich auf die unsichere Lage in Russland zurück führen lässt. So hat IHS die langfristige Absatzprognose für Russland um 2,5 Prozent zurück genommen.

Die politischen und wirtschaftlichen Krisen in Russland und der Türkei sind auch Ursache für die magere Wachstumsprognose von einem Prozent in diesem Jahr. IHS geht aufgrund der Lage in den wichtigen Wachstumsländern für die Autoindustrie davon aus, dass sich die im ersten Quartal gezeigte Wachstumsgeschwindigkeit von über sieben Prozent Plus nicht über das Jahr nicht annährend halten lassen wird.

Russland war dann beim IHS Kongress das Stiwchwort wo immer es um Risikofaktoren für die zu sehende Erholung ging. Und: die Erholung in Europa hat auch ihre Grenzen. Bei allem Optimismus werde die Erholung in Europa nicht ähnlich schnell verlaufen wie die in Nordamerika nach 2009, auch wird Westeuropa auch in der Langfrist-Prognose nicht auf das Absatzniveau der zeit vor der Euro-Krise zurück kehren.

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Frank Volk