Neuwagen ZDK

Erstmals seit 2011 wurden in Europa wieder mehr Autos verkauft. - Bild: ZDK

Nach dem Absturz zum Jahresstart ist die rasende Talfahrt auf Europas Automärkte vorerst gestoppt. Im April wurden zum ersten Mal seit 19 Monaten wieder mehr Pkw neu zugelassen als ein Jahr zuvor, wie der europäische Branchenverband ACEA am Freitag mitteilte.

Die Neuzulassungen seien im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,7 Prozent auf 1,038 Millionen Pkw gestiegen. Das Plus dürfte zwar nur zwei zusätzlichen Arbeitstagen zu verdanken sein. In den vergangenen Monaten waren die Neuzulassungen allerdings immer wieder prozentual zweistellig nach unten gerauscht.

Trendwende noch nicht in Sicht

Doch nicht überall in Europa konnten sich die Automärkte überholen: Während Deutschland (plus 3,8 Prozent), Spanien (plus 10,8 Prozent) und Großbritannien (plus 14,8 Prozent) klare Zuwächse verzeichnen konnten, mussten Frankreich (minus 5,8 Prozent) und Italien (minus 10,8 Prozent) deutliche Rückgänge hinnehmen.

Der Blick auf die ersten vier Monate ist deswegen aussagekräftiger – und da ist von einer großen Trendwende nicht viel zu sehen. Von Januar bis April lag der Absatz gut 7 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Das ist kaum besser als im Gesamtjahr 2012, als der Absatz gut 8 Prozent hinter dem des Vorjahres zurückblieb.

China und Brasilien ziehen weiter an

Außerhalb Europas legten die Neuzulassungen dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge überwiegend zu: In den USA kletterte der Absatz um 8,4 Prozent nach oben. China (plus 18,8 Prozent) und Brasilien (29,6 Prozent) wuchsen kräftig, während es in Japan nur zu einem mageren Aufschlag von 0,7 Prozent reichte.

Krise in Europa nimmt mehr Einfluß auf die Branche

Und so gibt auch Europas größter Autobauer Volkswagen längst keine Entwarnung für den Heimatkontinent. Im Gegenteil: “Vor allem die Wirtschaftskrise in Europa nimmt verstärkt Einfluss auf die Automobilbranche”, sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler. Zwar setzte der Konzern im April in der EU fast zehn Prozent mehr Autos ab. Nach dem vergleichsweise schwachen Jahresstart liegen die Wolfsburger aber noch mehr als drei Prozent unter den Werten von 2012.

Schon den April-Zuwachs von knapp vier Prozent in Deutschland hatten nicht einmal Lobbyisten als Trendwende verkaufen wollen. Zumal der Markt hierzulande seit Jahresbeginn noch mit fast neun Prozent im Minus steckt. “Der Zuwachs ist ein positives Signal, allerdings bleiben die Märkte in Westeuropa schwach”, hatte VDA-Präsident Matthias Wissmann gesagt.

Auch Daimlers April-Plus von fast elf Prozent relativiert sich beim Blick auf die ersten vier Monate auf knapp drei Prozent. Die Stuttgarter profitieren derzeit vor allem von ihren neuen Kompaktmodellen wie der A- und B-Klasse, die sich dieses Jahr bislang über 50 Prozent besser verkauften als die Vorgängermodelle Anfang 2012.

Immerhin könnte der vergangene Monat aber ein erster Fingerzeig sein, dass beim Abwärtstrend in Europa langsam der Boden erreicht wird. Dabei spielt auch ein statistischer Effekt eine Rolle: 2012 brachen die Absatzzahlen im Lauf des Jahres immer stärker ein – entsprechend geringer wird die Fallhöhe für einen weiteren Rückgang in den nächsten Monaten.

Europa wird Autobauer noch länger beschäftigen

Aber selbst wenn in Europa ein Ende der Talfahrt in Sicht kommen sollte, ist dies keine Garantie für eine nachhaltige Erholung oder gar eine Rückkehr in Richtung der Rekordwerte von 2007. Der Druck auf die Hersteller und die Auslastung ihrer Werke dürfte nicht nur aus Sicht von VW noch lange Anhalten. BMW-Chef Norbert Reithofer glaubt, dass die Probleme in Europa die Branche noch fünf Jahre beschäftigen werden. Und das sei keine besonders pessimistische Schätzung, sagte er jüngst.

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dpa/Guido Kruschke