Mann lässt die Hände vom Steuer.

Hände weg vom Steuer: Gibt es zukünftig eine Gesetzgebung, die die Übernahme des Steuers verbietet? Ein KI-Experte sagt: „Ja!“ Bild: Bosch

| von Jennifer Kallweit

Autonomes Fahren ist schon längst kein Science Fiction mehr. Mit dem neuen A8 beispielsweise bringt Audi ein hochautomatisiertes Auto (Level 3) auf die Straßen. Damit ist die VW-Premiumtochter nur noch zwei Schritte vom Level-5-Serienfahrzeug entfernt. Dass der Mensch das Auto der Zukunft noch selbst steuert, bezweifelt der renommierte Informatiker Jürgen Schmidhuber, Co-Direktor des Schweizer Instituts für Künstliche Intelligenz IDSIAD in Manno bei Lugano. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Bald werden autonome Autos sicherer fahren als Menschen. Wenn sie 100-mal sicherer sind, wird der Gesetzgeber Druck verspüren, das zur Pflicht zu machen“, sagt Schmidhuber im Gespräch mit der Zeitschrift auto motor und sport. „Dann darf der Mensch nur noch in Ausnahmefällen selbst fahren.“

Weniger Unfälle durch bessere Technologie

Der KI-Experte rechnet eins und eins zusammen: „In Deutschland akzeptieren wir aktuell, dass im Schnitt neun Menschen pro Tag durch Verkehrsunfälle ums Leben kommen. Damit hat sich die Gesellschaft arrangiert. Aber es könnte künftig nur noch ein Toter pro Tag sein“, so Schmidhuber und hat keinen Zweifel daran, dass sich das autonome Fahren durchsetzen wird. „Wer dadurch länger und gesünder lebt, akzeptiert das gerne.“ Zudem zeigt sich laut Schmidhuber die Akzeptanz neuer Technologien am Beispiel Smartphone: „Auch die immer klügeren kleinen Assistenten auf den Smartphones und in den Autos werden zu immer akzeptableren Freunden des Menschen“, so der Wissenschaftler. „Sie murmeln einfach, dass Sie zum Stuttgarter Hauptbahnhof möchten, und ein kleines E-Auto fährt vor.“ Sicher wird es auch Menschen geben, die die neuen Assistenzsysteme ablehnen, so der Experte. So würden manche „weiterhin von der einsamen Blockhütte oder einem Leben ohne Technik am Strand von Tahiti träumen. Aber der Platz reicht dort nicht für alle 7,5 Milliarden Menschen auf der Welt.“