FCA, Fiat Chrysler Automobiles

Die Arbeitskosten bei Fiat Chrysler steigen durch die neue Tarifvereinbarung. Zum Ausgleich könnten Teile der US-Produktion nach Mexiko verlagert werden. Bild: FCA

Der erzielte Tarifabschluss bei dem italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler richtet das Lohngefüge in den Fabriken des Unternehmens neu aus. Die vorläufige Vereinbarung zwischen der Autogewerkschaft UAW und dem Konzern sehe höhere Löhne und eine neue Verteilung der Gewinne vor, sagten informierte Personen. So würden neuere Mitarbeiter in guten Zeiten einen höheren Anteil am Gewinn erhalten als ihre dienstälteren Kollegen.

Mit der Vereinbarung, die die Gewerkschaftsmitglieder im Unternehmen per Abstimmung noch abnicken müssen, wird die Vergütung der 36.000 betroffenen Mitarbeiter umkrempeln und dient als Vorgabe für die US-Rivalen General Motors und Ford in der laufenden Tarifrunde.

Dir Arbeitskosten bei Fiat Chrysler werden zunächst also insgesamt steigen. Zum Ausgleich prüfe der Konzern, Teile der US-Autoproduktion nach Mexiko zu verlagern, wo die Arbeitskosten niedriger sind, sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Die freigewordenen Kapazitäten in den USA könnten dann mit der Produktion von lukrativeren Pickup-Trucks und SUVs gefüllt werden.

Gemäß der Vereinbarung bekommen Mitarbeiter am Fließband einen neuen Einstiegslohn von 17 Dollar pro Stunde, etwa 1 Dollar mehr als bislang. Der Lohn neuerer Mitarbeiter werde bei 25 Dollar gedeckelt, so die Informanten. Mitarbeiter, die innerhalb der vergangenen acht Jahre eingestellt wurden, welche bislang maximal 19,28 Dollar verdienen konnten, bekommen ebenfalls eine Erhöhung, es werde bei ihnen aber künftig länger als bislang dauern, bis sie den maximalen Stundenlohn erreichen, sagten die Informanten. Jetzt dauert es vier Jahre.

Mitarbeiter, die vor 2007 eingestellt wurden, erhalten Lohnsteigerungen durch eine Kombination aus Pauschalbeträgen und Anhebungen des Basislohns. Damit können sie über die Laufzeit des Vertrags auf über 30 Dollar pro Stunde kommen, von 28 Dollar derzeit, sagten die informierten Personen. Diese höheren Löhne werden sich aber erledigen, wenn diese Mitarbeiter in den Ruhestand gehen oder das Unternehmen verlassen.

Der neue Deal eliminiert die Zweiklassen-Lohnstruktur bei Fiat Chrysler zwar nicht unmittelbar. Durch die nun getroffene Vereinbarung wird sie aber nach und nach abgebaut. In der Zwischenzeit sollen die neueren Mitarbeiter einen höheren Anteil am Gewinn erhalten, womit sie in guten Jahren potenziell mehr verdienen können als die Veteranen am Fließband.

Um den Mitarbeitern die Vereinbarung zu versüßen, sollen sie bei Abschluss des Deals einen Bonus von 3.000 Dollar bekommen. Zudem werden 5,3 Milliarden Dollar an neuen Investitionen in den US-Werken über die nächsten vier Jahre in Aussicht gestellt sagten informierte Personen.

Die Zweiklassen-Lohnstruktur war in der US-Autobranche 2007 eingeführt worden, um den damals schwächelnden Konzernen unter die Arme zu greifen. Deshalb verdienten neuere Mitarbeiter 9 Dollar weniger die Stunde als ihre Kollegen, die schon länger im Unternehmen beschäftigt waren.

Bei Fiat Chrysler erhalten derzeit rund 45 Prozent der Arbeiter den niedrigeren Lohn. Bei GM und Ford sind es jeweils nur 25 Prozent.

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Christina Rogers und Jeff Bennett, Dow Jones Newswires