Sergio Marchionne

Fiat-Chef Sergio Marchionne will die beiden Unternehmen zusammenschließen, auch damit Fiat auf die Barreserven des Autobauers aus Michigan zugreifen kann. - Bild: Chrysler

Dann wollen die Italiener ein fusioniertes Unternehmen möglicherweise in den USA an die Börse bringen, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen. Damit könnten die Italiener ihre Bilanz aufmöbeln.

Mit dem Schritt, der Chrysler erstmals seit 2007 an den Aktienmarkt zurückführen würde, würde Fiat-Chef Sergio Marchionne eine neue Richtung einschlagen. Dieser hatte stets betont, einen Börsengang vermeiden zu wollen.

Fiat hat enormen Kapitalbedarf

Ein solches Vorgehen wäre gleichwohl attraktiv, denn Fiat hat wie alle Autohersteller einen gewaltigen Kapitalbedarf. Eine Börsennotierung in den USA wäre eine neue Finanzierungsquelle für den Konzern, sagten die informierten Personen.

Auch nach von Philippe Houchois, Analyst bei UBS in London, wäre eine US-Notierung sinnvoll. “Man schafft ein Unternehmen, das auf pro-forma-Basis mehr wie Ford aussieht als Renault-Nissan, sagte er. “Wenn man sich die Struktur jetzt anschaut, hat man ein braves Kind mit einem schwierigen Elternteil, also ist es möglicherweise lebensbedrohlich”, fügte Houchois hinzu. “Wenn man das herumdreht und Fiat den Charakter einer Tochter von Chrysler erhält, kann man das besser handhaben.”

Fusionierung bringt beiden Unternehmen große Vorteile

Marchionne will die beiden Unternehmen zusammenschließen, auch damit Fiat auf die Barreserven des Autobauers aus Michigan zugreifen kann. Chrysler ist profitabel und hat einen gesunden Cashflow. Fiat dagegen verliert im Zuge der europäischen Schuldenkrise und des desolaten Automarktes diesseits des Atlantiks Geld.

Es ist nicht klar, ob Fiat dann weiter in Europa notiert bleiben wird, oder ob Chrysler separat oder gemeinsam mit Fiat als fusioniertes Unternehmen gelistet wird. Die Notierung in den USA sei einer von mehreren Plänen, die derzeit von Fiat in Erwägung gezogen werden, sagten die Informanten. Es sei auch möglich, dass Marchionne sich dagegen entscheidet.

Marchionne ist der Ansicht, dass Fiat in der Lage ist, den Rest an Chrysler zu übernehmen, der derzeit einem gewerkschaftlich verwalteten Fonds gehört. Die beiden Parteien streiten sich derzeit vor Gericht über die Bewertung der Aktien. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung wird den Preis bestimmen, den Fiat für die ausstehenden Anteile berappen müsste. Es ist auch möglich, dass die Parteien sich gar nicht einigen.

Chrysler hatte 2009 Gläubigerschutz beantragt und ist schon seit 2007 nicht mehr an der Börse. Damals hatte Daimler den schwächelnden Autohersteller an den Finanzinvestor Cerberus Capital Management verkauft. Chrysler musste in der Finanzkrise von der US-Regierung ebenso gerettet werden, wie auch General Motors. GM ist 2011 an den Aktienmarkt zurückgekehrt. Chrysler hat die Staatshilfen mittlerweile zurückgezahlt.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke