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Wie viele Jobs dem Umbau zum Opfer fallen sollen und welche Werke gegebenenfalls betroffen sind ließ Ford zunächst offen. Bild: Ford

Um die strukturellen Kosten der Europasparte zu verbessern würden «Personalüberhänge sowohl im gewerblichen als auch im kaufmännischen Bereich in allen Unternehmensteilen abgebaut», teilte der Konzern am Donnerstag (10. Januar) in Köln mit. «Wir ergreifen wirksame Maßnahmen, um das Europa-Geschäft von Ford neu aufzustellen», sagte Europachef Steven Armstrong. In einem Interview sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg, das Unternehmen schaue sich alle Optionen an, auch Werksschließungen seien nicht ausgeschlossen.

Wie viele Jobs dem Umbau zum Opfer fallen sollen und welche Werke gegebenenfalls betroffen sind ließ Ford zunächst offen. Der Konzern will die Personalkosten in Europa nach eigenen Angaben so weit wie möglich durch freiwillige Auflösung von Arbeitsverhältnissen senken und dazu eng mit den Sozialpartnern und anderen Interessengruppen zusammenarbeiten. Ford beschäftigt auf dem Kontinent rund 54.000 Mitarbeiter vor allem in Deutschland, Großbritannien und Spanien.

(Aktualisierte Version von 16:03 Uhr)

Von den rund 50.000 Arbeitsplätzen werde "eine beträchtliche Anzahl" wegfallen, sagte Ford-Europachef Steven Armstrong am Donnerstag (10. Januar) in Köln. In Deutschland arbeiten für Ford circa 24.000 Menschen, der Großteil davon in Köln. Wie viele Arbeitskräfte in der Domstadt wegfallen, wollte der Manager nicht sagen. Man führe noch Gespräche mit der Arbeitnehmerseite zu den einzelnen Standorten, sagte er. Bis spätestens Mitte 2019 sollen Einzelheiten feststehen.

Bereits Ende 2018 hatte Ford die Schließung eines kleinen Getriebe-Werks im französischen Bordeaux sowie Einschnitte für sein Werk im saarländischen Saarlouis angekündigt. An dem zweitgrößten deutschen Standort wurde jahrelang unter anderem der Van C-Max gefertigt, diese Produktion wird im August 2019 eingestellt. Grund: gesunkene Nachfrage nach den Vans. In dem Werk arbeiten rund 6000 Menschen. Von drei Schichten soll eine wegfallen. Generell will Ford Europa sein Pkw-Angebot "straffen" und sein Geschäft mit Nutzfahrzeugen und Importmodellen ausbauen.

Obgleich noch keine konkrete Zahl für Köln feststeht, dürfte es auch das Werk mit seinen derzeit circa 18.000 Mitarbeitern treffen. Denn Armstrong stellte klar: "Die Einschnitte werden in allen Geschäftsbereichen kommen." Der Abbau solle sozialverträglich erfolgen, also zum Beispiel mit Altersteilzeit oder Abfindungen.

In Großbritannien sollen zwei Standorte zusammengelegt werden. Sollten die Fronten zwischen London und Brüssel verhärtet bleiben, würden Einschnitte des Autobauers im Vereinigten Königreich tiefer ausfallen als bisher angedacht. "Wenn wir das falsche Ergebnis bekommen und einen harten Brexit haben, dann sollte man erwarten, dass die Folgen deutlich dramatischer werden als das, worüber wir nun nachdenken", sagte Armstrong.

Ford hat in Europa seit langem einen schweren Stand, die Tochterfirma des US-Konzerns ist in den roten Zahlen. Auch 2018 sei ein Verlustjahr gewesen, sagte Armstrong. Konkrete Geschäftszahlen nannte er nicht, betonte aber: "Es ist wichtig, dass wir 2019 wesentliche Fortschritte machen." Ziel sei die Rückkehr in die Gewinnzone. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll bei mindestens sechs Prozent vom Umsatz liegen - "das ist ein wettbewerbsfähiges Level für ein Unternehmen unserer Größe in Europa", so Armstrong.

Warum kommt Ford in Europa einfach nicht in die Gänge? Da gebe es keinen einzelnen Grund, sagte Armstrong. "Wenn man auf die vergangenen Jahrzehnte guckt, war Ford Europa nie nachhaltig profitabel." Man könne nur da investieren, wo es sich auch lohne. Daher sei die Umstrukturierung der Europapräsenz nun sehr wichtig.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen ist besorgt. Die Ford-Pläne seien "sehr ernstzunehmen". Möglicherweise würden die Einschnitte viel tiefer ausfallen als bisher gedacht. "Ford hat ein strukturelles Kostenproblem, weil die Fahrzeuge fast nur in Europa verkauft werden und nicht auf dem Weltmarkt." Dadurch haben sie einen wesentlichen Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz. Das Problem wäre nur mit einem Verkauf lösbar oder wenn ein Kooperationspartner gefunden wird. Ein Rückzug aus Europa mit Konsequenzen auch für den Standort Köln sei nicht auszuschließen.

Auf seiner Website teilte der Konzern mit, die neue Strategie werde zu einer effizienteren Geschäftsstruktur führen. Folgende Schritte befinden sich demnach bereits in der Umsetzung:

  • Die Produktion im Ford Werk Aquitaine Industries im französischen Bordeaux, das kleine Automatikgetriebe fertigt, wird im August 2019 eingestellt.
  • In Deutschland verhandeln Ford und der Gesamtbetriebsrat über das Fertigungsende des C-MAX und Grand C-MAX im deutschen Werk Saarlouis. Grund für diese Planung sei das Schrumpfen des Segments der kompakten Vans in Europa.
  • Ford initiiert eine strategische Bewertung des Joint Ventures Ford Sollers in Russland. Dabei werden verschiedene Optionen der Restrukturierung für Ford Sollers von Ford und seinem Partner Sollers PJSC geprüft. Eine Entscheidung wird im zweiten Quartal erwartet.
  • Ford plant, seine Großbritannien-Zentrale und den Sitz von Ford Credit Europe im Technikzentrum Dunton östlich von London zusammenzulegen. Damit will das Unternehmen die Organisationen effizienter aufstellen und einen Standort schaffen, an dem die kundenzentrierten Aktivitäten gebündelt werden. Die Umsetzung dieses Vorhabens hängt laut Ford von der Zustimmung der Gewerkschaften und der lokalen Behörden ab.