AF Stuttgart Kollatz-Ahnen

Matthias Kollatz-Ahnen: Wir sehen Bedarf für die parallele Entwicklung neuer, umweltfreundlicher Antriebs- und Sicherheitstechnik. - Bild: Sabine Hofmann

Besonders für die parallele Entwicklung neuer, umweltfreundlicher Antriebs- und Sicherheitstechnik sowie die Erarbeitung eines technologischen Vorsprungs in diesen Gebieten gegenüber asiatischen und nordamerikanischen Wettbewerbern sieht er Bedarf.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) ist die Förderbank der EU. Sie unterstützt die EU-Politik in den Mitgliedsstaaten und Partnerländern durch die langfristige Finanzierung von Infrastruktur, Forschung, Entwicklung und Innovation sowie KMU – auch solche bis 3.000 Mitarbeiter, so genannte Mid-Caps. Darüber hinaus beteiligt sich die Bank im Auftrag der Europäischen Kommission zunehmend an Finanzierungen außerhalb der Union. Das Finanzierungsvolumen der Bank betrug im letzten Jahr 72 Milliarden Euro.

Stand am Anfang die Finanzierung von Fertigungsstätten im Vordergrund, so liege das Ziel heute im Wesentlichen in der Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation – und dort besonders in den Bereichen Verbrauchs- und Schadstoffreduzierung sowie der Sicherheit, stellt Kollatz-Ahnen fest. Im Verlauf der Finanz- und Wirtschaftkrise ist die EIB zum größten Finanzierungsinstitut der Automobilindustrie in Europa geworden: Seit Ende 2008 wurden 32 Einzel-Genehmigungen, also Kredite im Volumen von mehr als 14 Milliarden Euro erteilt.

Etwa acht davon zählen zu F&E im Bereich der Verbrauchs- und Schadstoffreduzierung, diese im Rahmen des Sonderprogramms der “European Clean Transport Facility” (ECTF). Der Kundenkreis der Bank umfasst beinahe alle europäischen OEMs sowie eine große Zahl von Zulieferern, viele von ihnen mittelständische Betriebe.

Die EIB finanziere typischerweise Projekte, die Auszahlungen erfolgen daher über einen längeren Zeitraum hinweg. Der Schwerpunkt, nämlich 54 Prozent betreffen das European Clean Car Facility, wie Kollatz-Ahnen erklärt. Der Autosektor ist der wichtigste Kundenkreis, so der EIB-Vizepräsident, was in der hohen Forschungsintensität begründet liege.

Eine große Rolle spielen Innovationen und die entsprechenden Finanzierungen. Dazu müsse man Innovationen einstufen. Zur Finanzierungstechnik zähle, dass man Finanzierungsintrumente nehme, die auf eine Darlehensförderung hinauslaufen. Der Regelfall sei ein 50:50-Modell zwischen der EIB und einer Hausbank; das typische Darlehen im F&E-Bereich umfasse sieben Jahre.

Was man als Schlüsselthema der Zukunft sehe, sei die Technologieführerschaft Europas, so Kollatz-Ahnen. Themen seien auch die Kostenführerschaft sowie Überkapazitäten.  Neben dem Antrieb unterstütze man auch Bereiche wie Sicherheit sowie die Kommunikations- und Navigationstechnologie. Die EIB sei bei diesen Projekten nicht nur ein Finanzierungsinstitut, sondern betreue die Projekte auch mit Ingenieuren. Kollatz-Ahnen wirft den Blick voraus bis 2025: Zu den größten Herausforderungen zählt seiner Ansicht nach die zunehmende Verlagerung der Produktionskapazitäten nach Asien.