VW Indien Dr. Chacko

Dr. John Chacko: Indien ist einer der stärksten Wachstumsmärkte, der mittlerweile auch deutliche Spuren in der globalen Ökonomie hinterlässt. - Bild: Sabine Hofmann

Auf dem 22. AUTOMOBIL FORUM 2011 in Ludwigsburg berichtet mit Dr. John Chacko ein erfahrener Insider aus dem Volkswagen-Konzern von seinen Erfahrungen auf dem indischen Subkontinent – und wie und warum sich VW vor Ort engagiert.

Dr. John Chacko ist Volkswagen-Group Chief Representative India sowie President und Managing Director der Volkswagen India Private Limited. Für den studierten Logistik- und Produktionsplaner hat der Subkontinent eine große Anziehungskraft.

Nicht nur, weil der gebürtige Inder mit deutschem Pass sich seit Jahren wieder vor Ort engagiert. Er sieht klar die Zukunftschancen: “Indien ist einer der stärksten Wachstumsmärkte, der mittlerweile auch deutliche Spuren in der globalen Ökonomie hinterlässt”. Neben China zeitigt vor allem Indien seit Jahren stabile Wachstumsraten, auch getragen von der positiven Entwicklung im Automobilsektor. Weitere Vorteile dieses Wachstumsmarktes sind eine junge Bevölkerung, mit einer parallel wachsenden Mittelklasse-Schicht, sowie eine stabile, relativ niedrige Inflation der indischen Rupie.

Zugleich wächst der Bedarf an Mobilität, und damit an Fahrzeugen, hauptsächlich und in erster Linie in den urbanen Zentren Indiens. Weltweit ist der Subkontinent nach Brasilien der siebtgrößte Fahrzeugproduzent, wie VWs Indien-Statthalter den Teilnehmern des AUTOMOBIL FORUMs 2011 verdeutlicht. 2010 wurden fast 2,17 Millionen Pkw vor Ort verkauft, bestätigt Dr. Chacko. VW hält daran rund 2,5 Prozent Marktanteil mit rund ausgelieferten 53.000 Autos.

In den ersten vier Monaten 2011 konnten allein die VW-Marken um über 257 Prozent zulegen, der Gesamtmarkt immerhin um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Führend und lokal erfolgreich sind Marken wie Suzuki Maruti, Tata, Hyundai und Mahindra. Bis 2015 könnte der indische Automobilmarkt um jährlich durchschnittlich zehn Prozent auf dann 3,8 Millionen Einheiten steigen. Hauptanteil daran mit rund 54 Prozent hat derzeit das A 00-Segment.

Zudem ist die indische Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von unter 25 Jahren sehr jung. Zum Vergleich: Das Durschnittsalter der Deutschen liege bei über 42 Jahren, wie Dr. Chacko sagt.

Doch es ist nicht alles Gold: Um dieses Wachstum auch zukünftig zu gewährleisten, sind in dem südasiatischen Land noch einige Herausforderungen zu lösen, wie der 59-jährige an der TU Karlsruhe promovierte Ingenieur meint.

Dazu gehören laut Dr. Chacko in dem bevölkerungsreichen Land etwa der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften im Automobilsektor, sowohl im Produktions- wie auch im Dienstleistungsbereich. VW löst diesen Mangel beipielsweise im Werk in Pune durch spezielle, teils über drei Jahre währende Trainingsprogramme, etwa für die Werker am Band. Dort werden 2011 rund 130.000 Fahrzeuge vom Band laufen, neben dem Polo und dem Vento, zählt auch der Skoda Fabia dazu. 2010 waren es rund 38.000 Einheiten gewesen. Nur so seien die notwendigen Qualifikationen für die Mitarbeiter zu schaffen, wie Dr. Chacko betont.

Zudem stellen auch die nur langsam wachsende Infrastrukturen vor Ort agierende Unternehmen vor viele Aufgaben, die manchmal zu kreativen Lösungsansätzen zwingen.

Das sind nicht nur Logistik-Probleme, die sich aus den mangelhaft ausgebauten Straßennetzen, der lückenhaften oder veralteten Eisenbahn- oder dem Luftverkehrssituation ergeben. Auch die zu geringen Kapazitäten der Häfen gehören dazu, ebenso die Unwägbarkeiten bei der Energieversorgung, sei es nun beim Stromnetz oder die Anlieferung fossiler Brennstoffe.

Chacko sieht realistischerweise auch noch Potenziale hinsichtlich eines stabilen politischen Rahmens sowie bei der legislativen Umsetzung neuer Gesetze, Bestimmungen und Regularien. Aber Chacko stellt auch fest: die Infrastruktur, insbesondere das Straßennetz wird massiv ausgebaut, auch die Vernetzung der Häfen etc. werde verstärkt vorangetrieben.

Die Zuwachserwartung von über 101 Prozent bis zum Jahr 2018 für den indischen Markt trieb Volkswagen dazu, das eigene Engagement auf dem Subkontinent voranzutreiben, wie Dr. Chako erläutert. Dazu gehört die Montage in Aurangabad, und seit März 2009 auch das Werk in Pune, wo im Mai 2009 zuerst die Fertigung des Fabia, dann im Dezember die des Polo und im August 2010 die Produktion des Vento begann.

VW Polo Indien

Volkswagen ist heute auf dem indischen Markt mit einem eigenen unabhängigen Produktionsstandort in Pune und einem weiteren Werk in Aurangabad vertreten. - Bild: VW

Die Nähe zu Mumbai mit den benötigten Hafenkapazitäten waren entscheidende Faktoren für die Standortwahl des Konzerns. Beim Polo sei bereits ein Lokalisierungsgrad von 62 Prozent erreicht, 75 Prozent werden als nächster Schritt angestrebt, wie der Indien-Experte sagt. Zwölf Prozent Marktanteil sollte Volkswagen 2014 realistischerweise erreichen können, meint Dr. Chacko.

Dazu braucht es auch ein starkes Distributionsnetz, das die Wolfsburger gerade lokal knüpfen: Hatte VW 2007 lediglich einen Händler in Indien, so sind es im April 2011 bereits 71, hinzu kommen aktuell noch 81 Skoda-Händler sowie weitere Audi-Showrooms.

Volkswagen India arbeite aufgrund dieser zahlreichen Herausforderungen mit den anderen indischen OEMs genauso zusammen wie mit dem dortigen Herstellerverband, der Society of Indian Automobile Manufactures (SIAM), und anderen industiellen Körperschaften, so Dr. Chacko. Auf diesen Wegen will der Konzern politische Entscheidungen staatlicher wie bundesstaatlicher Regierungen und Institutionen begleiten.

Die Volkswagen Group India ist dabei nicht nur Nutznießer des indischen Wachstumserfolgs, zugleich leiste der Konzern seinen Beitrag zur Stärkung dieses wirtschaftlichen Aufstiegs durch Schaffung von Arbeitsplätzen und die Einführung von Technologien, so Chakos Fazit.