AF Stuttgart Prof. Buller

Aufgrund der Volatilität der Preise sei es wichtig, die Ressourcen verfügbar zu haben. Rohmaterialien müssen in einem gesamtheitlichen Kontext betrachtet werden, wie Prof. Buller erläutert. - Bild: Sabine Hofmann

Doch was tun, wenn die Rohstoffe knapp werden? Auf diese Frage gibt Prof. Dr. Ulrich Buller, Mitglied des Vorstands der Fraunhofer-Gesellschaft, Ressort Forschungsplanung, Antwort.

Wenn wir an Rohstoffe denken, wissen wir bereits aufgrund der Volatilität der Preise, dass es wichtig ist, die Ressourcen verfügbar zu haben. Rohmaterialien müssen in einem gesamtheitlichen Kontext betrachtet werden, erläutert Buller. Der Chemiker betont daher, dass vor allem auch soziokulturelle Aspekte mit in die Rohstoff-Betrachtungen einzubeziehen sind. Wir in Europa verfügen kaum über Rohstoffe. Unsere Versorgungssicherheit sei daher nicht gewährleistet. Wir benötigen eine Unzahl von verschiedenen Metallen und seltenen Erden.

Was gilt es daher zu beachten, wenn neue Themen wie die Elektromobilität zum Tragen kommen? Alle Metalle des Periodensystems haben durchaus verschiedene Reichweiten in puncto Rohstoffreserven oder Recycling, wie Buller erläutert. Indium beispielsweise trage nur wenige Jahre. Der Recyclinganteil hier sei null, während Aluminium einen Recycling-Quote von immerhin 49 Prozent habe. Welche Rohstoffe sind bei der Abkehr vom Verbrennungsmotor hin zur E-Mobilität gefragt?

Der Kupferanteil etwa sei beim klassischen Verbrenner gering, beim Plug-in-Hybrid liege er schon beim etwa dreifachen. Kupfer werde aber in allen Szenarien – also auch wenn es in einigen Jahren nur noch solche Fahrzeuge geben sollte – reichen, wie Buller erläutert.

Empfehlenswert sei es aber, etwa in der Telekommunikation eine Substitution von Kupferkabeln durch Glasfaser anzudenken. Auch ein Recylingszenario müsse überlegt und neue Methoden angedacht werden.

Beim Thema Lithium gibt Buller Entwarnung. Als problematisch erachtet der Chemiker eher das Thema Neodym. Versorgungsstörungen dürften hier eher politischer Natur sein. Bereits 2030 könnte der Rohstoff für Dauermagnete Engpässe zeitigen. Hier sieht der Experte des Fraunhofer-Instituts noch Handlungsbedarf.

Was zur Lösung des Problems die Wirtschaft, die Politik und die Institute beitragen können, schilderte Buller differenzierend: Die Wirtschaft sollte demnach substituieren oder sich etwa an Mienen beteiligen. Die Politik müsse globale Konzentrationsbewegungen beobachten. Buller mahnt eine europäische Rohstoffpolitik an. Für das Fraunhofer meldet der Wissenschaftler Vollzug in Form eines Technologiezentrums für Kreislaufwirtschaft, das in drei Projektgruppen etwa Wertstoffströme beobachtet, Hilfe beim Thema Substitution anbiete und beratend tätig werde.