Sechs von 41 Klägern haben ihre Schadenersatz-Forderungen im Zusammenhang mit der gescheiterten

Sechs von 41 Klägern haben ihre Schadenersatz-Forderungen im Zusammenhang mit der gescheiterten VW-Übernahme fallen lassen. (Bild: Porsche)

Porsche kann erstmal durchatmen.  Wie die “Financial Times Deutschland” berichte, sinkt nach einem höchstrichterlichen Urteil in den USA zur Verfolgung von Kapitalmarktvergehen die Zahl der Investoren, die Porsche im Zusammenhang mit der missglückten VW -Übernahme auf Schadenersatz verklagen. Sechs der bisher 41 Kläger ließen ihre Forderungen fallen, geht nach Angaben der Nachrichtenagentur “Reuters” aus US-Gerichtsunterlagen hervor.

Dies ist eine Reaktion auf eine neue Rechtslage in den USA. Amerikanische Gerichte können demnach jetzt nur noch über mögliche Rechtsverstöße mit Transaktionen von an US-Börsen notierten Unternehmen oder sonstigen US-Wertpapieren urteilen. Das hatte der Oberste Gerichtshof in den USA Ende Juni erlassen.

Mit ihrem Urteil hatten die Richter unter anderem ein Hindernis für den geplanten Zusammenschluss von Volkswagen und Porsche aus dem Weg geräumt. Zwar unterlag die National Australia Bank in einem Verfahren. Doch das Urteil ist auch auf ähnliche Fälle anwendbar. Es hob die bisherige Rechtsprechung auf, die unter anderem in Europa seit Jahren als fragwürdig und anmaßend kritisiert worden war.

VW und Porsche: Noch immer beschäftigt der Übernahmekampf Juristen Porsche wird derzeit, ebenso wie der französische Medienkonzern Vivendi , von Investoren über Sammelklagen auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt. In beiden Fällen werfen die Beschwerdeführer den Konzernen vor, durch falsche oder unvollständige Informationen Kurse manipuliert und Investoren getäuscht zu haben. Im Fall Porsches hatten Investoren ihre Klagen in New York eingereicht, weil in den USA nach einer Verurteilung deutlich höhere Schadensersatzsummen zugesprochen werden als in Europa.

Weder die Aktien von VW noch von Porsche sind in den USA notiert, was die Klagemöglichkeiten von Anlegern gegen das Stuttgarter Unternehmen im Zuge des jüngsten Grundsatzurteils in den USA einschränkt.

Mit ihrer selbst definierten Zuständigkeit für Klagen gegen ausländische Unternehmen, deren Geschäft nur indirekt mit den USA verbunden ist, hatten amerikanische Zivilgerichte in den vergangenen Jahren zunehmend Kläger aus aller Welt angezogen. Vor allem über Sammelklagen, die in Europa nur eingeschränkt zulässig sind, setzten sie mithilfe von US-Anwälten teils erhebliche Forderungen durch.

Das Risiko, in den USA verklagt zu werden, schreckt deutsche Unternehmen zunehmend ab. Der Rückzug zahlreicher DAX-Konzerne von der Börse in New York in den vergangenen Monaten wurde oftmals auch mit der rechtlichen Unsicherheit begründet.

Als Reaktion auf das Urteil des Obersten Gerichtshofs machen nun aber einige der klagenden Fondsgesellschaften erstmals geltend, dass sie auch durch in den USA getätigte Swap-Geschäfte auf VW-Aktien finanzielle Einbußen erlitten hätten. Einige Beschwerdeführer ließen zudem ihre auf US-Börsenrecht gestützten Ansprüche ganz fallen und erheben nun allgemeine Betrugsvorwürfe. Kursinformationen und Charts

Insgesamt verlangen die verbliebenen 35 Kläger in ihrer jüngsten Klageschrift Schadenersatz für Vermögensverluste von mehr als 2 Mrd. Dollar.

Porsche habe durch Falschinformationen und Marktpreismanipulationen den Kurs der VW-Aktien in die Höhe getrieben, lautet der Vorwurf. Die Fonds hatten auf fallende Kurse gesetzt, was ihnen im Herbst 2008 bei einem kurzzeitigen Kurssprung der VW-Aktien auf mehr als 1000 Euro herbe Verluste einbrachte.

Porsche bekräftigte am Donnerstag, die Klage der Anleger in den USA sei unzulässig und unbegründet. “Auch die von den Klägern vorgebrachten neuen Behauptungen fallen nicht in den Anwendungsbereich des US-Börsenrechts”, sagte ein Sprecher. Porsche werde sich weiter entschieden gegen die Klage zur Wehr setzen.

Für den Stuttgarter Sportwagenhersteller, der in den VW-Konzern integriert wird, könnte eine Verurteilung zu milliardenschwerem Schadenersatz in den USA eine existenzbedrohende Krise auslösen, da die Porsche-Holding hoch verschuldet ist und die ursprünglich geplante Übernahme von Mitte vergangenen Jahres daher abblasen musste. Statt dessen will VW nun Porsche im kommenden Jahr ganz schlucken.