| von Wolfgang Gomoll

Kennen Sie Nobe Cars? Das ist ein Automobilhersteller, der mit wagemutigem Design bei der Elektromobilität reüssieren will. Nur ein paar Schritte davon wird Pagani auf dem Genfer Salon auch diesmal seine sündhaft teuren Sportwagen präsentieren. Dieses Spiel der Gegensätze macht den besonderen Charme des Genfer Automobilsalons aus, mit dem jedes Jahr traditionell die europäische Messesaison beginnt. "Die Geneva International Motor Show ist der internationalste aller Autosalons, wir stellen Marken aus der ganzen Welt aus. Dieses Jahr begrüßen wir in Genf auch eher unbekannte Hersteller aus China oder Russland beispielsweise. Anderseits aber freut uns auch die Anwesenheit von Schweizer Automobil-Herstellern wie Kyburz Switzerland oder Rinspeed ", strahlt Maurice Turrettini, Präsident der Geneva International Motor Show.

Selbstbewusste Worte angesichts der Tatsache, dass Automobilmessen zunehmend zu einem Relikt des 20. Jahrhunderts verkommen. Die North International American Auto Show in Detroit steht vor dem Aus, seitdem sich insbesondere die deutschen Hersteller wie Mercedes, Audi und BMW zurückgezogen haben. Auch die Terminverschiebung vom bitterkalten Januar in den warmen Michigan-Frühsommer dürfte den kränkelnden Messepatienten nicht nachhaltig reanimieren. Der Trend weg von den großen Autoshows ist unübersehbar: Selbst solche Vorzeige-Veranstaltungen wie die IAA haben unter einem merklichen Ausstellerschwund zu leiden.

Autobauer wie Rolls-Royce, Aston Martin, Nissan, Renault, Alpine, Dacia sowie Mitsubishi und die GM-Marken Chevrolet und Cadillac bleiben der deutschen Vorzeigemesse in diesem Jahr voraussichtlich fern. In Genf kennt man solche Probleme nicht, obwohl auch hier Marken wie Opel, Ford oder Volvo absagten. Dafür kommen eine ganze Reihe neuer Aussteller an den Lac Leman; darunter sind eben auch Nobe Cars und die Lokalheroen von Kyburz Switzerland unter den knapp 30 Debütanten. Rund 600.000 Besucher werden 900 ausgestellte Autos und davon etwa 150 Weltpremieren bestaunen - darunter den BMW X7, den Renault Clio und den Skoda Kamiq. Selbst Rolls-Royce bringt seine Edelkarossen in das Palexpo Messe-Zentrums unweit des Genfer Flughafens.

Der Unterschied zu den großen Publikumsmessen, die vom Zuschauer- beziehungsweise Ausstellerschwund betroffen sind, ist die Ausrichtung des Genfer Automobilsalons. Seit jeher heißt die die Devise am Lac Leman "klein aber fein". Statt einer Vielzahl von Hallen, wie In Frankfurt oder Paris, wo sich der Besucher auf den Weg zu den Messeständen die Füße wund läuft, ist in Genf alles exklusiver, nobler und auch näher beisammen. Zum ersten Mal fand die Schweizer Messe im Jahr 1905 als "Nationale Automobil- und Fahrradausstellung" statt und hatte von Beginn an ein besonderes Flair. Porsche nutzte die Messe 1949 für den ersten internationalen Auftritt und auch später strahlten die Schönen und Reichen mit den Chrom-Applikationen der Automobile im Scheinwerferlicht um die Wette. Schon immer werden und wurden in Genf traditionell teure Automobile vorgestellt: Sei es der Ferrari 812 Superfast mit 800 PS, der legendäre Lamborghini Countach, der Mercedes SL Roadster oder der Jaguar E-Type. Aber auch Normalo-Autos, wie der VW Scirocco erblickten in der französischen Schweiz das Licht der automobilen Welt.