Autosalon in Genf 2013: In diesem Jahr soll die Branche "mit konventionellen Neuerungen zu

Autosalon in Genf 2013: In diesem Jahr soll die Branche "mit konventionellen Neuerungen zu neuer Höchstform" auflaufen, stellt zumindest Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen fest. - Bild: Autosalon Genf

Klassische Antriebstechnologien bestimmen nach wie vor das Bild: Nur 65 der rund 900 ausgestellten Fahrzeuge erfüllen bereits das für 2021 ausgegebene CO2-Emissionsziel der EU-Kommission – das sind ebenfalls weniger als 2013.

Mit 250 Ausstellern haben sich auch weniger Firmen angemeldet als im Vorjahr. Die Veranstalter rechnen aber trotzdem wieder mit rund 700.000 Besuchern. Um kleine Elektroflitzer zu testen, ist eine kleine Rundstrecke eingerichtet worden. Außerdem findet in diesem Jahr eine Sonderschau zur 90-jährigen Geschichte des Traditionsrennens von Le Mans statt.

Immerhin BMW präsentiert auf dem 84. Autosalon in Genf eine kleine Revolution. Nach dem Start für das Elektroauto i3 setzen die Münchner auf ein Konzept, das sie lange gerne der Konkurrenz überlassen haben. BMW präsentiert einen Van und das auch noch mit Frontantrieb. Beides galt bei der sportlichen Nobelmarke lange als Tabu. Doch die Zeiten ändern sich. Und auch der Hype um alternative Antriebe, der in den vergangenen Jahren am Genfer See zu beobachten war, wird wohl spürbar nachlassen, wenn sich die Tore des 84. Salons in der kommenden Woche öffnen. Die Branche setzt auf viel Bewährtes.

Dabei lassen sich die Hersteller allerdings nicht lumpen. Die Branche laufe mit “konventionellen Neuerungen zu neuer Höchstform auf”, stellt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen fest. Konventionelle Kleinwagen stehen neben neuen Premium-Modellen. Die Themen Elektroauto, Plug-In und Hybride, die vor zwei Jahren noch den Genfer-Autosalon beherrschten, rücken in den Hintergrund. “Die Genfer-Realität im März 2014 lautet: Alternative Antriebe sind zur Randerscheinung geworden”, sagt Dudenhöffer. Die Industrie sieht das naturgemäß ein bisschen anders.

“Auf dem Genfer Salon kann man sehen, dass die Antriebe der Fahrzeuge über alle Segmente hinweg immer sparsamer werden”, sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. “Die Elektromobilität nimmt in diesem Jahr Fahrt auf. Die Autos kommen jetzt auf die Straße. Allein in den Verkaufshäusern der deutschen Hersteller werden Ende des Jahres 16 Serienmodelle stehen.”

Doch nicht alle neuen Wagen sind in Genf zu sehen. Daimler etwa hat nichts wirklich Neues vorzuweisen: Die Stuttgarter werden in der Schweiz ihre bereits in Detroit vorgeführte neue C-Klasse erstmals in Europa ausstellen, auch die V-Klasse – der Konkurrent zum VW-Bulli T5 – wird am Daimler-Stand geparkt. Daneben wird das glitzernde Coupé der 2013 angelaufenen S-Klasse vorgeführt – auf Wunsch können die Scheinwerfer mit Swarovski-Kristallen bestückt werden. Auch wenn sich der Neuigkeitswert in Grenzen hält.

Den Schwaben hilft das Modellfeuerwerk, wieder in die Spur zu kommen. Schon im vergangenen Jahr haben sich die runderneuerten Kompaktwagen der A- und B-Klasse sowie die Limousinen der E- und S-Klasse positiv auf die Umsätze der Schwaben niedergeschlagen. Den Anschluss zu den Rivalen BMW und Audi haben sie damit nach wie vor noch nicht geschafft. Die VW-Tochter Porsche wird ebenfalls nur Altbekanntes vorstellen. Der kleine Geländewagen Macan, der im Herbst in Los Angeles zum ersten Mal gezeigt wurde, feiert seine Europapremiere.

Daneben konzentriert sich der Sportwagenhersteller auf sein Fahrzeug der für Rennen der Langstreckenklasse LMP1 mit Hybrid-Technologie. Zwar dürfte diese Ausstattung kaum 1:1 in Porsches “Massenware” wie dem 911er oder dem Cayenne zu finden sein. Seinen Sinn hat es aber dennoch. “Wir befruchten mit diesen neuen Modellen den Technologietransfer”, sagte ein Sprecher.

Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen drehte sich in den vergangenen Wochen fast alles um Lastwagen statt um Pkw. Das Milliarden-Angebot für die Lkw-Tochter Scania und die Verpflichtung des Ex-Daimler-Managers Andreas Renschler überstrahlten auch die guten Jahreszahlen aus 2013 und den vorsichtigen Ausblick für dieses Jahr. In Genf steht aber wieder das Alltagsgeschäft im Mittelpunkt: VW zeigt das überarbeitete Gesicht seines VW-Polo und will mit neuen sparsameren Motoren punkten.

Stabilität gibt es auch bei Opel. Dort kommt Karl-Thomas Neumann zum zweiten Mal hintereinander als Unternehmenschef nach Genf. Am 1. März 2013 trat er sein Amt an – und ist nach seinen drei (Übergangs-)Vorgängern der erste, der zwei Genfer Messen in Serie als Opel-Boss absolviert. Im Gepäck hat er eine Cabrio-Variante des Adam – und stellt ebenfalls sparsamere Aggregate in Aussicht. Vergangenes Jahr schlug sich die deutsche General-Motors-Tochter achtsam und halbierte ihre Verluste. Doch Neumann kündigte bereits an: Der Weg zurück in die Gewinnzone bis 2016 werde dieses Jahr nicht einfacher.

Beim angeschlagenen PSA-Konzern steht in Genf indes ein neuer Chef im Fokus: Seit der Einstieg des chinesischen Herstellers Dongfeng unter Dach und Fach ist, lenkt Carlos Tavares die Geschicke von Peugeot und Citroën und soll den Konzern aus den tiefroten Zahlen führen. Dazu fahren die Franzosen mit den Nachfolgern der Kleinwagen Citroën C1 und Peugeot 107 frische Modellen auf. Citroën präsentiert außerdem den optisch ausgefallenen Kompaktwagen C4 Cactus. Ob das alles den Franzosen hilft, wird sich wohl schon im Laufe des Jahres zeigen.

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dpa/Andreas Karius