| von Stefan Grundhoff

In Norditalien sind ganze Regionen abgeriegelt, Österreich verschärft die Grenzkontrollen und auch in Deutschland steigt die Zahl der Infizierten. Da wundert es, dass die Veranstalter des Genfer Automobilsalons die Veranstaltung im Messezentrum Palexpo bisher nicht mehr hinterfragten. Von Seiten einiger Autohersteller hört man, dass viele Executives sich in diesem Jahr die Reise an den Genfer See sparen. Auch viele Journalisten machen einen Bogen um die Show. Dabei ist der Genfer Salon eine Messe, die sich sonst einer großen Beliebtheit erfreute. Doch das Coronavirus greift auch in Europa immer mehr um sich und so ist die Angst, eine Großveranstaltung mit internationalem Publikum zu besuchen, nicht ganz unbegründet. Bereits vor knapp zwei Wochen wurde die Auto China im April abgesagt und auf einen unbestimmten Termin nach hinten verschoben. Weitere Großveranstaltungen in China hatten es vorgemacht und auch der Mobile World Congress in Barcelona wurde kurzfristig abgesagt. Längst ist das Coronavirus kein asiatisches Problem mehr. Immer mehr Infizierte melden sich auch in Europa.

Wie der Messeveranstalter mitteilte, "steht der Eröffnung der GIMS nach der heutigen Sachlage nichts im Wege". Bereits am Montag (2. März) geht es offiziell für die Presse los. Das Publikum wird vom 5. bis 15. März am Genfer See erwartet. Der Grund für die Freigabe der Messe sind die kantonalen Gesundheitsbehörden, die aktuell keine Gefahr sehen. Nach offizieller Mitteilung folgen GIMS und Palexpo damit den Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und stehen in engem Kontakt mit der Generaldirektion für Gesundheit der Republik und des Kantons Genf und ihrem medizinischen Berater. Immerhin soll die Situation in regelmäßigen Abständen von den Organisatoren neu eingeschätzt werden.

Doch die Veranstalter des Genfer Salon wissen, dass es um mehr als eine reine Verschiebung geht. Würde man die Messe absagen, würde diese im laufenden Automobiljahr kaum noch stattfinden können. Und das in einem Jahr, in dem ohnehin knapp 20 Hersteller auf dem Genfer Salon fehlen. Leere Gänge und fehlende Stände gab es bereits 2019. Jaguar Land Rover oder Ford sind auch in diesem Jahr nicht die einzigen, die das Messezentrum Palexpo erneut nicht besuchen. Auch PSA wird mit den Konzernmarken Opel, Peugeot und Citroen nicht auf dem Genfer Salon 2020 ausstellen. Auch Marken wie Nissan oder Lamborghini sagten ihre Teilnahme bereits im Vorfeld ab und werden sich nunmehr nicht nur die Hände reiben, weil man Millionen von Euro für den Messeauftritt und das Drumherum gespart hat.

Die Messe wackelt

Doch der Veranstalter des Genfer Salon hat Sorgen. Findet die Messe in der kommenden Woche nicht statt, ist die Nachholung ungewisser denn je. Gesichert scheint dagegen, dass viele Autohersteller bei einer Wiederholung nicht mehr kommen werden. Das kostet Aufmerksamkeit und Millionen Franken für Messe, Hotel- und Gaststättengewerbe. Noch düsterer sähe es für die Neuauflage im Jahre 2021 aus, denn so hätten viele Hersteller einen Testlauf, ob sich die Nichtteilnahme überhaupt negativ bemerkbar machen würde. Da auch der Genfer Salon bei vielen Autoherstellern zunehmend auf der Streichliste steht und damit den Großveranstaltungen wie New York, Paris, Detroit oder Frankfurt folgen könnte, überrascht es nicht, dass die Veranstaltung auf jeden Fall durchgezogen werden soll.

Die Probleme der großen Automessen werden auch ohne das Coronavirus von Jahr zu Jahr größer. Die Ausstellungsflächen sind teurer denn je, der Kostenaufwand für Planung, Messebau und Personal gigantisch. Dabei lässt sich der Erfolg der ausgestellten Produkte nur schwer in Imagegewinn und Verkäufen berechnen. In den Vorstandsetagen hat zudem längst eine neue Generation von Topmanagern das Sagen, die die millionenschweren Ausgaben nicht einfach ohne kritisches Hinterfragen durchnicken. Zudem gelingt es mit den Messen speziell in Europa kaum, ein neues, jüngeres Publikum anzulocken. Das sieht in Asien anders aus und so sind speziell die chinesischen Messen in Shanghai, Peking oder Guangzhou bestens besucht. Hier geht es noch um Imagebildung und anstehende Verkäufe an potenzielle Erstkunden. Auch in Korea oder Indien lohnt sich noch das Invest in traditionelle Großveranstaltungen.

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