Peugeot Sonnenuntergang

Der Ausstieg des US-Autobauers General Motors schickt die PSA-Aktie auf Talfahrt. - Bild: kru

GM hatte am Vorabend angekündigt, seine gesamte Beteiligung von sieben Prozent an Peugeot zu verkaufen, die er im Frühjahr vergangenen Jahres im Zuge einer strategischen Allianz erworben hatte. Laut Händlern lastet auch eine drohende Kapitalerhöhung auf dem Kurs. Der Autobauer hatte dies als eine Option in Aussicht gestellt.

Das Paket von GM wurde laut Händlern zum Preis von zehn Euro je Peugeot-Aktie platziert und damit am unteren Ende der Bookbuilding-Spanne, die von 10,00 bis 10,30 Euro reichte. “Angesichts der drohenden Kapitalerhöhung war eine Platzierung zu einem höheren Preis offensichtlich illusorisch”, sagt ein Händler. Denn mit dem Ausstieg von GM falle nun ein Großinvestor weg, der diese hätte mittragen können. “Das ist für die Kapitalaufstockung natürlich ein fatales Signal”. Eine Bezugsrechteemission von drei bis vier Milliarden Euro, wie sie jüngst in der Presse thematisiert worden sei, sei nun unwahrscheinlicher. Die Peugeot-Aktie steht aktuell mit 9,3 Prozent im Minus bei 9,64 Euro.

Angesichts des Ausstiegs von GM stelle sich zudem die Frage, ob der US-Autobauer über die Interna bei den Franzosen – und mögliche Probleme – mehr wisse, sagte ein anderer Beobachter.

Wirtschaftliche Situation bei PSA bleibt weiter sehr angespannt

Die Lage bei Peugeot-Citroën ist derzeit prekär: Der Konzern muss erneut massive Abschreibungen vornehmen, diesmal in Höhe von 1,1 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Auch negative Wechselkursentwicklungen in Russland und Lateinamerika bereiten den Franzosen Kopfzerbrechen. Wegen der schwachen Geschäfte in Europa und seiner Abhängigkeit vom europäischen Markt musste Peugeot bereits im vergangenen Jahr massive Abschreibungen von 4,12 Milliarden Euro vornehmen und fuhr in Folge einen Rekordverlust von fünf Milliarden Euro ein.

Die Allianz mit GM – und im Zuge dessen eine Zusammenarbeit mit der ebenfalls krisengebeutelten GM-Tochter Opel – sollte eigentlich helfen, Kosten zu sparen. Allerdings rechnen die Partner bis 2018 jetzt nur noch mit Synergien von rund 1,2 Milliarden US-Dollar, die sich gleichmäßig auf die beiden Unternehmen verteilen sollen. Bislang war das deutsch-französische Duo von Einsparungen von zwei Milliarden Dollar ausgegangen.

Partner wollen ihre Allianz “neu abstecken und verkleinern”

GM und Peugeot-Citroën hatten am Donnerstag auch angekündigt, ihre ursprünglich großangelegte Allianz neu abzustecken und zu verkleinern. Anstatt weltweit zusammenzuarbeiten, konzentriert sich die Kooperation nur noch auf Europa. Zudem werden einige geplante gemeinsame Projekte nun doch nicht angegangen, andere kommen dagegen hinzu. So soll nach eingehender Analyse die geplante Zusammenarbeit bei Kleinwagen und die damit verbundene Kooperation bei kleinen Benzinmotoren nicht mehr weiter verfolgt werden. Dagegen wollen die Autobauer künftig auch bei leichten Nutzfahrzeugen zusammenarbeiten. Zudem wird die Allianz – wie sich bereits angedeutet hatte – um eine gemeinsame Fahrzeugfertigung erweitert.

Allerdings erklärten beide Partner, dass sie dabei weiter offen “für neue Möglichkeiten” der Zusammenarbeit blieben und ließen damit Raum für Spekulationen. Peugeot hatte erklärt, mögliche Projekte mit anderen Partnern, darunter der chinesischen Dongfeng Motor, zu prüfen. Darüber, dass der chinesische Autobauer Dongfeng im Zuge einer Kapitalerhöhung bei Peugeot-Citroën einsteigen könnte, war bereits im Oktober spekuliert worden.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke